Seite 1 von 2
#1 4# Leben. von Judith 05.10.2012 00:37

avatar

Mein September Beri. Sorry, dass der so ewig lang ist... ich hoffe, es ist alles ok so. Aufgabe und beide Schicksäle sind drin.
Ich musste den Beri teilen. Er war zu lang fürs nachrichtenfeld -.-

--------------------------------------------------------------------------------------------

„Werden wir je darüber reden?“ Was hatte dieser Satz mich für Überwindung gekostet. Leisha sah überrascht von ihrem Schneidebrett auf. „Was?“ Ich zögerte. Es war schon ein bisschen Zeit vergangen, seitdem wir uns vor Rascaias Box und ihrem Fohlen geküsst hatten. Seitdem hatten wir uns öfters getroffen und vor allem viel zusammen gekocht, denn wenn Davi den ganzen Tag aufgrund ihrer Pferde und Kühe im Stall war während ich nur Bad Romance zu versorgen hatte, war es oft etwas einsam. Klar, Davi kam manchmal zum Mittag essen nach Hause, aber das wurde seltener, je mehr sie zu tun hatte. Und da ich es früher nicht anders gemacht hatte, fand ich das vollkommen okay und war dankbar, dass Leisha mich so oft zum Kochen einlud. Zwischen uns hatte sich eine innige Freundschaft entwickelt, aber wenn ich ganz ehrlich sein sollte, war mir das nicht genug. Ich war Leisha hoffnungslos verfallen und das lag nicht nur an dem Kuss. Es lag an ihrer Art, an ihrem Humor, an ihrem Lachen, einfach an ihr. Und so nagte und nagte und nagte ich an der Frage, warum sie mich geküsst hatte, um sie jetzt endlich mehr oder weniger gestellt zu haben. Immerhin bewegten wir uns langsam auf das Thema zu, was schon mal ein großer Fortschritt gegenüber schweigen war.

Jetzt hatte ich die Frage gestellt und sah Leisha an, dass sie keine Ahnung hatte, was ich meinte. „Ich meinte über den Abend wo Rascaia gefohlt hat“, tastete ich mich weiter vor. Über Leishas Gesicht glitt ein Ausdruck, den ich nicht deuten konnte. Nur ganz kurz, dann war ihre Miene so offen und freundlich wie zuvor. „Ach das meinst du“, sie fuhr sich durchs Haar. Offenbar war ich nicht die einzige Nervöse hier. „Hör mal, ich glaube, es wäre einfacher, wenn wir einfach Freundinnen sein würden, was meinst du?“ Leisha versuchte ein Lächeln. Ich tat es ihr gleich, auch wenn mir gar nicht danach war. „Der Meinung bin ich auch“ stimmte ich zu, obwohl mein Herz das Gegenteil schrie. Wieder glitt dieser Ausdruck über das Gesicht der Frau mir gegenüber, aber wieder währte er nicht lange genug, so dass ich ihn nicht deuten konnte. Ich senkte meinen Blick auf das Schneidebrett und die Gurke unter meinen Händen und fuhr fort, das grüne Ding in schmale Streifen zu schneiden. Besser ich vergaß die ganze Sache.

******
„Danke wie immer für das Essen“, grinste ich ungefähr anderthalb Stunden später, als Leisha und ich unser Mahl beendet und die Küche aufgeräumt hatten. Das Grinsen fiel mir nicht leicht, aber ich wollte nicht zugeben, wie hart mich Leishas Statement getroffen hatte. „Ich muss jetzt auch wirklich zum Hof, sonst kriege ich das heute nicht mehr auf die Reihe mit Romance“ „Ein eigenes Pferd ist schon eine Last“, lachte Leisha und umarmte mich zum Abschied. Ich schloss kurz die Augen und gab mich der Umarmung ganz hin, löste mich dann sanft und machte mich auf den Weg zum Hof.

Ich war noch nicht weit gekommen, da ertönte eine Hupe hinter mir.Zuerst tat ich so, als merkte ich es nicht – wer weiß, wer damit gemeint war – aber der Autofahrer hupte nochmal nachdrücklicher und weil weit und breit niemand zu sehen war außer mir, also drehte ich mich schließlich um. Chris fuhr langsam mit seinem Auto näher an den Rand und ließ die Scheiben runter. „Soll ich dich mitnehmen?“ Ich zögerte. „Nein, danke, ich brauche frische Luft“ Chris sah mich beleidigt an, zuckte aber mit den Achseln, fuhr die Fensterscheibe wieder hoch und brauste davon. Eine Sekunde lang bereute ich es, dass Angebot abgeschlagen zu haben, doch dann sagte ich mir, dass es so besser war. Die nächste Bushaltestelle war nicht weit und wenn ich mich ein bisschen beeilte, würde ich sogar noch den nächsten Bus kriegen.

Ich fing also an zu rennen und bekam den Bus tatsächlich noch. Es waren nicht viele Leute drin, also konnte ich mir einen Fensterplatz suchen ohne jemanden neben mir zu haben. Ich starrte aus dem schmutzigen Fenster, ohne wirklich was zu sehen. Meine Gedanken kreisten. Sie kreisten von Leisha zu Saskia, von Saskia zu meinen Adoptiveltern, die sich immer noch nicht gemeldet hatten und von meinen Adoptiveltern zurück zu Saskia und damit zu Leisha. Saskias Tod wirbelte mit dem meiner leiblichen Eltern durcheinander, Leishas Zurückweisung mit der meiner Adoptiveltern, bis ich nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand. Eine ausgewachsene Panikattacke kündigte sich an und ich war mehr als froh, dass der Bus die Hofhaltestelle erreicht hatte. An dem verdutzt blickenden Busfahrer und den verwirrten Fahrgästen vorbei stürzte ich nach draußen, ließ mich auf den Boden fallen und steckte den Kopf zwischen die Knie. Dabei atmete ich betont ruhig und gleichmäßig. Langsam ging es mir etwas besser und ich erhob mich. Der Busfahrer starrte nach wie vor durch die offene Tür auf mich herunter. „Alles ok?“, fragte er schließlich zögernd. Ich rang mir ein Lächeln ab. „Ja, alles ok. Nur ein bisschen der Kreislauf, sonst nichts“ Nicht, dass der Busfahrer sonderlich beruhigt aussah. Aber er stellte keine weiteren Fragen, sondern schloss die Tür und fuhr davon. Endlich.

Mit noch etwas wackeligen Beinen aber soweit wieder hergestellt wankte ich Richtung Hof, versuchte mich im ruhigen Atmen, ordnete mit einer Hand meine wirren Haare. Ich wollte niemandem einen Schrecken einjagen und Rose, Davi und wer sich sonst noch Sorgen um mich machte keinen Anlass für neue Sorgen geben. Vor dem Tor angekommen atmete ich noch zweimal tief durch. „Jetzt wird sich zeigen, wie gut ich Schauspielern kann“, murmelte ich leise und betrat den Hof.

Meine Schauspielkunst wurde direkt auf die härteste Probe gestellt, denn die erste die mir über den Weg lief war ausgerechnet Rose mit ihrem ausgeprägten Sinn für Lügen und für Menschen generell. 'Huhu', gebärdete sie überschwänglich. Sie strahlte wie die Sonne im Hochsommer und ich konnte meine fragende Miene wohl nicht unterdrückten, denn Rose gebärdete direkt weiter, immer noch ein fettes Grinsen auf dem Gesicht. 'Du fragst dich was los ist? Guck dich doch um! Wie kann man an so einem Tag nicht glücklich sein?' Rose schloss mit einer Handbewegung den blauen Himmel, den friedlichen Hof der teils in der Sonne, teils im Schatten liegend fast etwas geheimnisvolles hatte, die Weiden mit den Pferden, die sich langsam bunt färbenden Blätter an den vielen Bäumen rund um den Hof, die letzten Sommerblumen, die auf den Weiden und daneben wuchsen. Ich wusste genau, wie man an so einem Tag nicht glücklich sein konnte. Wenn man gerade eine Abfuhr erhalten hatte, war das nicht immer das einfachste der Welt, glücklich zu sein. 'Perfektes Wetter für einen Ausritt' quasselte Rose unermüdlich weiter. 'Davi nimmt mich mit, sie nimmt Karlos, wir hoffen, dass sich The End of Days von seiner Ruhe etwas anstecken lässt. 'Er macht das doch echt gut, ihr packt das schon' kommentierte ich lahm. Rose schien es ausnahmsweise nicht zu merken. 'Denke ich auch! Ich muss dann auch los, Davi und ich treffen uns in 5 Minuten beim Putzplatz und ich muss meinen Dicken noch von der Weide holen' Erleichtert sah ich Rose zu, wie sie davon sprang, so dass ihre braunen Locken nur so auf und ab hüpften. Es war schön, Rose so überschäumend und voller Freude zu sehen. Es war sicher nicht immer einfach für sie auf einem Hof voller hörender und dafür kam sie echt super zurecht.

Ein paar Sekunden stand ich verloren mitten auf dem Hof herum, gab mir dann einen Ruck und stapfte Richtung Sattelkammer. Es war Zeit für ein bisschen Training mit meinem Arschlochpferd. Auf dem Weg zur Sattelkammer begegnete ich einer jungen Frau, die etwa in meinem Alter und mir unbekannt war. Sie musste also noch recht neu sein. Wahrscheinlich nicht mehr ganz neu, denn ich hielt mich im Großen und Ganzen eher von allen Menschen hier fern und bekam deshalb neue Mitglieder nicht immer direkt mit, aber immerhin musste sie in den letzten beiden Wochen gekommen sein. Ihrem Gesicht sah ich an, dass sie mich auch nicht kannte. Sie lächelte mich aber direkt offen und freundlich an. „Hallo, wir kennen uns noch nicht?!“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, trotzdem nickte ich und bemühte mich um ein ebenfalls freundliches Lächeln. Die junge Frau mit den kurzen Haaren musterte mich kurz intensiv aus ihren blauen Augen, streckte mir dann ihre Hand entgegen. „Ich bin Catrice und noch nicht lange hier“ „Hallo Catrice, ich bin Judith“, stellte ich mich meinerseits vor und unterdrückte nur mühsam den Impuls, in Gebärdensprache mit ihr zu reden. Unglaublich, wie schnell man sich wieder an diese Sprache gewöhnte, wenn man sie mal was länger und öfter sprach. Um nicht komplett unhöflich zu erscheinen erkundigte ich mich nach Catrice Pflegepferd. „Ich habe South African Dream“ erzählte sie mit einem Augenrollen, lächelte aber dabei. Ich meinte mich zu erinnern, dass Sota ein nicht ganz einfaches aber bildhübsches Deutsches Reitpony war. Ich erzählte ihr im Gegenzug ein bisschen was von Romance. „Und wenn ich ehrlich sein soll, muss ich auch mal dringend zu ihm. Ich habe heute Abend noch eine Verabredung“ entschuldigte ich mich, auch wenn letzteres nicht so ganz stimmte. „Kein Problem, ich muss auch weiter. Man sieht sich sicher noch mal“ Ich nickte und hastete weiter zur Sattelkammer. Nicht, dass mir noch mehr fremde Leute über den Weg laufen würden.

Aus meinem Spind kramte ich Romeos mittlerweile nicht mehr ganz so neues Nylonhalfter in dunkelblau und musste noch ein bisschen wühlen, um den richtigen Strick zu finden. Ich hatte gestern mit ihm einen Spaziergang gemacht und da benutzte ich immer den längeren Strick, weil Romance sehr zum Hampeln und Tänzeln neigte, damit er mir nicht auf den Füßen herum trampelte. Aber jetzt zum von der Weide holen war der kurze Strick um einiges besser. Als ich diesen endlich gefunden hatte, schnappte ich mir noch schnell Romances Putzbox und brachte sie auf dem Weg zur Weide schon mal zum Putzplatz. Dann musste ich Romance gleich nicht so viel alleine lassen.

„Bad Romance!“, rief ich keine 5 Minuten später laut zu meinem Pony herüber. So ganz konnte ich immer noch nicht begreifen, dass dieses verrückte Pony wirklich mir gehörte, auch wenn ich den Vertrag schon vor einer Weile unterschrieben hatte. Es gab Momente, wo mich das freute und es gab leider auch Momente, wo ich das bereute. Wie zum Beispiel jetzt, wo Romance sich keinen Millimeter in meine Richtung bewegt, scheinbar unbeteiligt weiter grast. Nur seine Ohren zucken in meine Richtung, ganz kurz, aber wahrnehmbar. „Ja ne, ist klar. Gestern noch angedackelt kommen und mich heute nicht mehr kennen, so haben wir es doch gern!“, schimpfte ich vor mich hin und mache Anstalten, mich auf die Weide zu begeben. Dann eben den umständlichen Weg. „Macht er dir Sorgen?“ Ich zuckte zusammen. Nina hatte sich von hinten angeschlichen und sah mich neugierig an. Hinter ihr stand Julia, deren Gesicht eher Sorgenfalten zierten. „Erschreckt mich doch nicht so!“, beschwerte ich mich, zuckte aber dann mit den Schultern. „Nicht mehr als sonst, warum?“ „Du stehst hier rum und schimpfst vor dich hin, da dachten wir, dass wir lieber mal nachfragen“, mischte sich jetzt Julia ein und warf Nina einen scharfen Blick zu. Diese nickte daraufhin nur brav, auch wenn mir nicht entgangen war, dass sie ihren Mund schon zu einer Antwort geöffnet hatte. „Was geht hier vor?“, fragte ich verwirrt. „Was soll vorgehen?“, fragte Julia ahnungslos, aber mir schon eine Spur ZU ahnungslos. „Ach nichts“ murmelte ich leise. Wenn es was wichtiges war, würde ich es schon erfahren. „Wir gehen dann auch mal weiter, wir kontrollieren eigentlich Zäune“ Julia packte etwas unsanft Ninas Arm und zog sie mit sich fort. Zurück blieb nur ich. Irritiert und einen Moment sehr abgelenkt von meinem eigentlichen Vorhaben. Was war das denn bitte gewesen?

Diese merkwürdige Unterbrechung zeigte aber wenige Sekunden später, dass sie etwas Gutes gehabt hatte, denn als ich mich wieder an Romance erinnerte und an mein Vorhaben, war das Pony – mit angelegten Ohren aber immerhin – näher an den Zaun geschlichen und stand jetzt direkt neben mir. „Hallo Romance, doch noch für mich entschieden?“, begrüßte ich den Hengst schmunzelnd, schlüpfte schnell durch den Zaun und stülpte Romance das Halfter über den Kopf, sprang dann sofort einen Meter zurück, entging so Romeos obligatorischer Schnappattacke, und klatschte einmal kräftig mit dem Strickende auf seine Brust. Der Welsh zuckte zusammen. Es war zwar nicht fest gewesen, aber fester als sonst. „Guck nicht so blöd. Denkst du, ich lasse mir auf der Nase herum tanzen?? Wenn du nicht auf Klapse reagierst und weiter nach mir schnappst, wenn ich dich aufhalftere, muss ich eben mal ein bisschen stärker klatschen. Hat aber doch geklappt, du warst irritiert. Mal sehen, wie es Morgen wird“ Dieser kleine Sieg über mein zickiges Pony verbesserte meine Laune schlagartig und ohne mich beirren zu lassen, stapfte ich mit Mister Eingeschnappt zum Putzplatz.

Dort hatten sich schon Davina, Catrice, Rose und Cora versammelt und schrubbten ihre Pferde um die Wette. „Hallo“, grüßte ich, wohlwissend, dass sich niemand an der Knappheit stören würde. Selbst Catrice müsste nach dem kurzen Gespräch ein Licht aufgegangen sein und wenn nicht, dann spätestens jetzt. Rose erntete natürlich eine extra Handbewegung. Ich bemerkte Catrices faszinierten Blick und lächelte leicht. „Dann weiß ich ja, an wenn ich mich wende, wenn ich mal ne Dolmetscherin brauche“, grinste Cati und ich war gut gelaunt genug, um auf ihren spöttischen Ton einzusteigen. Man schien mir wirklich nicht mehr anzumerken, wie schlecht ich mich eben noch gefühlt hatte, denn selbst Rose warf mir nur amüsierte und keine sorgenvollen Blicke zu. Ich nahm mir einen Striegel und eine Kardätsche zur Hand und fing an, Romances Fell zu bearbeiten, während ich mich mit den vier anderen über Belanglosigkeiten unterhielt. Rose war immer noch sehr hibbelig während des geplanten Ausritts und auch auf Day schien sich ihre Unruhe teilweise zu übertragen, während Davi und Karlos einen wie immer sehr gelassenen Eindruck machten. Sota hibbelte auch ziemlich herum und machte Romance ordentlich Konkurrenz, der nach seinem Schock eben noch nicht wieder ganz zur Höchstform aufgelaufen war.

Als ich Striegel und Kardätsche ihr Werk vollendet hatten und ich mich anschickte, mit der Wurzelbürste Romances Beinen an den Kragen zu gehen, waren Rose und Davi Aufbruchs bereit. Wir zurück bleibenden wünschten viel Glück und vor allem Spaß und waren kurz darauf nur noch zu dritt. Und keine 2 Minuten später war auch Cora fertig und verzog sich mit ihrer Kleinen in die Bodenarbeitshalle. Catrice blieb mir noch etwas länger erhalten, doch noch bevor ich mit den Hufen anfangen hatte, verabschiedete auch sie sich, um mit Sota in die Halle zu gehen. Zurück blieb nur ich und mein Hengst, der meinte, mir mal wieder das Leben schwer machen zu müssen. Dazu kam noch, dass ich ohne das Lachen und Reden um mich herum unweigerlich wieder an Leisha denken musste, was meine Stimmung rasant dem Nullpunkt entgegen trug. Seufzend gab ich Romance einen Klaps, da er seinen rechten Vorderhuf weggezogen hatte, kratzte schnell den Rest Schlamm unter den Hufen weg und schmiss den Kratzer dann in den Putzkasten.

„Alles ok?“ Ich zuckte zum zweiten Mal heute zusammen und es war zum zweiten Mal wegen ein und derselben Person. „Nina!“, schimpfte ich leise. „Sorry“, entschuldigte sich diese und sah mich aus ihren dunklen Augen unschuldig an. „Okay, kannst du mir jetzt sagen, was die Aktion eben sollte?!“, bat ich etwas genervt. Nina seufzte leise. „Julia macht sich nur etwas Sorgen, stör dich nicht dran“ „Sorgen?“, fragte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. Nina zuckte mit den Achseln. Hinter mir scharrte Bad Romance mit dem Vorderhuf auf dem Boden herum und ich drehte mich reflexartig halb zu ihm um, griff in sein Halfter und sah ihm streng in die Augen „Ruhig!“ Bad Romances Ohren schossen erst nach vorne, dann wieder nach hinten und er versuchte zu schnappen, was mich nur zum lächeln brachte – und Romance fing sich wieder einen Rüffel ein. Irgendwann würde er es schon lernen. Nina seufzte erneut und zog damit wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich. „Genau deswegen“ „Hä?“, machte ich nur wenig intelligent „Was ist mit Bad Romance?“ Nina verdrehte leicht die Augen. „An sich nichts, ihm fehlt nichts, wenn du das meinst. Aber guck euch doch mal an: Wie lange hast du ihn jetzt schon?“ Ich zuckte mit den Schultern „Weiß ich nicht genau“ „Ich aber. Am 23.5 hast du den Probevertrag unterschrieben. Wir haben heute mal Aktensichtung gemacht, altes aussortiert und so, darunter halt auch den Vertrag, weil ja nun ein fester da ist“ Ich kam nicht so ganz mit. „Und das Problem liegt jetzt genau wo?“, hakte ich nochmal nach. „Das sind etwas mehr als 3 Monate, keine besonders lange Zeit, wenn ich ehrlich sein soll. Und jetzt guck euch an. Was für Fortschritte ihr macht, wie unendlich viel Geduld du mit ihm hast, wie du seinen Schnappattacken ausweichst und trotzdem nie versäumst, ihn dafür zu tadeln. In der unerschöpflichen Hoffnung, dass es besser wird, was es sicher auch tut.“ „Und der Punkt ist jetzt wo?“ „Wir haben auch Hoffnungen, Judith. Hoffnungen, dass es irgendwo einen Menschen gibt, der aus unserem Bad Romance einen Romeo machen kann. Und Julia hat große Hoffnungen, dass du dieser Mensch sein könntest. Sie hat einfach nur Angst, dass es dir zu viel wird, dass Romance dir auf die Nerven geht, dass du keine Lust mehr auf ein schweres Pferd hast. Oder das wir uns in etwas verrennen. Wir haben euch beide noch nie zusammen in der Halle oder auf dem Platz gesehen, immer nur bei der Bodenarbeit oder so, weil wir nicht stören wollten und auch anderes zu tun haben. Einerseits will Julia sich versichern, dass noch alles in Ordnung ist und du Romance noch nicht aufgegeben hast, andererseits wollten wir fragen, ob wir die nächsten Tage vielleicht mal beim Reiten zu zugucken können. Nur Julia hielt es für besser, dir nichts davon zu sagen. Frag mich nicht warum“

„Und deshalb macht ihr so ein Theater? Noch hab ich Romance nicht aufgegeben, noch verlasse ich ihn nicht – und ich habe es bis jetzt auch nicht vor. Davon mir zuzugucken kann ich euch eh nicht abhalten, fühlt euch immer herzlich eingeladen, bedenkt aber, dass ich in der Regel nur höchstens jeden zweiten Tag reite, weil ich ja auch viel mit Bodenarbeit und so mache und Romance nicht die Lust am geritten werden noch mehr verlieren soll, als er sie ohnehin schon verloren hat“ Nina nickte. „Ja, wir sind wohl heute beide etwas komisch drauf. Julia hat schlecht geträumt“ Ich konnte nicht verhindern, dass ich grinsen musste. Ich finde das echt süß, wie lieb ihr euch habt“, lächelte Nina dann plötzlich. Etwas verwundert sah ich mich nach Romance um. Ich hatte weder bemerkt, dass ich wie eine bekloppte seinen Hals streichelte, noch das Romance in eine Art Dämmerzustand übergegangen war. „Oh“, murmelte ich leise. „Ich bin überzeugt davon, dass ihr super zusammen passt“, stellte Nina fest. „Ähm jao“ ich zog meine Hand immer noch sehr überrascht zurück und fuhr mir durch mein sowieso schon verwuscheltes Haar. „Also, zugucken jeden zweiten Tag ab heute, aber morgen mache ich Gehorsamkeitstraining, übermorgen Freispringen, also geht das erst wieder in 3 Tagen“ „Sehr durchgeplant“, lachte Nina. „Wenn ich den Plan nicht morgen über den Haufen werfe, ja“, lachte ich zurück. „Ich gebe es an Julia weiter und irgendwann stellen wir uns einfach mal dazu. Ich will auch nicht länger stören“ Ich kam nicht mehr dazu, „Du störst nicht“ zu sagen, da war Nina schon wieder entschwunden und ich erneut allein.

Kopfschüttelnd sah ich der jungen Frau hinterher, stapfte dann zur Sattelkammer und belud mich mit Romances Zeug. Seine Trense hängte ich mir über den Arm, ebenso wie meinen Helm. Die Gerte klemmte ich zwischen Arm und Körper ein, meine Handschuhe kamen in die Tasche meines Pullis. Gamaschen vergaß ich auch nicht, die legte ich einfach in den Helm. Die Dreiecker legte ich mir über den anderen Arm und auf beide Arme kam der Sattel. So war ich zwar sehr vollbeladen, musste aber nicht zweimal laufen. Es lebe die Faulheit! Romance starrte mir misstrauisch entgegen, aber ich kümmerte mich wenig drum, lud die Sachen vorsichtig mit einem gewissen Abstand zu Romance ab, schnappte mir dann seinen Sattel mit Schabracke in dunkelblau und legte den Sattel sanft auf seinem Rücken ab. Als nächstes fummelte ich mit den Dreieckern herum, bis sie auch schön befestigt und fast fertig zum Gebrauch waren, zog dann den Sattelgurt locker fest. Als nächstes beugte ich mich mit dunkelblauen Gamaschen in der Hand zu Romances Vorderbeinen herunter, hielt das linke Bein energisch fest, während ich geübt die Gamasche festklettete. Romance versuchte zwar, sein Bein zu befreien, aber ich hatte ausnahmsweise mal die Oberhand und kriegte beide Gamaschen einigermaßen problemlos befestigt. Bevor ich trenste, zog ich den Sattelgurt noch ein paar Löcher fester. Romance zickte ein wenig herum, schnappte nach hinten, hörte aber wieder auf, als er dafür einen kräftigen Klaps bekam. „So nicht!“, zischte ich leise, trenste schnell und trat dann – die Zügel fest in der Hand – einen Schritt zurück, um Romance bewundern zu können. Da es etwas gebraucht hatte, bis ich die ganze Ausrüstung zusammen hatte, hatte ich das geliehene Set noch ein bisschen länger benutzt und ritt jetzt das erste Mal mit neuen Sachen. Der Sattel war gut angepasst, die Trense passte und ich durfte mir innerlich selber auf die Schulter klopfen: Dunkles Blau stand Romance genauso gut, wie ich gedacht hatte. Zwar störten seine angelegten Ohren das Bild gewaltig, aber es kann ja nicht immer alles perfekt sein. Ich zog dem Pony die Zügel über den Kopf und machte mich auf zum Dressurplatz. Zum Glück war dieser leer, ich würde auch ohne andere Reiter genug mit Romance zu tun haben.

Etwas umständlich gelangten wir in die Mitte des Platzes, ich gurtete noch einmal nach, schwang mich dann in den Sattel. Romance tänzelte unwirsch auf der Stelle, aber ich ließ mich nicht irritieren, zog die Handschuhe über meine Finger, sortierte die Zügel, wechselte die Gerte, so dass sie nach innen zeigte, wenn ich gleich wie geplant auf der rechten Hand los reiten würde. „Gehen wir es an, Junge“, flüsterte ich leise, drückte Romance meine Schenkel in die Seite. Das Welsh Pony setzte sich nur widerwillig in Bewegung und ich setzte Kreuz und Schenkel nachdrücklich ein, um ihn im Bewegung zu halten und auf den Hufschlag zu bekommen. Auch wenn ich erst seit wenigen Sekunden ritt, musste ich mich schon vollkommen auf den Hengst konzentrieren, was mir aber nur recht war. Solange ich Romance ritt, konnte ich mich nicht mit meinen Problemen, mit Leisha, mit Autos und dem ganzen Zeug beschäftigen. Wenn ich wollte, dass Romance mitarbeitete, musste ich 100 Prozent geben und selbst dann war ein Erfolg nicht garantiert. Im Moment gab es nur Romance und mich. Und das war verdammt gut so.

Ich wusste, dass Romance früher nur mit Sporen geritten worden war und ich konnte das auch gut verstehen, aber ich war auf einem Gestüt ausgebildet worden, wo das Reiten mit Sporen sehr, sehr kritisch gesehen wurde. Ohne das es mir jemand erzählt hatte war klar, dass Bad Romance mit Sporen war geritten worden, weil er die Hilfen so schlecht annahm. Aber das war nicht der Weg, den ich einschlagen wollte. Wenn aus Bad Romance mal ein „gutes“ Pferd werden sollte, dann musste ich ihn dazu kriegen, dass er die Hilfen gerne und freiwillig annahm, und nicht, dass ich mit Sporen nachhelfen musste, damit ich eine Wirkung erzielte. So würde von feinen Hilfen nie die Rede sein können und das wollte ich nicht. Entweder ich bekam es so auf die Reihe oder ich würde Romance wieder abgeben, so einfach war das. Überhaupt war ich bis jetzt nur äußert selten mit Sporen geritten, auf dem Gestüt hatte ich sie nur benutzt, wenn ich einen meiner Lieblinge, eine bis S Dressur ausgebildete Rappstute hatte reiten dürfen. Die Stute war damals mit Verhaltensstörungen zu uns gekommen und hatte sich anschließend, als es ihr besser ging, noch ein Jahr bei uns erholt, in dem wir sie langsam wieder an Turniere herangeführt hatten, bis sie schließlich einen neuen Besitzer gefunden hatte. Und bei dem Training hatte ich zur feineren Hilfengebung auch auf Sporen zurück greifen dürfen. Aber als Zwangmittel hatte ich sie nie und würde ich sie auch nie benutzen. Mit einem feinen Lächeln auf den Lippen, dachte ich an meine Zeit auf dem Gestüt zurück, bis mir bewusst wurde, dass ich mich auf Romance konzentrieren sollte. Noch hatte er keinen Blödsinn angestellt, aber lange würde das nicht mehr so bleiben. Ich durfte mich von Erinnerungen nicht so ablenken lassen.

Keine Sekunde später hatte ich wirklich meine ganze Aufmerksamkeit auf Romance gelenkt und trieb das Pony energisch vorwärts. Vom entspannten Warmreiten konnte keine Rede sein, denn weder lief Romance in einem guten Schritttempo, noch ließ er sich stellen oder biegen, er drückte sich vor dem Einreiten in die Ecke, der Kopf war viel zu weit oben, der Rücken weggedrückt, die Ohren angelegt. Das Bild, dass ich jedes Mal zu Beginn einer Stunde zu sehen bekam und wenn ich Pech hatte auch am Ende des Trainings noch oder wieder vor mir hatte. „Machs mir doch nicht immer so schwer!“, seufzte ich, trieb unermüdlich weiter. Setzte Romance seinen linken Vorderfuß nach vorne, gab ich links einen kurzen, deutlichen Impuls, beim rechten Vorderbein gab es den Impuls mit dem rechten Schenkel. Langsam wurde der Hengst einen Takt schneller, brauchte nicht mehr zu jedem Schritt eine Extraeinladung. Ich hörte trotzdem nicht auf mit dem Treiben, gab in regelmäßigen Abständen auch Impulse mit beiden Schenkeln. Romance schnaubte kurz, ein sicheres Zeichen für seine Unzufriedenheit. Aber darauf nahm ich gerade wenig Rücksicht, denn ich war fest entschlossen, auch dieses Mal das Möglichste aus meinem Pony herauszukitzeln. Romance hatte die lange Seite hinter sich gebracht und steuerte nun auf die Ecke zu. Ich merkte schon gefühlte etliche Meter vorher, dass er sich wieder vor dem hinein reiten drücken wollte, er spannte sich mehr an, zog unmerklich nach rechts. Ich seufzte leise, setzte meinen rechten Schenkel nachdrücklicher ein, tickte Romeo auch einmal kurz mit der Gerte an, hielt dagegen lenkte ihn mit fester, entschlossener Hand wieder zurück auf den Hufschlag. Romance wehrte sich nach Kräften, ignorierte meine Beinhilfen völlig, also tickte ich nochmal nachdrücklich mit der Gerte und hielt die Zügel so kurz, dass ich Romance zwar nicht einengte, aber ihm ein früheres Abbiegen erheblich erschwerte. Tatsächlich fügte der Welsh sich meinen unnachgiebigen Hilfen und lief tief in die Ecke rein, bis ich ihm das deutliche Signal zum Abwenden gab. Natürlich machte Romance da auch wieder ein Spiel draus, lief unbeirrt gerade aus weiter. „Das ich immer so energisch werden muss!“, schimpfte ich, setzte nochmal die Gerte ein und verstärkte meine Schenkelhilfen, sodass wir doch wieder unbeschadet aus der Ecke heraus kamen. „Du bist ein Arsch, weißt du das?“, brummelte ich und setzte mein Programm zielstrebig fort.

Es dauerte nicht lange und mir tat alles weh. Vom ständigen Treiben schmerzten meine Beine, trotz der Handschuhe schmerzten auch meine Hände durch das ständige Gegenhalten und Begrenzen mit den Zügeln, ein leichter Kopfschmerz machte sich hinter meiner Schläfe breit. Ich musste immer einen Schritt weiter als Romance denken, seine Aktionen voraus ahnen, wissen, wann ich treiben musste und gleichzeitig aufpassen, dass ich nicht durchtrieb um Romance nicht noch mehr abzustumpfen. Jede Handbewegung, jeder Gertentick, jeder Schenkeldruck musste sitzen, denn nur dann arbeitete Romance zumindest halbwegs mit. Viel mehr als ganze Bahn im Schritt geritten verbunden mit ein paar Handwechseln und der ein oder anderen Schlangenlinie war noch nicht bei rumgekommen, da Romance meistens nicht vom Hufschlag weg wollte, und einmal mehr zweifelte ich an mir und an meinem Pony. Mir war durchaus bewusst, dass ich durch die Jahre auf dem Gestüt, durch die manchmal 5 Reitstunden pro Woche eine gute, wenn nicht sogar eine sehr gute Reiterin geworden war, auch wenn ich manche Hilfen hatte mühsamer als Saskia erlernen müssen. Auch bewusst war mir, dass ich ein gutes Gespür für Pferde hatte, dass ich merkte, wenn ein Pferd etwas vorhatte, dass es mir nicht schwer fiel, einen Schritt voraus zu sein, vor dem Pferd zu reagieren, vorbeugend zu reiten und das ich auch keine Probleme damit hatte, eventuell auftretende Probleme die ich nicht voraus gesehen hatte in den Griff zu kriegen. Aber bei Romance stieß ich an meine Reiterlichen und an meine Pferdeverstehenden Grenzen und das forderte mich einerseits heraus, andererseits machte es mir Angst. Ich war an Selbstzweifel gewöhnt und trotzdem überfielen sie mich jedes Mal wieder aus Neue und machten mich ganz klein. Und trotzdem wusste ich, dass Romance gut gehen konnte, wenn er wollte, dass in diesem kleinen, widerspenstigen, alle Menschen und Lebewesen hassenden Monster ein Pony mit weichem Kern, mit Spring- und Dressurpotenzial und mit ganz fantastischen Gängen steckte. Und einmal mehr biss ich die Zähne zusammen, kratzte meine letzten Kraftreserven aus den tiefsten Winkeln meiner Muskeln, blendete einmal mehr alles außer das Pony unter mir aus.

Mit Hilfe meiner Schenkel, meinem Kreuz und einem Gertentick bekam ich Romance in den Trab. Zwar war er im Schritt noch nicht zu meiner Zufriedenheit gelaufen, aber vielleicht hatte ich im Trab ja mehr Glück, auch wenn es viel anstrengender war. Ich musste jeden einzelnen Schritt aus Romance herausreiten, weil er meine Hilfen einfach nicht so annahm, wie er sollte. Er brauchte für jedes Abwenden eine Extraeinladung oder reagierte einfach viel zu stark darauf, so dass wir nie da landeten, wo ich gerne hinwollte. Zwar schaffte ich es, Romance zu Schlangenlinien zu bringen, aber richtig biegen wollte er sich auch nicht. „Nur Geduld“, beschwor ich mich leise. Romance Trab war sehr unbequem zu sitzen, da er so kurze und verspannte Tritte machte und immer noch den Rücken wegdrückte, sein hoch erhobener Kopf verstärkte alles noch mehr. Schließlich hatte ich genug, parierte Romance mit einiger Anstrengung durch , sprang aus dem Sattel und band ihn mit den Dreieckern aus, die bis jetzt nur als Deko gedient hatten. Schnell wieder in den Sattel gehüpft, Zügel sortiert und weiter getrabt.

Ich war von Dreieckern so begeistert, weil sie keinen wirklichen Zwang ausübten und so tat sich jetzt am Anfang auch nicht viel an Romances Kopfhaltung. Aber je länger ich ihn im Trab ritt, je öfter ich mit ihm Schlangenlinien ritt, die Hand wechselte oder auf eine Zirkel ging, umso durchlässiger wurde er, umso tiefer ging sein Kopf. Ich wechselte ständig zwischen aussitzen und leichttraben hin und her, wobei letztes deutlich überwog und achtete beim leichttraben auch darauf, zu treiben während ich ausstand, damit Romance seine Hinterhand mehr mit nahm. Langsam wurden seine Schritte entspannter, raumgreifender, er zeigte mehr von seinen beeindruckenden Gängen. Die Ohren richteten sich auf, eins nach vorne gerichtet, eins nach hinten. Noch war es nicht perfekt, aber wir waren auf einem guten Weg. Ich beschwor mich, jetzt nicht nachzugeben, denn ich wusste, dass Romeo es noch besser konnte. So weit waren wir schon manchmal gekommen, aber weiter noch nie. Doch heute wollte ich es schaffen, ich wollte wirklich alles aus dem kleinen Welsh raus holen, ich wollte wissen, ob ich es mit ihm schaffen könnte. Also ignorierte ich weiter meine protestierenden Muskeln, fuhr mit meinem Programm fort, nahm auch langsam Volten dazu und spielte mehr mit dem Tempo als vorher.

Immer noch musste ich öfters meine feste Hand beweisen, musste stärker treiben als normal, musste Romance in seine Grenzen weisen. Aber er bog sich vernünftiger, ließ sich ganz anständig stellen, wölbte den Hals und von Minute zu Minute wurde sein Gang schwebender, leichter. Nach ein paar weiteren Runden im Trab Ich konnte es kaum fassen: Romance kaute leicht auf seinem Gebiss, machte kaum noch Zicken, ging perfekt durchs Genick, zeigte willig seine schönen Gänge und zeigte mir, dass es Spaß machen konnte, ihn zu reiten. Tempowechsel, Handwechsel, gebogene Linien, alles kein Problem. Eben war ich noch so kurz vorm Aufgeben gewesen, vor dem endgültigen Aufgeben und jetzt das. Es war wie Magie. Ich hatte das Gefühl, ein völlig anderes Pferd unter mir zu haben. Ein völlig neues Reitgefühl zu erleben. Zum ersten Mal seit ich Romance hatte, erfasste mich eine tiefe Ruhe. Ich fühlte mich, als wäre ich endlich angekommen in meinem neuen Zuhause, als wäre ich endlich da. Wie von selbst entspannten sich meine Schultern merklich, sackten ein Stück ab, neue Kraft strömte durch meine ermüdeten Muskeln, neuer Mut erfasste mich. Und mir wurde klar, dass ich genau das gebraucht hatte. Ich hatte dieses Erlebnis gebraucht, um Romance nicht aufzugeben, um wieder lockerer zu werden, ja ich würde sogar sagen, um mit einem weiteren Kapitel voller Trauer um Saskia abzuschließen. Wenn ich hier endlich ein neues Zuhause hatte, wo ich nicht nur Freunde, sondern auch ein Pferd hatte, dann konnte ich leichter vergessen, verdrängen, verarbeiten. Bis jetzt war ein Teil von mir noch ruhelos umhergeirrt, hatte sich hier nicht einleben können, und genau dieser Teil hatte jetzt auch seinen Platz gefunden, als ich erkannte, dass ich mit Romance konnte, wenn ich mich anstrengte. Das es nicht hoffnungslos war und wirklich zu etwas führen konnte.

Das war es, was meine frühere Reitlehrerin und Ersatzmama Laura immer gemeint hatte, wenn sie von der Magie des Reitens gesprochen hatte „Irgendwann wirst du merken, dass Reiten dir alles geben kann, was du sonst vermissen würdest, das Pferde dich flicken können, wenn du komplett zerbrochen bist, dass der Umgang mit einem Pferd alle deine Wunden zu Narben machen kann. Aber nicht mit jedem Pferd erlebt man diese Magie, Judith. Mit manchen Pferden versteht man sich sofort und erreicht doch nie diese Magie, bei anderen ist die Magie sofort da, um andere Pferde muss man erst kämpfen und spürt dann erst, was einem dieses Pferd alles geben kann. Vielleicht glaubst du mir nicht, aber es werden Zeiten kommen, da wirst du erkennen, das ich Recht habe, dann wird es ein Pferd sein, dass dich rettet“ Überdeutlich klangen die Worte von Laura in meinem Kopf nach. Ich hatte ihre Worte immer unbewusst behalten und als Saskia gestorben war, waren sie wieder an die Oberfläche gekommen und hatten mich sehr aufgewühlt. Das Gestüt bedeute mir alles und doch hatte ich gemerkt, dass mit Dreamer, der ein halbes Jahr vorher verkauft worden war, das einzige Pferd, mit dem ich diese Magie gehabt hatte, verschwunden war. Nicht zuletzt deshalb hatte ich diesen Neuanfang gewagt.

Mit einem kräftigen Schlucken holte ich mich aus den Tiefen meiner Erinnerung heraus, konzentrierte mich zum dritten Mal an diesem Tag nur auf Romance, ging mit ihm auf einen Zirkel und galoppierte an. Natürlich versuchte der Welsh, seinen Dickkopf durchzusetzen und schneller zu galoppieren, die Kontrolle an sich zu reißen. Aber dieses Mal lächelte ich nur darüber. In diesen Momente konnte mir keiner was und noch nicht mal Romance konnte mein Hochgefühl trüben. Ohne Zögern verkleinerte ich den Zirkel, bewies mal wieder eine starke Hand um Romance dazu zu bringen das zu tun, was ich wollte, zwang das Ponylein durch den kleineren Zirkel automatisch zum langsamer werden, spielte dabei noch schön mit den Zügeln, gab halbe Paraden und kriegte mein Arschlochpferdi tatsächlich ganz gut in den Griff. Nach ein paar Runden auf dem Zirkel war dann auch wirklich mal akzeptiert, dass ich das Tempo bestimmte und ich traute mich, eine Runde ganze Bahn zu galoppieren. Da hörte es aber auch schon wieder auf, denn Romance reagierte noch zu schlecht auf meine Hilfen, um wirkliche Galopparbeit mit ihm wagen zu können. Ich wusste, wie schnell und vor allem bockig der Kleine werden konnte und wenn ich jetzt herunter fiel, konnte ich das heute Erreichte direkt vergessen. Stattdessen brauchte ich schon drei Anläufe, um in den Trab zurück zu kehren und da das Training für uns beide sehr anstrengend gewesen war, ließ ich schön die Zügel lang. Romance baute auch wirklich keinen Mist, sondern streckte sich schnaubend. Ich klopfte seinen ziemlich nassen Hals und konnte nicht verhindern, dass sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen stahl. Für viele mochte das kein Erfolg sein, ihr Pferd ein bisschen durchs Genick zu reiten und zu erleben, wie er unter ihnen ins Schweben kommt. Aber für mich war das Gold wert, ein Triumph, ein richtiger Sieg. So weit war ich mit ihm noch nie gekommen. Und wenn es so weit ging, ging es vielleicht irgendwann auch mal weiter. Galopp, Ausreiten, Dressurlektionen, Springen. Mit einem Mal war alles möglich. Nicht unmittelbar erreichbar, aber möglich.

Ich atmete tief durch, parierte dann zum Schritt durch, gab Romance noch etwas mehr Zügel. Er hatte es sich verdient und ich war mir sicher, dass er jetzt nicht Zicken würde – immerhin durfte er über die Richtung bestimmen und zu müde zum Traben und Galoppieren schien er gerade auch. Also klopfte ich ihn noch einmal sehr lange und liebevoll, streichelte seinen Mähnenkamm, streckte dann meine Füße kurz neben den Steigbügeln. Plötzlich ertönte leises Klatschen. Ich zuckte zusammen, was zum Glück keine Auswirkung auf Romance hatte und warf einen Blick zur Reitplatzbegrenzung.

Auf einer Bank etwas abseits saßen Nina und Julia und beobachteten mich beide mit einem anerkennen Lächeln auf den Lippen. „Wir haben uns dann doch für heute entschieden, wenn Nina schon nicht die Klappe halten konnte“, rief Julia zu mir herüber und warf Nina einen bösen Blick zu, der aber um einiges freundlicher ausfiel, als geplant. Verwirrt strich ich mir das verschwitzte Haar aus der Stirn. „Ich habe euch gar nicht bemerkt“ Nina lachte leise „Kein Wunder! Du warst ja auch richtig konzentriert. Wir sind schon was länger da, seit du mit dem Traben angefangen hast. Und es hat uns sehr beeindruckt, was du uns gezeigt hast, Judith. Das kriegen nicht viele hin, und dann auch noch ohne Sporen...“ Sie machte eine kleine Pause „Ob du ihn nicht irgendwann doch aufgibst wissen wir natürlich nicht, aber immerhin wissen wir jetzt, dass wir uns in dir nicht getäuscht haben. Du reitest kein bisschen schlechter, als du beschrieben hast, eher noch besser“, ergänzte Julia, als wäre sie Ninas zweite Hälfte. „Wirklich sehr beeindruckend“ Ich wurde natürlich rot und spielte verlegen mit einer meiner Haarsträhnen. Lob hatte ich zwar schon öfters erhalten, aber umgehen konnte ich damit trotzdem nicht. „Wir wollen auch gar nicht weiter beim Trockenreiten stören. Wir wollten nur fragen, ob du mit Montresol einen kleinen Spaziergang oder Ausritt machen könntest.. Er ist ein ganz lieber, etwas fauler Dressurhengst, also wenn dir nach einem Ausritt ist, kannst du das wirklich gerne machen. Du würdest uns damit echt Arbeit abnehmen“ Spaziergang oder Ausritt klang sehr verlockend, vor allem mit einem lieben Pferd, also stimmte ich zu. In der Wg warteten eh nur Leere und Gedanken an Leisha auf mich. „Klasse!“, freute sich Nina und nach einer kurzen Verabschiedung und einer kleinen Erklärung zu Montresol, machten die beiden Hofleiterinnen sich wie angekündigt vom Acker. Ich dagegen nahm meinem Pony die Dreiecker ab und ließ Bad Romance dann noch weiter seine Bahnen ziehen, wirkte nur manchmal minimal auf ihn ein, wenn ich den Eindruck hatte, dass er mich verarschte und hing ansonsten mit meinen Gedanken irgendwo herum, wusste nicht wo, ließ sie einfach ziehen und schweifen und störte mich nicht weiter dran.

Nach fast 30 Minuten Trockenreiten schwitzte Romance immer noch nach. Mir war nicht bewusst gewesen, dass mit ihm so viel getrabt war, mir war es kürzer vorgekommen. Aber wenn ich so darüber nachdachte, hatte ich schon eine lange Zeit gebraucht, bis Romance vernünftig lief und von Bodenarbeit baut man nicht viel Kondition auf, also kein Wunder, dass mein Pony so geschafft war. Trotzdem würde ich jetzt mit noch mehr Trockenreiten nichts mehr ausrichten können, er atmete wieder ganz normal, nur das Schwitzen störte das Bild ein bisschen. Ich glitt aus dem Sattel, zog Romance die Zügel über den Kopf und führte ihm zum Putzplatz. Dort traf ich auf Lucy, die uns amüsiert betrachtete. „Da haben aber zwei gearbeitet“ Ich grinste leicht „Ja, sieht so aus“ Dann hüllte ich mich in Schweigen, nahm Romance seine Ausrüstung ab, putzte ihn kurz über und zog vor allem mit dem Schweißmesser den gröbsten Schweiß aus seinem Fell. Anschließend hüllte ich Romance in seine schwarze Abschwitzdecke mit eingesticktem Namen und brachte ihn in die Box, kontrollierte, ob seine Tränke funktionierte und verwöhnte ihn mit zwei Schäppchen Müsli, bestückt mit Möhren und Äpfeln. Das hatte er sich verdient. Während Romance fraß und die Abschwitzdecke hoffentlich ihre Wirkung tat, kritzelte ich einen Zettel, dass Romane heute schon mit Kraftfutter gefüttert worden war und zum Abendessen nur etwas Silage kriegen sollte und setzte mich dann für einige Minuten ins warme Reiterstübchen, um einen Tee zu trinken. Der Nachmittag neigte sich seinem Ende und sobald Romance trocken war, würde ich mich um Montresol kümmern und eine kleine Runde mit dem Großen ausreiten, um selber etwas zu entspannen und ihm die Chance für einen Ausritt zu gewähren.

20 Minuten später war mein Tee getrunken und ich erneut auf dem Weg zu meinem allerliebsten Arschlochpony. „Na Kleiner, was sagt das Fell?“, fragte ich, schlängelte mich geschickt an Romance Kopf mit angelegten Ohren vorbei und hob die Decke ein Stück an, fuhr prüfend über das darunter liegende Fell. „Schätzelein, du hast ganz verklebtes Fell“, neckte ich den Welsh. „Aber es ist alles schön trocken, die Decke hat also ihren Dienst getan“ Flink öffnete ich die Decke, zog sie dann von Romances Rücken und drappierte sie kunstvoll auf der Boxentür. Von der Stallgasse schnappte ich mir Striegel, weiche Wurzelbürste und Kardätsche aus dem Putzkasten und den Strick von Romeo – das Halfter trug er noch. Beim Versuch, Romance in der Box locker anzubinden musste ich mal wieder meine Hand auf ihn klatschen lassen, um einen Schnappversuch abzuwehren, aber dann war auch Ruhe im Karton und ich konnte gemächlich erst mit Wurzelbürste und Striegel, dann mit Kardätsche Romances Fell zu altem Glanz verhelfen. Schließlich packte ich das Putzzeug und die Decke weg. „So, Romance. Du darfst noch für 2 Stündchen oder länger auf die Weide, entweder hole ich dich nach dem Ausritt rein oder ein Stallbursche macht das, wenn es Heu gibt“ Mein Pony interessierte mein Erklärung eher weniger, er zerrte schön am Strick als es raus ging und ich kriegte echt zu viel. Energisches Zurückweisen brachte immer nur für eine Sekunde was, der Herr war einfach viel zu aufgedreht, und so kloppten wir uns, bis mir fast der Kragen platzte. „Musst du immer alles kaputt machen?“, schimpfte ich. „Du bist eben so schön gelaufen, warst jetzt auch verhältnismäßig brav und musst jetzt wieder den blöden spielen?“ Nur mit ganz viel Geduld und einigen doch recht kräftigen Klapsen kriegte ich das Pony wieder in den Griff und verfrachtete ihn genervt auf die Wiese. Viel hätte nicht mehr gefehlt und Romance wäre über mich drüber gelatscht, was zur Folge gehabt hätte, dass ich mir die Hengstkette aus meinem Spind hätte holen müssen – dabei benutzte ich diese eigentlich nur bei Spaziergängen wenn überhaupt, um mich und Romance vor Unheil zu schützen.

„Bis Morgen, Trottel“, brummelte ich etwas missgelaunt als wir endlich an der Weide waren, klopfte meinem Hengst den Hals, zog ihm dann das Halfter über den Kopf, gab ihm einen kleinen Klaps und sah einige Sekunden zu, wie er im wilden Galopp über die Weide peste, dass ein oder andere Pferd angiftete und sich schließlich in einer abgelegenen Ecke dem Gras widmete. So was es nun mal, mein komisches, alle hassendes Pony... Ich seufzte leise, drehte auf dem Absatz um und machte mich auf den direkten Weg zu Montresols Box. Da es bald dunkel werden würde, hatte Julia ihn freundlicherweise schon für mich reingeholt und als ich ankam sah ich, dass sie ihn auch über geputzt hatte. Der Hengst musterte mich gleichgültig, ließ sich willig von mir den Hals tätscheln und nahm freudig meine Karotte an. „Ich denke, wir kommen gut zurecht nachdem, was ich so über dich gehört habe“ lächelte ich, griff nach dem Halfter an der Boxentür, halfterte den in der Dressur begabten Hengst auf und band ihn einfachshalber auf der Stallgasse an. Während ich belangloses Zeug quatschte und so das Pferdchen an mich gewöhnte, nahm ich ihm seine leichte Decke ab und putze nochmal über sein Fell, brachte es noch mehr zum Glänzen und entfernte ein paar kleine, übrig gebliebene Flecken. Das ist definitiv der Nachteil, wenn man es mit Schimmeln zu tun hat.

Doch auch Montresol wurde irgendwann sauber und ich ließ den Hübschen kurz alleine, um sein Zeug aus der Sattelkammer zu holen. Als ich wieder kam stand Ayaka bei ihm und lächelte mich an. „Ich wusste gar nicht, dass er auch dir gehört?“, stellte sie verwundert fest und strich dem Hengst über die Stirn. „Ich auch nicht“, grinste ich und als ich Ayakas verwirrtes Gesicht sah, schickte ich freundlicherweise noch eine Erklärung hinterher. „Er geht bald wieder viel auf Turniere und Julia hat mich gebeten, heute einen Ausritt oder Spaziergang mit ihm zu machen, damit er nochmal was frische Luft vor dem nächsten Turnier hat. Wenn ich das Recht verstanden habe, startet er morgen oder übermorgen bei dem ersten Hallenturnier. „Ja, die Hallenturniersaison fängt wieder an“, stimmte Ayaka zu. „Ich wollte auch gar nicht stören, ich habe mich nur gewundert, warum Montresol hier angebunden ist, wenn Nina doch vor noch nicht mal 2 Minuten im Büro saß und Julia in der Halle trainiert“ „Ich hätte mich auch gewundert“, stimmte ich zu und wir quatschen noch ein paar Minuten über Romance und El Shamir, bis Ayaka sich verabschiedete und ich mich wieder Montresol widmete. Ich hatte mich für ein Set in Mint entschieden, was der Hengst in der Turniersaison sicher nicht oft tragen konnte. Dabei ist bei Schimmel so genial, dass ihnen eigentlich alles steht. „Du magst Mint auch, hm?“, fragte ich meinem Schützling lächelnd, kümmerte mich erst um die richtige Lage von Schabracke und Sattel, zog dann den Gurt etwas an und beugte mich zu Montresols Beinen herunter, um ihm Gamaschen anzulegen. Der Hengst war hier wirklich ein kleines Lamm im Gegensatz zu Romance, machte nur einen halbherzigen Versuch, das Bein wegzuziehen und das wars auch schon. Kein Gemecker, keine Schnappattacken, kein weiteres wegziehen. Ein Traum. Flink trenste ich den Hengst noch auf, gurtete nochmal nach und führte den Schimmel dann raus auf den Hof. Geschmeidig glitt ich in seinen Sattel, sortierte die Zügel, stellte an den Steigbügeln herum und gurtete nochmal nach, bis ich Montresol schließlich mit leichtem Schenkeldruck Richtung Gelände losschickte. Davi hatte mir schon öfters das Gelände und verschiedene Wege gezeigt – meistens hatte ich dafür Karlos nehmen dürfen, einmal war ich nebenher gelaufen – sodass ich mich auskannte und keine Angst hatte, mich zu verreiten. Mein Orientierungssinn war gut.

Etwas träge setzte sich Montresol in Bewegung, aber als ich meine Schenkel energischer einsetzte, legte er auch ein ordentliches Grundschritttempo an den Tag. Er unterschied sich wirklich gewaltig von Bad Romance. Er reagierte gut auf die Hilfen, wenn man ihn besser kannte sicher auch sehr gut, lief mit gespitzten Ohren durch die Weltgeschichte, wölbte mir von Anfang an den Rücken entgegen, nahm von Anfang an eine entspanntere Kopfhaltung als Romance ein und als er mal schneller wurde war sein Gang auch schön schwungvoll und raumgreifend und nicht verspannt und unbequem wie wenn man Romance versuchte schneller zu kriegen und er wollte das nicht. Ich ließ Montresol im Großen und Ganzen die ersten Minuten laufen wie er wolle, spielte nur minimal mit den Zügeln, die allerdings noch recht lang waren, entspannte mich selber mal. Zum ersten Mal heute konnte ich mich wirklich an dem Wetter freuen, genoss die doch recht warme Herbstsonne, den bunt gefärbten Wald, das gleichmäßige Geräusch von Montresols Hufen. Bis ich mit Romance so ruhig reiten geschweige den ausreiten konnte würden sicher noch Jahre vergehen...

Nach den ersten Minuten nahm ich die Zügel etwas mehr auf, spielte aber weiter wenn überhaupt nur minimal, schließlich war Gelände in erster Linie zum ausspannen gedacht. Aber da ich nicht die ganze Zeit mit durchhängendem Zügel reiten wollte, musste ich diesen halt langsam aufnehmen. So bekloppt, dass ich mit einem fremden Pferd am durchhängenden Zügel im Gelände traben oder galoppieren würde war ich dann doch nicht. Zufrieden stellte ich fest, dass sich zu Montresol herrlich leicht eine Verbindung herstellen ließ, der Hengst suchte schon beim leichten Zügel spielen nach Anlehnung. „Du bist ein tolles Pferdchen“ flüsterte ich. „Nur ein bisschen träge vielleicht“ Tatsächlich musste ich meine Schenkel sehr nachdrücklich einsetzen, was meinem ohnehin schon schmerzenden Beinen natürlich nicht passte, aber dafür konnte ich meine Seele weitestgehend baumeln lassen und auch meine Hände konnten sich wunderbar erholen. So gesehen war Montresol schon die eindeutig bessere Wahl zum relaxen als Romance. Auch wenn er sich immer wieder umguckte und leise schnaubte – er sah wohl nicht so ganz ein, warum er alleine mit mir ausreiten musste. Von Nina wusste ich, dass er ein echtes Herdentier war. Doch solange ich ihn im Kopf beschäftigt hielt, zickte er auch nicht rum und je länger wir im Schritt unterwegs waren, umso mehr konzentrierte er sich auf mich und nicht auf das nicht Vorhandensein von anderen Pferden.

Schließlich trabte ich an. Als Monty sich einmal in Bewegung gesetzt hatte, lief er auch ordentlich vorwärts, solange ich ihn auch trieb. Ich trabte locker leicht, spielte weiter minimal mit den Zügeln und bemühte mich, in einem guten Grundtempo zu bleiben. Immerhin ging es hier noch ums Warmwerden und auch wenn wir ausritten, so musste man ja nicht direkt alles über den Haufen werfen was Sitz, Anlehnung und Tempo anging, gerade wenn man ein so tolles Dressurpferd unterm Sattel hatte. Montresol schien mir sehr zufrieden, er schnaubte mehrmals tief, blickte sich ab und an neugierig um, trabte ansonsten locker flockig unter mir über den Weg. Seine Kondition war laut Julia sehr gut, also ließ ich ihn eine ganze Weile traben, auch zwischendurch mal das Tempo erhöhen, sich mal strecken. Montresol blühte langsam wirklich auf, wurde auch von sich aus etwas bewegungsbereiter und als ich irgendwann wieder in den Schritt zurück kehrte, schritt er raumgreifend aus, streckte sich ein bisschen v/a und schnaubte nochmal tief. „Ich kann mir vorstellen, dass es eine wahre Freude ist, dich im Viereck zu reiten“, murmelte ich leise und bedauerte im Stillen, dass ich dazu wohl nie Gelegenheit haben würde. Dafür hätte ich dann eher Turnierreiter werden sollen, kein Bereiter, aber auch wenn mir diese Möglichkeit auf dem Gestüt hatte offen gestanden, hatte ich mein Glück lieber im bereiten gesucht und gefunden. Und ich sah nicht ein, warum ich das auf Tsubasa ändern sollte.

Im flotten Schritt legten wir die nächsten Minuten zurück, es wurde langsam kälter und dunkler, von Westen her zogen Regenwolken auf und mit einem Mal konnte ich es kaum erwarten, bis es das erste Mal schneien würde. Klar, damit wurde alles rund um Pferde auch komplizierter, wenn man Pech hatte vereisten die Reitplätze, der Boden in der Halle konnte auch gefrieren, im Gelände würde man sehr vorsichtig sein müssen, nicht selten gaben die Selbsttränken ihren Geist auf und man musste von Hand tränken und es war so kalt, dass einem alles abfror, wenn man auf einem Pferd saß. Aber trotzdem hatte ich früher kaum etwas mehr genossen, als lange Ausritte durch den Winterwald und übers Feld, Galopp durch pulverartigen Schnee – wenn kein Eis drunter war – den Anblick des eingeschlafenen Waldes, die Eiszapfen, die von den Ästen hingen und wenn dann auch noch die Sonne schien, kam man sich manchmal doch vor wie in einer anderen Welt. Aber mit Romance war so etwas nicht möglich, noch nicht. Mit einem Pferd, was jeden Moment durchdrehen kann und nur halb oder noch schlechter auf die Hilfen hörte wagte ich mich so schon kaum ins Gelände, aber wenn es gefroren hatte, war das noch einmal eine ganz andere Sache.

Seufzend riss ich mich aus meinen Träumen und gab Montresol erneut die Trabhilfen. Die frische Luft schien ihm echt gut zu tun, er drängelte schon fast vorwärts und auch ich hatte nichts gegen einen schnellen Trab oder Galopp, denn ersten wollte ich vor der Dunkelheit auf dem Hof sein und zweitens machte es einfach nur Spaß, Monty zu reiten, das Gefühl zu haben, endlich wieder ein Pferd komplett unter Kontrolle zu haben, mit ihm auch galoppieren zu können.

Eifrig trabte Montresol den Weg entlang, kaute leicht auf dem Gebiss, seine Beine rotierten immer schneller. Ich war nicht die einzige, die Lust auf Galopp hatte. Im Moment befand ich mich auf dem besten Weg zum See, aber da wollte ich gar nicht hin, das war mir gerade zu weit. Von Lucy wusste ich, dass einige der Felder rund um den Hof noch bereitbar waren, sprich noch nicht mit Gülle oder Dünger behandelt wurden. Auch Nina hatte mir diesen Tipp gegeben und noch hinzugefügt, dass die Felder hier in der Gegend generell recht spät behandelt wurden, es also nichts ungewöhnliches war, Anfang Oktober noch einige Felder stehen zu haben. Kritisch wurde es laut der Hofbesitzerin erst ab Mitte Oktober und einzelne Felder standen natürlich auch Anfang Oktober nicht mehr. Doch das Feld links von mir stand noch und führte mich mit einem kleineren Schlenker auch wieder zurück zum Hof – genau das, was ich jetzt brauchte. Kurz entschlossen bog ich mit Montresol nach links ab. Das wir die normale Route verließen, auf die der Hübsche sich wohl schon eingestellt hatte, irritierte ihn, er wurde etwas langsamer, aber als ich ihm die Galopphilfen gab, sprang er kraftvoll um.

Die ersten Meter war ich noch bemüht, ihn ruhig zu halten. Da Montresol ja eher der faulere Typ Pferd ist, war das auch kein Problem, bis nicht nur ich, sondern auch der Schimmel Feuer gefangen hatte. Mir schien es, als wäre er länger nicht mehr draußen gewesen und brannte jetzt umso mehr darauf, sich mal ordentlich strecken zu können. So ein Galopp übers Feld ist doch was anderes als über die Weide oder auf dem Platz. „Ruhig, Großer. Eins nach dem anderen“, grinste ich belustigt, erhöhte das Tempo ein Stückchen weiter, beugte mich dann tief über Montresols Hals, fasste gleichzeitig die Zügel kürzer. Erst als ich sicher im leichten Sitz saß und einen festen Halt hatte, gab ich dem Dressurhengst die Zügel frei und er schoss los.

Von Faulheit war nichts mehr zu merken. Was Montresol jetzt antrieb war die pure Lebenslust, er hob kräftig das Hinterteil, wurde dann noch schneller. Ich ließ ihn gewähren, spielte nur wie die ganze Zeit über leicht mit den Zügeln, damit Monty meine Anwesenheit nicht vergaß und ich mir sicher sein konnte, dass er noch auf mich hörte. Die Muskeln des Schimmels spielten unter seinem Fell, er musste einen fantastischen Anblick bieten. Am liebsten hätte ich ihn noch ewig so weiter rennen lassen, aber auch das längste Feld ist irgendwann zu Ende. Und da ich keine Ahnung hatte, wie es um Montresols Bremsweg stand, setzte ich mich wieder vernünftig in den Sattel, gab Paraden und ließ Montresol im ruhigen Tempo ausgaloppieren. Wenige Meter vor Ende des Feldes parierte ich problemlos zum Trab durch und der Hengst und ich bogen nach links auf einen Feldweg ab. Mit einem Lächeln auf den Lippen ließ ich die Zügel ein bisschen länger, klopfte Montresol ausgiebig den Hals. Geschwitzt hatte der Große dann doch ein bisschen und da wir auch bald auf Tsubasa sein würden, trabte ich noch ein paar Minuten am langen Zügel leicht, parierte dann zum Schritt durch, lobte Montresol erneut – nicht zuletzt für das brave Durchparieren trotzt langem Zügel – und ließ dann zu, dass er in einen Schlenderschritt wechselte. Die letzten 10 Minuten konnte er ruhig sein Tempo finden und beibehalten.

#2 RE: 4# Leben. von Judith 05.10.2012 00:38

avatar

Zurück auf dem Hof stellte ich erleichtert fest, dass ich noch ein bisschen Zeit hatte, bis es dunkel wurde. Langsam zog die Dämmerung über das Land, breitete das schwarze Tuch der Nacht aus, aber das war mir egal, immerhin war ich jetzt am Hof. Wie auch vor dem Ausritt brachte ich Montresol auf die Stallgasse, tauschte Trense gegen Halfter, nahm ihm dann den Sattel und die Gamaschen ab und verstaute alles wieder ordentlich in der Sattelkammer. Dreckig war der Hengst nicht geworden, aber trotzdem bürstete ich sein Fell noch einmal kräftig durch, kratzte die Hufe aus und ordnete Mähne und Schweif. „Bist ein tolles Pferdchen“, erklärte ich dem Dressurstar nebenbei, verfrachtete ihn dann in die Box und gab ihm zur Belohnung einen Apfel. „Gleich gibt’s auch Futter“, murmelte ich ihm leise zu und auch wenn ich gerne nach Hause wollte, nahm ich mir die Zeit, mit ihm zu kuscheln, bis Montresol selber genug hatte und sich an seinem Heunetz zu schaffen machte. Ich beschloss, Romance noch eben von der Weide zu holen, aber vorher schaute ich in der großen Halle vorbei, wo Nina mit Theo ritt. Ich beobachtete die beiden eine Weile, dann meldete ich mich vorsichtig zu Wort. „Hey Nina, ich bin mit Montresol wieder wohlbehalten angekommen, wollte nur kurz Bescheid geben“ Nina trieb Theo in meine Richtung und parierte ihn kurz vor dem Tor durch. „Schön, dass du Bescheid sagst. Und wie ist er so?“ „Ein Traum“ gab ich grinsend zu. „Und wenn es über Stoppelfelder geht auch gar nicht mehr so faul“ Nina lachte „Ja, das stimmt wohl. Klingt so, als hättet ihr Spaß gehabt“ „Definitiv“ lächelte ich. „Naja, ich will auch nicht stören, ich hole jetzt noch Romance rein und mache mich dann auf den Weg nach Hause“ „Ich würde auch gerne, aber heute Abend hat sich noch ein Herr zum Pferd angucken angekündigt“ Nina verdrehte leicht die Augen. „Na dann viel Spaß“, grinste ich und hastete dann weiter zur Koppel.

Mir kam es einerseits zu Gute, dass Romance Hunger hatte und in seine Box wollte, andererseits aber auch nicht. Es half mir, weil das Pony sich erstaunlich leicht einfangen ließ, aber dafür wollte er auch die ganze Zeit voraus rennen, Hauptsache schneller an der Box sein. „Du bist so ein Arsch manchmal!“, schimpfte ich und drehte zur Strafe noch eine Extrarunde mit meinem Pony über den Hof. Und Romance hatte neben mir zu gehen, nicht vor mir, sonst gab es einen Klaps. „Du tust besser daran, mitzumachen, sonst drehen wir noch eine Runde“, drohte ich. Ob Bad Romance es wirklich verstanden hatte oder nicht, auf jeden Fall hielt er sich an die Führregeln und blieb neben mir. Erleichtert stellte ich ihn in seine Box. „Du kriegst gleich deine Silage“, vertröstete ich meinen Welsh. Kraftfutter hatte er ja eben schon bekommen. Das einzige was er von mir noch bekam war ein Halsklopfen.

Vor dem Stall traf ich Rose. 'Hey, wie war der Ausritt?', fragte ich neugierig. 'Ohne Karlos wäre es wohl eine Katastrophe geworden, aber Days hat sich von seiner Ruhe meistens anstecken lassen', gebärdete die Angesprochenen fröhlich. 'Also gab es keine Probleme?', hakte ich nach. 'Doch, klar. Days hat jede Menge rosa Elefanten gesehen, er hat sich dauernd erschrocken und das als Anlass zum los rennen genommen. Meistens hat er sich dabei wirklich nur vor rosa Elefanten, also ganz absichtlich erschrocken. Hätte Karlos sich anstecken lassen, wäre es vorbei gewesen, aber der ist ganz cool geblieben und so ließ sich Days auch wieder runterschrauben. Und als wir dann mal ein paar Kilometer getrabt sind, war er danach auch viel ruhiger, konnte da ja ordentlich Dampf ablasen. Auch wenn er am Anfang viel zu hektisch war. Haben das mit dem Trab dann nochmal wiederholt, also sind die meiste Strecke des Ausrittes wirklich getrabt, und das hat es wirklich gebracht. War im großen und ganzen echt ein schöner Ausritt', lächelte Rose und ich freute mich für sie. 'Und bei Romance so?' In aller Kürze berichtete ich von unserem Training und vom dem Ausritt mit Montresol. 'Hört sich an, als wärt ihr auf einem guten Weg, also du und Romance', stellte Rose zufrieden fest. 'Apropos, ich hab ein paar Möhren übrig. Kann Romance was mit einem Kilo Möhren anfangen?' 'Wenn du schon so fragst: Ja' Ein bisschen Saftfutter würde meinem Kleinen gar nicht schaden, also ließ ich mir von Rose den fast leeren Möhrensack in die Hand drücken und anstatt nach Hause zu gehen, saß ich noch eine ganze Weile vor Romances Box, schnibbelte die Möhren in kleinere Stücke, schnitt faule und matschige Stellen weg und lagerte dann die ganzen Möhren in einem Eimer. Fütterung war erst in einer halben Stunde, also schnappte ich mir den Zettel an der Boxentür, strich die Bitte Romance mit Silage zu füttern durch und schrieb stattdessen, dass man Romance doch bitte den Eimer Möhren vor seiner Box geben sollte. Da ich gerade schon mal dabei war, mixte ich direkt sein Frühstück, dass hauptsächlich aus Müsli bestand zusammen und füllte das ganze in den kleinen Eimer wo „Bad Romance Frühstück“ drauf stand. Manchmal hatte ich einfach das Bedürfnis, Romances Futter selber zu mixen. Auf den Zettel schrieb ich schon flink, dass sein Frühstück auch schon vor der Box stand, warf Romance dann noch eine Kusshand über die Boxentür zu und verschwand endlich vom Hof Richtung Wg.

***
Zu hause angekommen hatte ich das Bedürfnis nach einem ruhigen Abend. Nachdem ich mir ein paar Brote geschmiert hatte, holte ich meinen Laptop ins Wohnzimmer, machte es ihm auf dem Tisch und mir selber auf der Couch bequem, wickelte mich meine Kuscheldecke. Aufgerüttelt durch die Erinnerungen an Dreamer und Olympia – die Rappstute, die bis S Dressur gegangen war – fand ich nun endlich den Mut, mir alte Bilder anzugucken. Mir war im Moment einfach danach, jetzt, wo ich das Gefühl hatte, hier endlich zu Hause zu sein, wo ich diese Magie mit Romance gespürt hatte. Ich hatte damals wirklich alles sehr genau datiert und so konnte ich mir die Bilder jetzt hintereinander angucken, außerdem gab es zu besonderen Pferden wie Dreamer oder Olympia auch noch extra Ordner.

Die ersten Bilder entlockten mir nicht selten ein Lachen. Es fing natürlich mit meinen ersten Reitversuchen an und auch wenn meine Adoptivmama nie wie die anderen Mütter am Rand gestanden hatte, hatte sich immer jemand gefunden, der gefilmt oder wenigstens Fotos gemacht hatte, meistens war es Saskias Mutter gewesen. Ich sah mich selber auf den ganzen Pferden im Schulbetrieb, auf meinem besonderen Liebling Highland, einem etwas stureren aber unheimlich lieben Hafi, auf dessen Rücken ich immer ganz stolz in die Kamera grinste. Auch Bilder von Saskia waren dabei, zuerst in meiner Gruppe auf dem Reitponywallach Prinz, später dann im Einzelunterricht auf der schlanken Warmblutdame Ratinka, ihrem absoluten Liebling. Es war Luxus gewesen, auf dem Gestüt reiten zu lernen, denn der Unterricht war teuer, aber dafür sehr gut. Wir hatten zwar in einer Gruppe von 8 Leuten reiten gelernt, aber waren nur ganz am Anfang in einer Abteilung geritten, später dann nur noch durcheinander und für jeden gab es persönliche Kommentare und Anweisungen. Auf den Bildern konnte man sehr gut sehen, wie Saskia und ich größer wurden, wie wir immer besser ritten. Bilder von Saskia und Ratinka in Dressurprüfungen und im Parcous, auf Ausritten und bei der Bodenarbeit kamen Hand in Hand mit Bildern von mir auf allen möglichen Pferden, denn bei mir hatte die Zeit angefangen, wo ich immer mehr Problempferde unter den Sattel bekam. An manche Pferde konnte ich mich nur schwach erinnern, andere wie zum Beispiel Ocean, eine verrückte Vollblutdame hatten sich tief in mein Gedächtnis gegraben. Dabei fiel mir wieder auf, wie gut Saskia und Ratinka harmoniert hatten. Natürlich war Saskia auch andere Pferde geritten, teilweise auch auf Turnieren, aber mit der sensiblen Stute war sie immer am Besten klar gekommen.

Mit einem gewissen Stolz auf mich selber sah ich mir die letzten Bilder des Allgemeinen Ordners durch, staunte noch mal über die Veränderung von der kleinen Judith, die gerade mit dem Reiten angefangen hatte, vor Stolz fast geplatzt war und dauernd nur gegrinst hatte zu der 17 jährigen, die ernst, aber um Längen besser ritt und sich nicht selten dabei vor Konzentration die Lippe kaputt biss. Eine Angewohnheit, die ich bis heute beibehalten hatte. Etwas zögernd öffnete ich den Ordnern mit Bildern von Olympia. Die Rappstute sah unheimlich edel aus und von Bild zu Bild wurde unsere Zusammenarbeit harmonischer, man sah uns zusammen schmusen, beim Reiten auch schwere Lektionen ausführen, auf einem Turnier der Klasse M. Mit Olympia hatte ich nicht alleine gearbeitet, dafür war ich Anfangs noch nicht fein genug geritten und es gab da auch noch Dreamer, aber mit Olympia verband mich dennoch einiges und dieser Stute verdankte ich sehr viel. Tränen sammelten sich in meinen Augenwinkeln. Die Kraft mir auch die Bilder von Dreamer, meinem ein und alles anzugucken, hatte ich nicht. Dreamer war ein Sensibelchen gewesen, ein junger Trakehnerhengst, der es richtig in sich gehabt hatte. Und trotzdem er mir sein Vertrauen geschenkt. Mit Romance war er dennoch nicht zu vergleichen, denn Dreamer hatte wenigstens die Hilfen angenommen, wenn er sich auch vor allem erschrocken hatte, auf jede grobe Hilfe sehr ungemütlich reagiert und sich manchmal wie ein echter Arsch benommen hatte. Ich lächelte sanft, während mir die Tränen die Wangen runter rannen. Sinnend betrachtete ich das letzte Bild in Olympias Ordner, von unserem M Turnier. Das einzige Bild, was mir bis jetzt unter die Augen gekommen war, wo meine Adoptiveltern drauf zu sehen waren.

Und auf einmal packte mich Wut. Eine grenzenlose, heftige Wut. Warum hatten sie sich so wenig um meine Fortschritte beim Reiten gekümmert? Warum war meine Adoptivmama nie zu Turnieren gekommen, hatte nicht wie anderen Mütter am Rand gestanden? Warum hatte ich den Mutterersatz in meiner Reitlehrerin Laura gesucht und gefunden? Laura hatte mir jedes Pferd anvertraut, auch ihren eigenen Araberwallach Sundance, sie hatte mir mehr Liebe geschenkt als meine Adoptiveltern, hatte immer an mich geglaubt, war für mich da gewesen. Fast alles was ich konnte, konnte ich von ihr. Sie ritt nicht technisch einwandfrei, für diesen Teil war immer Kathy zuständig gewesen, die Saskia trainiert hatte und öfters auch mich, aber Laura verstand es, dass letzte aus einem Pferd zu holen, intuitiv zu reiten. Wenn es den Pferden half hatte sie ihre ganz eigene Vorstellung, hatte manchmal die Hände oder Beine ganz wo anders als der perfekte Dressurreiter und doch waren bei ihr die Pferde immer super gegangen. Sie verstand es, auf das Pferd einzugehen und ihm angepasst zu reiten und hatte all ihr Wissen an mich weitergeben. Nur ihr hatte ich es zu verdanken, dass ich mit Romance einigermaßen klar kam. Sie war es gewesen, mit der ich all die Problempferde Korrektur zu reiten gelernt hatte, die mich angeleitet hatte und für talentierter als sich selber hielt. Laura fehlte mir einfach unglaublich und ich war unendlich dankbar, dass wir weiter Kontakt hielten, dass ich sie immer anrufen konnte, wenn ich wollte. Ganz im Gegensatz zu meinen Adoptiveltern, die sich noch nicht einmal gemeldet hatten...
Ehe ich lange drüber nachdenken konnte, klappte ich den Laptop zu, griff nach meinem Handy und wählte die Nummer von meinem alten Zuhause.

„Tuuuuut. Tuuuuuut“ War dieses Tuten schon immer so Nerven zerreißend gewesen? „Tuuut“ Noch zweimal klingeln, dann würde ich auflegen. „Tuuuut“ Wie es aussah, würde ich nochmal davon kommen. War sowieso eine doofe Idee gewesen... „Judith?“ Einen Moment lang sagte ich nichts, sondern starrte nur mein Handy aus, aus dem die Stimme meiner Adoptivmama ertönte. „Judith?!?“ „Ja“, krächzte ich leise. „Hallo“ Meine Mutter schien selber überrascht, denn als ich nach dem Hallo nichts mehr sagte, schwieg auch sie. „Wie geht’s dir?“, fragte ich leise. „Als ob dich das interessieren würde“, brummelte meine Adoptivmama. Ich stutzte. Wäre das nicht eigentlich mein Part gewesen? „Mich interessiert viel mehr, womit wir die Ehre verdient haben, dass du dich auch mal meldest“ Ich schluckte „Ihr hättet ja auch anrufen können“, pampte ich etwas unfreundlich zurück. „Du bist doch einfach verschwunden, hast uns nichts gesagt, hast beschlossen, erst von Zuhause weg zu ziehen und dann einfach nach Deutschland zu gehen: Warum hätten wir bitte anrufen sollen?!“

Mir platzte der Kragen. „Um zu beweisen, dass ihr nicht die seid, für die euch gehalten habe! Das ihr euch Sorgen um mich macht, dass es euch interessiert, was ich mache! Das ich euch wichtig bin und nicht das Kind von einer verstorbenen Freundin, dass man aufnimmt, um der einen Gefallen zu tun“ Meine Adoptivmama holte tief Luft, um etwas zu sagen, aber ich ließ sie nicht zu Wort kommen. Zu meiner Wut stauten sich jetzt noch Tränen an, die heiß in meinen Augen brannten. „Immer war ich nur der billige Ersatz für Leonie und selbst als sie tot war, bin ich nur noch mehr von euch gehasst worden. Wo wart ihr, wenn ich Reiten war? Wenn ich gelobt worden bin? Wo wart ihr, als Olympia verkauft worden ist, wo wart ihr, als Dreamer uns verlassen musste? Und wo zur Hölle wart ihr, als ich euch am dringendsten gebraucht habe, als Saskia gestorben ist?! Ihr hattet immer nur euch im Kopf, eure Termine, eure Sorgen, euren Kummer. Alle anderen Eltern kamen zu den Turnieren, kamen auch mal zu den Stunden, wenigstens ab und zu. Ihr wart nur auf einem einzigen Turnier, weil Laura euch praktisch dazu gezwungen hat! Sie hat gesehen, wie weh ihr mir tut, wie sehr mich das verletzt, dass ich euch nicht interessiert hab. Ich war gut in der Schule, ich war beliebt auf dem Gestüt, aber selbst wenn ich irgendwo negativ aufgefallen bin, war es euch fast egal. Am Besten war es doch für euch, wenn ich einfach nicht auffiel. Wenn ihr euch nicht ärgern musstet, aber wenn auch niemand auf der Straße zu euch kam und euch gratuliert hat, weil er mich auf einem Turnier gesehen hat oder als ich den Bio Wettbewerb gewonnen habe. Ich habe es nicht mehr ausgehalten bei euch zu wohnen! Und als ich dann weg war, kamen diese nichtssagenden Anrufe. Dieser Smalltalk. Als wäre ich nicht eure Adoptivtochter, sondern eine flüchtige Bekannte, die ihr am Samstag im Theater kennengelernt habt. Ich hatte es satt, ich habe es immer noch so satt! Und jetzt fragst du ernsthaft, warum ich mich nicht gemeldet habe?!!!“ „Komm wieder runter. Dann kannst du nochmal anrufen. So kann man ja nicht mit dir reden“, bemerkte meine Adoptivmama trocken. „Das ist alles, was dir dazu einfällt?!“, schrie ich, aber mir antwortete nur noch das gleichmäßige Tuten der Leitung. Meine Mama hatte einfach aufgelegt.

Blind von Wut, vor Tränen, vor Verzweiflung stürzte ich aus dem Wohnzimmer, schlüpfte in meine ausgelatschten Chucks, riss meine Jacke vom Haken, verließ fluchtartig das Haus. Kaum stand ich auf dem Bürgersteig, da fing ich an zu laufen. Es regnete in Strömen, aber das war mir egal. Joggen hatte mir schon vorher geholfen, wenn nichts mehr gestimmt hatte, hatte mir geholfen einen klaren Gedanken zu fassen. Doch das hier hatte nichts mehr mit Joggen zu tun. Ich rannte, rannte meine Wut weg, ließ meine Tränen weit zurück. Trotz guter Kondition bekam ich Seitenstiche, rannte nur noch schneller, keuchte, riss eine Grenze nach der anderen nieder, kämpfte weiter auch wenn mein Körper mir sagte, dass er nicht mehr konnte. Ich hetzte weiter, wurde nur ganz allmählich langsamer, verfiel in ein ruhigeres Tempo, joggte mit schmerzenden Beinen weiter. Das Laufen half mir, wie so oft. Den dämlichen Reflex zu rennen, einfach alles hinter mir zu lassen hatte ich schon immer gehabt und mit der Zeit war es noch ausgeprägter geworden. Einige lösten ihre Probleme durch Reden, andere durch Mobben oder schlagen, ich durch Rennen. Mein Kopf wurde leer, so herrlich leer. Meine Gedanken kamen nicht mehr mit. Ich lief und lief und lief. Es war dunkel, aber das kümmerte mich nicht. Ich wusste auch nicht, wohin ich lief. Ich lief einfach, lief für den Moment, für die Sekunde. Nicht für die Zukunft.

Erst als meine Muskeln nicht mehr konnten, ich von Regen und Schweiß klatschnass war und ich das Gefühl hatte, jeden Moment umzukippen, wurde ich langsamer und fiel schließlich in meinen gewohnt schnellen Gang. Jetzt fand ich auch die Zeit, mich umzublicken um verwundert zu bemerken, dass ich fast bis zum Hof gelaufen war. Dabei war das ein sehr, sehr weiter Weg. Es war sicher schon 21 oder gar 22 Uhr, aber auf dem Hof schien noch etwas los zu sein. Ich erinnerte mich dunkel daran, dass Nina etwas von einem Herrn gesagt hatte, der sich ein Pferd angucken wollte. Atemlos betrat ich den Hof und machte einen Abstecher ins Reiterstübchen. Ich musste dringend was trinken und dann rausfinden, wie viel Uhr es war, um den nächsten Bus zurück zu nehmen.

Als ich das Stübchen wieder verließ, begegnete ich Lucy, Sarah und Julia, die mich entgeistert anstarrten. „Was machst du denn hier?“ „Wer?“, fragte eine Stimme hinter mir und eine Sekunde später stand auch Nina neben mir, die mich nicht minder entgeistert anstarrte. Ich musste wirklich ein herrliches Bild abgeben: Gehetzter Blick, verheultes Gesicht, durchgeschwitzt, nass. Das ist eine längere Geschichte“, murmelte ich leise und wischte mir durch das Gesicht. Ich zitterte. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie kalt es durch die nasse Kleidung geworden war. Lucy reichte mir kommentarlos eine Fleecejacke, die ich dankbar gegen meine eigene, nasse Jacke tauschte. „Ein paar Minuten haben wir noch, der komische Typ wollte um halb 10 kommen“, stellte Sarah mit einem Blick auf die Uhr fest. Ich ergab mich meinem Schicksal und erzählte so kurz wie möglich, was passiert war. Irgendwie hatte ich ja auch Schuld.. Ein Knall kommt nicht von allein & ich hatte nicht gerade dazu beigetragen, den Knall zu verhindern... Während ich erzählte, knetete ich meine Finger und als ich geendet hatte und von meinen Fingern aufblickte, sah ich in 4 mitleidige Gesichter. Na super, das konnte ich jetzt gar nicht gebrauchen. Zum Glück verkniffen sich alle einen Kommentar. „Warum guckst du dir nicht mit den Typ an und dann fahre ich dich nach Hause?“, schlug Nina vor. „Das ist nett“, flüsterte ich. „Naja, so lustig das mit dem Typ auch werden kann, ich hab noch zu tun“, seufzte Sarah. „Ich würde auch gerne bleiben, aber ich war schon viel zu lange hier, ich muss nach Hause“ , murmelte Lucy und nach einer kurzen Verabschiedung, standen wir nur noch zu dritt da. „Jetzt heißt es warten“, murmelte Nina. „Ich glaube, lange müssen wir nicht mehr warten, da kommt er“, stellte Julia fest.

Tatsächlich fuhr ein Mercedes auf den Hof und parkte direkt vor uns, was Nina und Julia dazu veranlasste, sich mit hochgezogenen Brauen anzuschauen. „Na jetzt bin ich aber gespannt“ Da war sie definitiv nicht die einzige. Gespannt verfolgten 3 Augenpaare – meins eingeschlossen – wie die Fahrertür des Mercedes aufging und ein ungefähr 35 jähriger, hochaufgeschossener Mann auf uns zu kam, schleimig lächelte und Nina seine ausgestreckte Hand reichen. „Sie müssen Nina sein“ Er schüttelt euphorisch ihre Hand, reicht dann auch Julia seine perfekt gepflegte Pranke. Die beide Hofleiterinnen guckten etwas überrascht. „ich bin Herr Brenner, Paul Brenner. Wir hatten telefoniert“ Er ließ noch ein schleimiges Lächeln vom Stapel und ich stellte fest, dass ich ihn absolut nicht leiden konnte. Ich war immer recht schnell mit diesen Einschätzungen und lag in 99 % der Fälle auch richtig, weshalb sich Laura beim Verkaufen der Pferde meistens auf mein Urteil verlassen hatte. Zwar konnte ich nicht gut mit Menschen umgehen und sie generell auch nicht gut einschätzen, aber was Pferdeverstand betraf, war mein Blick sehr geschult.

„Na dann wollen wir Ihnen unser Prachtstück mal zeigen“, lächelte Julia, aber das Lächeln erreichte ihre Augen nicht. „Das ist übrigens Judith“, ließ Nina beiläufig fallen, als sie neben Herr Brenner Richtung Stall ging. „Sie hat ihr Pferd hier bei uns stehen und bereitet unsere Jungpferde“ Herr Brenner warf mir einen besonders schleimigen Blick zu. „Bereiter, wie schön!“, er strahlte mich an. „In meinem alten Stall gab es auch ein paar Bereiter, aber die hatten eher so Star Klasse, wissen Sie, auch Pferde bis Klasse S in Dressur und Springen, tolle Pferde eben“ Ich lächelte säuerlich. Dieser Mann wurde mir immer unsympathischer. „Nun, bevor ich hier war, habe ich auf einem Gestüt in der Schweiz gearbeitet“, erklärte ich kühl. „Ich hatte dort eine Rappstute, Olympia, die bis S Dressur ging. Aber wissen Sie, mein Aufgabengebiet war dort eher, mit Pferden zu arbeiten, die durch auf den Sieg fixierte Menschen, die in einem Pferd nur die Klasse und nicht das Wesen sahen, kaputt gemacht wurden.“ Herr Brenner verstand wohl nicht, dass ich das auch auf ihn bezogen hatte, denn er lächelte freundlich wie eh und je, aber in seinen Augen sah ich sogar etwas wie.. Respekt? „Olympia?“, fragte er nach. „Ja, Olympia. Von Don't Worry und Never Mind“ Herr Brenners Auge zuckte. „War das nicht die Stute, der man eine erfolgreiche Karriere vorhergesagt hat`“, mischte Nina sich jetzt verwundert ein. „Die noch sehr jung aber sehr talentiert war, mit einem unbekannten aber sehr guten Reiter, der sich mit ihr einen Namen machen wollte? Die beiden sind mehrmals auf großen Turnieren gestartet, dann hatte Olympia eine Verletzung und die beiden waren weg vom Fenster“ „Ach, die Stute war das?“, fragte Herr Brenner erstaunt. „Ganz genau“, bestätigte ich leise. „Mit dem kleinen Unterschied, dass sie nicht verletzt, sondern sehr unzufrieden war und dadurch Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hat, sie hat gebissen, getreten, wollte sich nicht reiten lassen, wollte von niemandem angefasst werden, all solche Späße. Sie war einfach völlig überfordert. Olympia ist eine äußert sensible Stute, man braucht Geduld, um ihr Vertrauen zu gewinnen und auch wenn sie unglaublich talentiert ist, hätte sie viel mehr Zeit für ihre Ausbildung gebraucht. Die wollte sich aber keiner nehmen und hat sich keiner genommen, denn man hat gesehen, dass Olympia Leistung bringen kann. Eine Saison hat die Stute im Spitzensport mitgemischt, danach war Schluss mit lustig. Und so ist sie bei uns gelandet und hat mittlerweile eine neue, einfühlsame Besitzerin, die es langsam mit der Hübschen angehen lässt und nur selten auf Turnieren aufkreuzt und auch immer nur aus Spaß an der Freude“ Ich fühlte, dass Julias Blick auf mir ruhte. Das war wohl einer die längsten Reden gewesen, die ich je gehalten hatte. „Deshalb legen wir ja auch so viel Wert darauf, dass unsere Pferde in gute Hände kommen“, ergänzte Nina meine Ausführungen. „Unser Kleiner hatte vor ihnen schon eine Besitzerin, die hat ihn aber wieder zurück gegeben, weil sie mit ihm kaum zurecht kam und eine andere, die krank wurde und keine Zeit mehr hatte“ Jetzt konnte Herr Brenner wieder lächeln. „Gehorsam ist nicht das Problem. Pferde lieben mich“ Ich verkniff mir ein verächtliches Schnauben. Zum Glück erreichten wir endlich die Box von Herr Brenners Auserwählten, sodass ich mir den Kommentar ebenso wie das Schnauben verkneifen konnte.

„Das ist unser Gentle Touch“, stellte Nina stolz. „Wow“, entfuhr es mir leise. Zum Glück hatte es nur Julia gehört, die mich angrinste. Herr Brenner musterte ihn wohlwollend. „Er ist wie weit mit seiner Ausbildung? Was genau machen sich bei ihm für Schwierigkeiten bemerkbar?“ Das interessierte mich allerdings auch. Gentle Touch war ein bildhübscher Dunkelfuchs, trotz seiner jungen Jahre schon gut bemuskelt, intelligente Augen. Ein richtiges Pferd zum verlieben. „Er wurde von seiner alten Besitzerin allmählich an die Longe gewöhnt, wie weit er da ist, können wir Ihnen nicht sagen, er ist erst seit knapp einer Woche wieder bei uns. Natürlich kann er das Fohlen Abc und ist alt genug, dass man auch mit Sattel, Trense und dem einreiten beginnen kann. Er lässt allerdings jetzt schon sehr deutlich durchblicken, dass er nichts von Anfängern oder Fortgeschrittenen hält, wer mit ihm arbeiten will, muss Profi sein, das hat er seiner ersten Besitzerin sehr deutlich gezeigt. Beim reiten wird er sicher genauso anspruchsvoll werden. Außerdem muss man aufpassen, denn wenn der Große erst einmal anfängt zu rennen, ist es schwer, ihn wieder zu stoppen“ Herr Brenner nickte nachdenklich mit dem Kopf. „Potenzial?“ „Wir vermuten, dass er es in der Dressur weit bringen wird, Grand Prix ist vielleicht drin, S aber sicher bei den Anlagen, Springen schätzen wir bis A oder L, im Freispringen zeigt er sich bis jetzt recht talentiert“ „Hört sich alles ganz gut an. 2000 sagten Sie? Ich denke, wir sind im Geschäft“ „Nicht so schnell“, bremste Julia. „Wir wollten natürlich sehen, was Sie können, wie gesagt, wie verkaufen ihn nicht einfach an den erstbesten. Wir haben uns das so vorgestellt, dass Sie auf einem unserer Pferde ein paar Runden in der Halle drehen und uns zeigen, was Sie reiterlich können und wenn wir denken, dass Sie zu unserem Geny passen, dann können Sie mit ihm noch eine kleine Stunde in der Halle einlegen.“ Ich schmunzelte über die clevere Methode. Sollte Herr Brenner ein Nichtskönner sein, dann würde das wenigstens nicht Geny zu spüren bekommen.

Herr Brenner hatte noch etwas auszusetzen und die drei diskutierten eine Weile. Ich dagegen sah mir Geny an, bewunderte seinen Stern und seine Schippe, die ihn noch hübscher machten, den frechen Blick. Ihm sah man das Temperament an. Ich war ganz versunken in den Anblick des Hengstes, bis Julia mir leicht gegen die Schulter tippte. „Wir wären soweit, willst du mit in die Halle?“ Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass die drei nicht nur zu Ende diskutiert, sondern auch noch Montresol fertig gemacht hatten. „Ihr macht es ihm aber einfach“, beschwerte ich mich. „Nein, ganz und gar nicht. Montresol ist ein super Pferd, aber bei ihm muss man es verstehen, dass letzte aus einem Pferd herauszukitzeln. Wenn man ihn nicht anständig und einfühlsam reitet, dann passiert da wenig. Insofern ist Montresol eine gute Wahl. Uns tut es zwar ein bisschen Leid, ihn schon wieder aus der Box zu holen, aber ihm macht das wenig“

So kam es, dass wir wenige Minuten später zu dritt auf der Tribüne saßen und Herr Brenner zu sahen. Ich verzog abfällig über seine maßgeschneiderten Stiefel und seine weiße Reithose das Gesicht, während Julia und Nina schon leise flüsterten über das, was sie da geboten kriegten. Es war offensichtlich, dass Herr Brenner guten Unterricht genossen hatte, sein Sitz war perfekt, seine Zügelhaltung korrekt. „Sieht so aus, als könnte er zumindest reiten“, murmelte ich leise. „Warten wir mal ab“, flüsterte Julia zurück. Herr Brenner ritt Montresol nach allen Regeln der Kunst warm, bemühte sich um eine Verbindung mit dem Hengst, ritt viele gebogene Linien, Handwechsel und wollte anscheinend, dass Montresol sich schön stellte und bog. „Er treibt zu wenig“, stellte ich fest, von den beiden Hofleiterinnen kam nur ein Nicken. Herr Brenner saß zwar schön locker wie ein alter Meister im Sattel, setzte auch Schenkel, Kreuz und Gerte ein, aber die letzten drei Sachen einfach nicht genug. Als Herr Brenner in den Trab wechselte, war Monty im Schritt noch keinesfalls als gelöst zu betrachten und das Drama zog sich weiter durch den Trab. Zwar fuhr der Herr weiter mit seinem Warmreitprogramm fort, zeigte dabei aber keine Bereitschaft, auf Monty einzugehen. So kam es, dass nach einer kurzen Galoppphase für Herr Brenner das lösen und Warmreiten wirklich beendet war, Monty aber noch nicht das Bild eines gelockerten Pferdes zeigte. Und so unglaublich schwer war Montresol nun auch wieder nicht zu reiten. Julia warf ihr Gesicht sorgenvoll in Falten, als Herr Brenner nun mit Dressurlektionen begann. Montresols Hinterhand war nicht aktiv genug, er reagierte nicht fein genug auf Paraden, er war nicht motiviert genug und dementsprechend klappte es auch. Seitengänge gingen schief, einfacher Galoppwechsel sowieso, von Mitteltrab und Mittelgalopp ganz zu schweigen, der fliegende Galoppwechsel war nur noch zum davon laufen. Herr Brenner wurde immer wütender, immer grober, bis Nina es nicht mehr aushielt und Herr Brenner zum Trockenreiten aufforderte.

Der Entschluss stand fest: Herr Brenner würde Geny nicht bekommen. „Er reitet gut, aber er hatte perfekt trainierte Pferde unterm Sattel, die auf Knopfdruck funktioniert haben und wenn er die nicht geritten ist, dann auf bockigen Pferden, deren Widerstand er leicht brechen konnte“, stellte ich ungerührt fest und sah zu Herr Brenner, der sich gerade durch die mit Gel an den Kopf geklatschten Haare strich. Nina und Julia sahen mich nur erstaunt an. „Wahrscheinlich hast du Recht“ stimmte Julia zu. „Wenigstens damit kenne ich mich aus“, grinste ich. „Wir hatten dauernd potenzielle Käufer auf dem Hof.

***
20 Minuten später waren wir Herr Brenner losgeworden, der sich natürlich beschwert hatte, Montresol stand wieder sauber und zufrieden in seiner Box und Julia, Nina und ich saßen mit Sarah im Reiterstübchen, wärmten uns die kalten Finger an Tee auf und erzählten Sarah von Herr Brenner. Beziehungsweise Nina und Julia redeten, ich schwieg dazu, dachte an Gentle Touch. „Mir tut es nur so Leid um Geny“, seufzte Nina. „Er ist ein tolles Pferdchen, nur ein bisschen schwierig. Ich hoffe, wir finden bald einen Käufer für ihn, der auch mit ihm klar kommt“ „Sonst nehmen wir ihn für die Zucht.“, murmelte Julia. „Auch wenn ich ihm einen lieben Menschen total gönnen würde. Naja, wir müssen erst einmal sehen, wer ihn weiter trainieren kann, vielleicht verkauft sich ein eingerittenes Pferd besser. Und dann gucken wir mal, wer sich so meldet, um ihn zu kaufen“

„Ich!“, platzte ich heraus. Erstaunte Blicke von drei Seiten. „Du magst ihn bereiten? Finde ich eine gute Idee, du kommst sicher mit ihm klar“ Julia lächelte. „Nein“, flüsterte ich. „Was nein?“, fragte Julia irritiert. „Ich will ihn nicht bereiten, also nicht wirklich“ Verlegen zupfte ich einen losen Faden aus Lucys Jacke und machte mir am Rande gedanklich eine Notiz, dass ich Lucy diese noch zurück geben musste. Noch mehr erstaunte Blicke. Ich holte tief Luft. Ich wusste, dass es verrückt war. Ich hatte mit Romance genug zu tun, er war schwierig genug, ich brauchte kein neues Pferd, kein neues Sorgenkind. Mein Verstand schrie lauter Nein, als ich es je gekonnt hätte. Doch Geny faszinierte mich, er war hübsch, er war talentiert und es war eine Herausforderung, mit ihm zu arbeiten. Und manchmal muss man etwas wagen. Man kann nicht immer nur auf Nummer sicher gehen, sich verstecken. Manchmal muss man auf sein Herz hören. „Ich will ihn kaufen“

Was darauf folgte, kann man sich sicher denken. Erstaunen, Freude, tausend Nachfragen, ob ich mir sicher war, eine genauere Auseinandersetzung mit dem Charakter von Geny. „Ja, ich bin mir sicher. Ich habe mir das auch gut überlegt. Er ist ja noch nicht lange wieder hier, wenn ich das richtig verstanden habe, dann kam er als Fohlen schon hier weg, von einer Besitzerin dann direkt zur nächsten und ist jetzt erst wieder eine Woche hier?“ Julia nickte. „Ich gebe ihm erst einmal viel Zeit zum eingewöhnen, 2 – 3 Wochen. Er soll sich hier ganz wohl fühlen, kann auch ruhig immer auf die Weide, aber wenn ich das richtig verstanden habe am Besten mit Beinschutz. Und wenn er sich wirklich, wirklich eingelebt hat, fange ich an, mich mit ihm vertraut zu machen, ihn zu trainieren“ „Hört sich gut an“, musste Nina zugeben. „Also gut, dass du reiten kannst und mit Problempferden klar kommst, wissen wir. Natürlich werden wir euch auch in der Anfangszeit etwas beobachten und du hast die Möglichkeit, ihn innerhalb von 2 Wochen zurück zu geben, wenn es nicht klappt mit euch beiden. Natürlich fangen die Wochen erst dann an, wenn du auch anfängst, mit ihm zu arbeiten“ Ich nickte dazu nur stumm, immer noch etwas fassungslos von meinem Entschluss. Nina eilte ins Büro, machte einen Vertrag fertig und keine 5 Minuten später war ich stolze Besitzerin des Hengstes Gentle Touch.

Ich war froh, dass Nina mich anschließend ohne weitere Kommentare und Zwischenfälle nach Hause fuhr. Es war halb 12, ich war müde und freute mich auf eine gemütliche Stunde auf der Couch. Dort sank ich auch sofort hin, als ich in der Wg angekommen war, nahm mir das Buch „Unversehrt“ zur Hand und fing an zu lesen.



******
Es klingelte. Verwirrt rappelte ich mich vom Sofa hoch und warf einen Blick auf die Uhr: Es war kurz vor Zwölf, wer kam um diese Zeit denn noch vorbei? Davi schlief heute auswärts, wo wusste ich selber nicht genau, und außerdem hatte sie einen Schlüssel. Etwas unschlüssig blieb ich vor der Tür stehen. „Wer ist da?“, rief ich leise. „Ich bins... Leisha“ Mir stockte der Atem. Leisha? Hier? Um die Zeit? Nach dem Gespräch heute Mittag? Ich fuhr mir durch die Haare, aber zu retten war da auf die Schnelle nichts mehr. Etwas verlegen öffnete ich die Tür. Leisha sah ziemlich aufgewühlt auf, ihr Haar hing strähnig runter, ihre Jacke war offen, dabei war es ziemlich kühl geworden und sie starrte mich mit dem eigentümlichen Eindruck von heute Mittag an. Doch auch wenn er dieses Mal länger blieb, gelang mir eine Deutung nicht. „Darf ich reinkommen?“, fragte Leisha leise. „Klar“, murmelte ich und trat einen Schritt zur Seite, „Willst du was trinken?“ „Ein Tee wäre super, aber ich nehme auch Saft“ Pflichtschuldig nahm ich Leisha ihre Jacke ab, zeigte ihr, wo sie ihre Schuhe hinstellen konnte und verschwand dann in die Küche. „Setz dich ruhig ins Wohnzimmer. Ich schmeiße nur eben den Wasserkocher an, dauert nicht lange“ Leisha brummelte eine Zustimmung. Ich hörte, wie sie es sich auf dem Sofa bequem machte. „Was für ein Tee darf es sein?“, fragte ich ins Wohnzimmer, als das Wasser kochte. „Pfefferminze wäre super“ Also schnappte ich mir zwei Tassen, zwei Teebeutel, den Zuckerstreuer, einen Unterteller und zwei Löffel, kippte das kochend heiße Wasser in die beiden Tassen, schmückte diese mit Teebeuteln und Löffeln und trug dann Zucker, Unterteller und Tassen zu Leisha ins Wohnzimmer.

Wir saßen lange schweigend nebeneinander, so kam es mir jedenfalls vor. Leisha hatte die Hände um die Teetasse geschlossen, nippte vorsichtig dran. Lächelnd stellte ich fest, dass sie ihren Tee auch ohne Zucker trank. Trotz des warmen Getränks schien Leisha noch zu frieren, weshalb ich meine Kuscheldecke aus der Sofaecke zog und Leisha um die Schultern hängte. „Danke“, murmelte diese leise und wir schwiegen weiter.

Schließlich holte Leisha tief Luft, stellte die Teetasse auf dem Tisch ab und spielte mit einem Deckenzipfel. „Du fragst dich sicher, warum ich hier bin?!“ Ich nickte nur. „Judith, was heute Mittag passiert ist, unser Gespräch... Pass auf, das gibt es etwas, was ich dir verschwiegen habe“ Sie knete den Deckenzipfel zwischen den Fingern. „Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht, wieder und wieder. Judith, ich bin eine schlechte Partnerin. Mit mir ist es ein ständiges auf und ab, weil ich schreckliche Bindungsängste habe. Ich bin einmal ganz fies betrogen und sitzen gelassen worden, von meiner ersten großen Liebe. Das habe ich nie ganz überwunden. Ich sage dir das nur, weil ich ganz offen mit dir sein will: Ich habe mich in dich verliebt. So, wie vorher noch nie in meinem Leben. Aber ich habe Angst. Ich will dich nicht verletzen. Du bist zu schade dafür, zu schade für mich!“ Leisha brach ab und starrte nur stumm auf den Boden. „Kennst du das Lied auf the L word, Staffel 3, episode 9? Bette ruft bei Tina an, die klassische „I want my life back“ Szene, kurz danach kommt Dana ins Krankenhaus“ „Bleeding Rivers“, murmelte ich. Leishas Geständnis hatte ich mich mehr geschockt als mein Kauf von Gentle Touch. „No matter how hard I try, I can't seem to win this fight...“ Zu meiner Bestürzung sah ich, dass Leisha bei diesem Satz Tränen über die Wangen rollten. „Es ist wirklich so. Ich bin ein Wrack Judith. Ich verletzte Menschen, Menschen verletzen mich. Ich und eine Beziehung, das ging schon lange nicht mehr gut. Und du bist schon so oft verletzt worden. Ich will nicht die nächste sein...“ Sie schluchzte. „Glaubst du, dass verletzt mich nicht, wenn ich weiß, dass du mich liebst, dass ich dich liebe und wir trotzdem nicht zusammen sind? Leisha, ich bin froh, dass du so ehrlich zu mir warst. Ich sage dir mal was: Ich habe heute ein Pferd gekauft. Weil mir mein Herz dazu geraten hat, nicht mein Verstand. Manchmal muss man sich Dinge trauen. Sich aus der Sicherheit herauswagen, was neues probieren. Leben. Wenn man nur das tut, wo man keine Rückschläge bei erleben kann, dann lebt man nicht, dann ist man so gut wie tot. Leben ist keine Sicherheit, Leisha. Das Leben ist ein einziges Risiko. Ich habe mir schon oft bei Pferden gedacht, dass ich es nicht schaffe und ich habe es doch geschafft. Weil ich gekämpft habe!“

Leisha sah mich wieder so an. Und endlich, endlich konnte ich den Blick deuten: Liebe. Verlangen. Angst. „Du meinst, wir sollen es versuchen?“ „Ja“, erwiderte ich fest. Leisha biss sich auf die Lippe. „Ich hab Angst“, flüsterte sie. „Ich auch“, murmelte ich. Einen Moment lang starrten wir uns an, dann legte ich meine Hände auf ihre Schultern, zog sie etwas näher zu mir heran. Wir sahen uns tief in die Augen, ich drohte zu versinken. Und dann küssten wir uns. In diesem Kuss lag alles. Verzweiflung, Angst, Verlangen, Hoffnung, Glück. Wir klammerten uns an den Kuss wie ein Ertrinkender an einem Baumstamm. Leishas Tränen mischten sich zwischen unsere Lippen, verliehen dem Kuss einen salzigen Beigeschmack. Ich hätte Leisha ewig so weiter küssen können. Langsam wurde unser Kuss sanfter, Leisha löste sich von mir, sah mich kurz liebevoll an, um mich dann erneut zu küssen, ganz sanft und behutsam. Dabei streichelte sie vorsichtig mein Gesicht. Ich dachte an all das, was ich heute erreicht hatte, mit Bad Romance, dass ich Gentle Touch gekauft hatte, mit Montresol einen tollen Ausritt gehabt hatte, jetzt auch noch Leisha. Ja, es hatte auch Rückschläge gegeben, wie den Streit mit meiner Mutter, aber das gehörte dazu. Seit Saskia gestorben war, fühlte ich mich das erste Mal wieder geborgen. Wieder am Leben.Ich war angekommen, ich war endlich angekommen.

#3 RE: 4# Leben. von Davina 05.10.2012 17:49

avatar

ehm ich hab grad leider keine ahnung mehr was ich sagen soll :D
ich bin teilweise voll drin versunken :D jetz tun meine augen weh :D ich mag ihn nicht! ich liebe ihn :D

und schön das ich und Karlos der Rose mit ihrem Day helfen konnte :D
nur was mcih voll verwirrt... warum sind manche wörter verlinkt?! (z.B. Müsli, sitzen, die Tasche usw.)?! :D

#4 RE: 4# Leben. von Judith 05.10.2012 23:16

avatar

Danke, dass du dir das Ungetüm angetan hast <3 Und schön, dass er dir so gefällt :P

Das meine liebe Davi, ist eine verdammt gute Frage Oo beabsichtig war es jedenfallls nicht!!! :D

#5 RE: 4# Leben. von Davina 06.10.2012 08:33

avatar

haha ja hab ich doch gern gemacht :D

aber das did dinger in meinem.kommi verlinkt sind war auch nicht beabsichtigt :o

#6 RE: 4# Leben. von Lucy 09.10.2012 14:34

avatar

Ich glaube das ist Werbung... Das macht keiner mit Absicht, wenn du ein gewisses Wort schreibst, kommt das einfach. KA ob das wirklich so ist, aber kann es mir nur so erklären.

@Judith: Oh manoman! Du bist die erste, die einen ZU LANGEN BERI für das Forum schreibt.... Aber gut ich werde mich da mal durchkämpfen. ;)

#7 RE: 4# Leben. von Lucy 13.10.2012 19:26

avatar

Judith du bist verrückt! :D :D Wenn ich den Beri ins Word kopiere gibt es 40 Seiten!!! Aber gut ich mag lange Beris, da die dann schön ausführlich sind. Werde wohl etwas länger haben bis ich den gelesen habe... Aber morgen muss ich einige Stunden Autofahrt hinter mich bringen. Da werde ich dann dein Beri "verschlingen". Die Bewertung kommt dann sobald ich Internet habe. ;)

#8 RE: 4# Leben. von Nina 13.10.2012 21:45

avatar

*schock* Judith also ich bin sprachlos O.O
Das kannst du UNMÖGLICH alles in dem Monat geschrieben haben!
Ich glaub das ist der längste Beri den je ein Mitglied egal in welchem Hof der ist/war je geschrieben hat :O
Dafür kriegst du eine Belohnung in dein Profil ^^

#9 RE: 4# Leben. von Davina 13.10.2012 22:34

avatar

haha das is süß :D

#10 RE: 4# Leben. von Lucy 14.10.2012 18:56

avatar

Ich finde kein gutes Wort das zu deinem Beri passt... Doch wahnsinig gut (sind aber 2)...

Da ich mit dem Handy on bin, leider nur kurz...
Aus. 50/50
Personen 28/30
Schiksal ?/20 (ist das drin?)
Aufgabe 10/10
Handlung 50/50

#11 RE: 4# Leben. von Nina 16.10.2012 16:56

avatar

@Davi: schon gell -^^-
Wenn ihr mir egal in welcher art und weise positiv besonders auffallt, dann kriegt ihr auch sowas.
Hilfestellungen oder wie gut man etwas macht, oder wie oft man on kommt, sachen wo man eben leute ausgrenzen kann zählt nicht ;)

#12 RE: 4# Leben. von Judith 20.10.2012 14:23

avatar

Doch, ich hab in einem Monat geschrieben :D Haha Nina du bist süß xD


Luucyyy, daaaanke :* ja, schicksal ist drin.. das war "wie magie" und "Ein Knall entsteht nicht von allein" das wie magie war bei dem ritt von romance drin, das mit dem knall so ein bisschen bei dem telefonat mit mit meiner adoptivmama ;)

#13 RE: 4# Leben. von Lucy 20.10.2012 22:17

avatar

Na dann kriegst du noch 20 Punkte mehr. ;) Level rechne ich dir noch aus.

#14 RE: 4# Leben. von Judith 20.10.2012 22:37

avatar

oki :)

und ich habe eine frage... wenn ich das richtig verstanden habe, kriegt man pro person 3 punkte(das war wenigtens ninas rechnung beim letzten beri...) und ich gerade mal durchgezählt weil ich wissen wollte, wie viele personen ich drin hab und bin auf 12 gekommen... warum dann nur 28 punkte?:D

#15 RE: 4# Leben. von Lucy 20.10.2012 23:02

avatar

Also von dieser Rechnung wusste ich nichts...

Du hast sehr viele Personen, aber zum Teil auch "unnötige" (keine Ahnung wie ich das besser ausdrücken kann). Die Schwester, klar sie ist da, aber der Arzt ist eigentlich die handelnde Person... Deswegen nur 28... Hat mich ein bisschen gestört... Aber kannt gut sein, das dies andere nicht stört.

Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen
Datenschutz