#1 13. Bericht: Die Entscheidung von Lisa 01.01.2014 16:48

avatar

„Hallo, Erde an Lisa!“, drang an mein Ohr und störte mich. Dieser Moment war so wunderbar, dass ich wollte, dass er nie endete.
Wiederwillig schaute ich auf. Andrea stand an die Boxentür gelehnt und beobachtete mich grinsend. Auch Robby, der hinter ihr in der Stallgasse stand, schaute mich an und grinste.
„Na, da ist wohl jemand verliebt, was?“, neckte er mich.
Ich wurde leicht rot und zuckte die Schultern. Was sollte ich da auch schon entgegnen? Verliebt war gar kein Ausdruck! Dieses Hengstfohlen war das wunderbarste Wesen, was ich je im Leben gesehen hatte. Jetzt, wo der Zauber gebrochen war, konnte ich seine kleinen, perfekten Hufe gestaunen. So klein, dass sie auf eine Teetasse passen würden. Aber perfekt geformt, genau wie seine langen Beine, die er jetzt ausstreckte, um sich aufzurappeln. Es war noch einwenig wackelig, wie er auf die Beine kam, aber er war ja auch noch keinen Tag alt. Er war winzig, seine Nüstern so klein und samtschwarz. Ich würde sie am liebsten berühren, hatte aber Andreas Warnung noch im Hinterkopf, dass wir nur schauen durften.
Die perfekt gebogenen Ohren des Hengstfohlens spielten aufmerksam, bevor er – Andreas Anweisung missachtend – ein paar Schritte auf mich zu kam, bis er direkt vor mir stand. Dann streckte er den Hals und berührte mich ganz, ganz sanft mit seinen samtweichen Nüstern an der Wange. Die Berührung war so sanft wie von einer Feder, und seine Nüstern fühlten sich unendlich weich an.
„Oh, wow!“, machte Andrea.
„Die Liebe scheint wohl beidseitig zu sein“, kommentierte sie dann mit einem Lächeln in der Stimme.
Vorsichtig hob ich die Hand, um ihn am Hals zu berühren. Er stand ganz still, die Nüstern immer noch direkt vor meinem Gesicht. Sein Fell war lockig und flauschig, halt typisches Fohlenfell. Er schien die Berührung zu genießen, den er kam noch einen Schritt näher und kitzelte mich mit seinen Tasthaaren am Ohr, bevor er in meine Haare prustete. Ich kraulte ihn sanft an Hals und Schulter, bis er schließlich seinen kleinen, wunderbaren Kopf auf meiner Schulter ablegte, die Augen schloss und wohlig seufzte.
Andrea und Robby sagten kein Wort mehr, und ich genoß das Gewicht des kleinen Kopfes auf meiner Schulter, während meine Fingerspitzen sanft über sein weiches Fell wanderten.
Schließlich kam Spiegel der Seele einen Schritt auf uns zu und stupste den kleinen Hengst in die Seite. Er hob den Kopf und sah sie an, dann stakste er an ihre Seite und begann zu trinken.
Ich richtete mich steif auf, vom langen Hocken tat mir alles weh. Dann lehnte ich mich an die Boxenwand und beobachtete den kleinen Hengst. Er war wirklich perfekt. Angefangen von seinen winzigen Hufen bis hin zu seinen Ohren. Sein Fell glänzte seidig, es war nachtschwarz. Nur ein kleiner Stern zierte seine Stirn.
Er war wundervoll.

„So, kommt, ich soll die beiden zum ersten Mal auf die Weide bringen. Das willst du doch sicher sehen, oder?“, fragte Andrea, nachdem der Kleine mit trinken fertig war. Ein kleiner Milchbart zierte sein süßes Maul und machte ihn noch zauberhafter.
Andrea hakte den Strick ins Halfter der Stute, und führte sie langsam nach draußen. Um den Anschluss nicht zu verlieren, stakste das Fohlen hastig an ihrer Seite mit. Dann kamen wir durch die Tür, und der Kleine blieb einen Augenblick stehen, als Sonnenlicht sein Fell traf. Er nahm alles mit gespitzten Ohren und wachem Blick in sich auf, bevor er rasch seiner Mutter hinter her auf die Weide lief.

Spiegel der Seele – Spy genannt, wie Andrea erklärte – trabte mit hoch aufgestelltem Schweif eine Runde, während der Kleine ihr rasch hinterher galoppierte. Während Spy stehen blieb, um ihre Nase in das hohe, duftende Gras zu stecken, hatte der Rapphengst zum ersten Mal entdeckt, dass er zum Laufen geboren war. Er probierte ein paar vorsichtige Trabtritte mit hochaufgestelltem Schweif und munter erhobenem Kopf. Dann erstarrte er und wandte den Blick seiner Mutter zu, die ihren übermütigen Sohn allerdings nicht beachtete.
Der wandte sich wieder ab und galoppierte aus dem Stand los. Erst noch sehr holprig, gewann er langsam an Fahrt und wagte die erste kleinen, vorsichtigen Bocksprünge.
Schließlich tollte er ausgelassen über die Wiese.
Er hatte so atemberaubende Bewegungen, war so unglaublich perfekt. Ich wollte den Augenblick festhalten und nie wieder loslassen.
Die Sonne schien vom Himmel, als wollte sie den nahenden Herbst abwehren. Ein lauer Wind spielte mit meinen Haaren und denen der Pferde. Die Vögel twitscherten und in der Luft lag der Geruch von Gras und Heu. Das kleine, neugeborene Fohlen auf der üppigen Wiese tollte ausgelassen und hatte jetzt einen Vogel entdeckt, dem es neugierig entgegenstakste. Als dieser aber wegflog, sprang er zur Seite und vollführte einige wilde Bocksprünge, bevor er zu seiner Mutter zurück kehrte und ihren Bauch anstupste, bevor er mit wedelndem Schweif anfing, zu trinken.
Dieses Bild war so idyllisch, das mein Herz einen Satz machte.

„Na, gefällt er dir?“, fragte da eine unbekannte Stimme von hinten.
Ich drehte mich um und stand einer jungen Frau entgegen.
„Lisa, darf ich dir vorstellen, das ist Nina, die Gestütsleiterin. Nina, das ist Lisa, die von der ich dir erzählt hab, die ich im Krankenhaus kennen gelernt habe. Und Robby kennst du ja schon“, stellte Andrea uns vor.
„Hallo Lisa, schön dich kennen zu lernen“, begrüßte Nina mich und gab mir die Hand.
„Freut mich auch, hallo“, entgegnete ich.
„Und ja, er ist wirklich wundervoll“, antwortete ich aus tiefstem Herzen.
Nina lächelte.
„Ja, das stimmt. Er ist wirklich einzigartig“, nickte sie.
„Und, wie weit bist du mit deiner Pferdesuche? Andrea hat mir davon berichtet...“
„Ph, sie kann sich für kein Pferd entscheiden, egal wie gut sie zu ihr passen, wie gut die Abstammung ist oder wie viele Erfolge sie schon haben. Es ist wirklich zum verrückt werden!“, entgegnete Robby an meiner statt und grinste Nina gequält an.
Ich warf einen kurzen Blick zu dem Hengstfohlen, welches jetzt versuchte, an das Gras zu kommen, um seiner Mutter nachzumachen. Allerdings hatte er den Trick noch nicht ganz herraus, und seine Beine waren einfach hoffnungslos zu lang.
Jetzt mischte sich Andrea wieder in die Unterhaltung ein.
„Es scheint aber, als hätte sie jetzt ihre große Liebe doch noch gefunden!“
Ich drehte mich wieder zu ihnen um und grinste verlegen.

„Hmh, ich war mir noch nicht klar darüber, ob ich ihn verkaufen möchte oder nicht... Außerdem weiß man natürlich nicht, wie er sich entwickeln wird, obwohl seine Abstammung einiges verspricht. Also, ich mache dir ein Angebot: Wenn du ihn mir für 5.000T abkaufst, und zwar innerhalb der nächsten Woche, dann kannst du ihn haben. Natürlich erst, wenn er abgesetzt ist.“
„Okay“, nickte ich.
„Aber“, fügte Nina hinzu und hob den Zeigefinger, „ich kann dir natürlich nicht garantieren, wie er sich entwickelt. Es ist immer ein hohes Risiko mit den Fohlen. Es kann sein, dass er später viel mehr wert sein wird, oder aber, dass er sich nicht so gut entwickelt wie gehofft und du dann jetzt viel zu viel ausgibst.“

Es gab viel worüber ich nachdenken musste. Nina, Robby und Andrea ließen mich alleine an der Koppel, auf der der Kleine immer noch munter seine Umgebung erkundete.
Eines war ganz sicher: Das kleine schwarze Fohlen und ich, wir waren miteinander verbunden, wir gehörten zusammen. Das hatte ich ganz deutlich gespürt. Er war mein Gegenstück.
Eigentlich war ich nicht abergläubig, aber irgendeine magische Verbindung schien zwischen uns zu bestehen, von dem Augenblick an, an dem er mir in die Augen geschaut hatte. Er war meine Bestimmung. Ich spürte es ganz deutlich.
Trotzdem sprach die Stimme der Vernunft in mir. Ich suchte eigentlich nach einem schon fertig ausgebildeten Pferd, mindestens vier Jahre alt. Nicht nach einem Fohlen. Es war viel Verantwortung und Arbeit, bis ein Fohlen ein ausgewachsenes Pferd wurde. Konnte ich mir das wirklich zutrauen?
Ich haderte mit mir selbst, bis ich jäh aus meinen Gedanken gerissen wurde.
Wie ein dunkler Schatten war der kleine Hengst vor mir am Zaun aufgetaucht. Er baute sich selbstbewusst vor mir auf und streckte seinen Hals, um mich vorsichtig mit den Nüstern an der Hüfte zu berühren. Dann untersuchte er meine Kleidung und spielte schließlich mit den Lippen an meiner Hand herum.
Langsam hob ich meine andere, um in sanft am Hals zu streicheln. Wieder bewunderte ich seine Perfektion. Alles an ihm war winzig, aber perfekt.
Meine Entscheidung war gefallen.

#2 RE: 13. Die Entscheidung von Lucy 04.01.2014 23:39

avatar

ICH hätte die beiden Berichte zusammengehängt. Aber du musst nicht so schreiben, wie ich das will. Also von dem her... Ich sag nichts. :D

Also und nun die Bewertung:
Ausführlichkeit: 25/50
Personen 9/30 (Robby, Andrea, Nina, Fohlen (weil es so zentral ist, auch wenn keine Person))
Schicksal des aktuellen Monats: ?/20
Aufgabe des aktuellen Monats: ?/10
Handlung: 40/50
Gesamt: 84 Punkte

#3 RE: 13. Die Entscheidung von Lucy 04.01.2014 23:44

avatar

84 Punkte + 48 Punkte (Nr. 12) = 132 Punkte

Du bist mit total 1'030 Punkten auf Level 13 gestiegen!
- Du bekommst ein Brautkleid deiner Wahl + Schuhe
- Du wirst befördert

#4 RE: 13. Die Entscheidung von Lucy 04.01.2014 23:45

avatar

Ach ja und auch wenn das in der Bewertung nicht ganz so stark raus kommt, ich finde deine Bericht gut und sie waren spannend!

#5 RE: 13. Die Entscheidung von Lisa 05.01.2014 16:57

avatar

danke :*

ja, ich hab die in einem durch geschrieben & dann direkt on gestellt...
irgendwie gelingt es mir dann besser mich da hineinzuversetzten, wenn ich alles in einem schreib & dann "aufhöre"...
hätte natürlich noch warten könnten & dann beide aneinanderhängen können.. aber ich mag so enden :)

#6 RE: 13. Die Entscheidung von Lucy 05.01.2014 21:11

avatar

Das Ende ist schön, das stimmt

#7 RE: 13. Die Entscheidung von Lisa 05.01.2014 21:22

avatar

danke :)

Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen
Datenschutz