#1 15. Bericht: Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lisa 09.01.2014 19:42

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Das Klingeln meines Handys schreckte mich aus meinen Tagträumen auf. Ich saß gerade am Frühstückstisch und dachte an den vergangenen Tag... An Robby und an Soul, meine beiden Jungs...
Das Handy klingelte wieder und ich sprang auf um es zu holen.
„Hallo?“, meldete ich mich.
„Hallo Lisa, ich bins Nina“, tönte es von der anderen Seite. Nina vom Gestüt Meiningen war dran.
„Ich wollte dir nur sagen, dass die Laborwerte von Soulkeepers Untersuchung letzte Woche da sind. Du weißt ja, wir machen bei jedem Fohlen eine komplette Untersuchung, dazu gehört auch ein großes Blutbild. Und Souls Werte sind gut, er ist völlig gesund. Außerdem hat der Tierarzt – wo er schon ein großes Blutbild gemacht hat – auch noch die Genetik abgecheckt. Das sagt dir vielleicht nicht so viel, aber Soulkeeper ist ein reinerbiger Rappe mit den Allelen EEaa. Das wollte ich dir nur sagen, habe die Ergebnisse gerade in der Hand.“
„Okay, danke!“ Das mit der Genetik sagte mir tatsächlich nicht besonders viel, aber es freute mich, dass mein Kleiner gesund und munter war.
Wir verabschiedeten uns und ich setzte mich wieder an den Küchentisch. Die Sonne schien durchs Fenster hinein und wärmte meinen Rücken angenehm. Draußen war wieder ein herrlicher Tag, und das erinnerte mich an den Tag zuvor, als ich mit Robby in der Sonne am See gelegen hatte...
Ich seufzte wohlig. Momentan war wirklich alles wunderbar!
Doch dann dachte ich wieder an die Entscheidung, die ich noch treffen musste. Und das sehr bald. Wollte ich mit nach Italien und die Chance meines Lebens nutzen?
Naja, erst einmal wollte ich zu meinem Pferd. Ich zog mich rasch an und ein kurzer Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich rennen musste, um den nächsten Bus noch zu erwischen.
Also stürmte ich zur Haustür raus und rannte dabei fast einen meiner Nachbarn um.
„Sorry!“, rief ich im vorbeirennen über meine Schulter.
Der Busfahrer wollte gerade die Tür wieder schließen, als ich den Bus erreichte. Er ließ mich aber noch mitfahren, Glück gehabt!
Die Fahrt zum Gestüt Meiningen dauerte fast eine dreiviertelstunde mit dem Bus. Mit dem Auto waren es nur zwanzig Minuten. Ich sollte mir vielleicht wirklich bald mal ein Auto zulegen, überlegte ich. Am besten einen BMW. Aber was für einen?
Ich schob den Gedanken zur Seite und schaute aus dem Fenster. Wolken waren am Himmel erschienen und verdeckten die Sonne. In der Ferne war es sehr dunkel, es schien fast, als würde es bald Regnen. Gut dass ich meine Jacke mit dabei hatte.
Als ich endlich auf dem Gestüt angekommen war, waren die dunklen Wolken schon beachtlich näher gerückt und ein kühler Wind kam auf. Ich fröstelte und schlüfte in meine Jacke, während ich zum Stall ging. Ein kurzer Blick auf die Weiden sagte mir, dass Soul in der Box war.
Ich grüßte die Reiter, die auf dem Platz am trainieren war und winkte zu ihnen rüber. Dann huschte ich schnell durch die Stalltür. Drinnen war es wesentlich gemütlicher. Der Wind war still und man hörte das Rascheln der Pferde im Stroh.
„Hallo!“, grüßte ich eine der Pferdepflegerinnen, die gerade eine Box ausmistete. Ihren Namen kannte ich allerdings nicht. Sie grüßte freundlich zurück und ich ging weiter an den Boxen entlang. Hier standen die Stuten, einige mit Fohlen, andere ohne.
Und da war er; Soul. Er blickte sofort hoch als er eine Bewegung an der Box bemerkte, und als er mich sah, wieherte er und kam sofort an die Tür.
Ein Kribbeln entstand in meinem Bauch. Es war einfach unglaublich, dass er jetzt schon so gut wusste, wer ich war. Und dass er sich dann auch noch freute, wenn ich kam!
„Hallo mein Kleiner!“, begrüßte ich ihn zärtlich und öffnete die Tür. Sofort kam er einen Schritt nach vorne zu mir und stupste mich an.
Lachend wehrte ich ihn ab und strich dann über sein wolliges Fohlenfell. Immer noch staunte ich über seine kleine Perfektion.
„Ach, du bist seine neue Besitzerin, oder?“, fragte da eine weibliche Stimme hinter meinem Rücken. Ich drehte mich herum, es war die Pferdepflegerin.
„Ja“, bestätigte ich lächelnd.
„Er ist wirklich ein Traum von einem Fohlen!“, schwärmte die Blondine und warf einen Blick über meine Schulter auf Soul.
„Finde ich auch“, stimmte ich ihr zu und grinste.
„Hast du mit ihm schon am Strick geübt?“, fragte sie dann interessiert.
„Nö“, ich schüttelte den Kopf.
„Aber ich habe auch gar kein Halfter“, musste ich dann grinsend zugeben.
„Weißt du was? Wenn du willst, dann leihe ich dir eins, hier gibt’s ja genug Fohlenhalfter. Dann kannst dus gerade mal ausprobieren. Man kann ja gar nicht früh genug mit dem Halfter anfangen, habe ich mal gelesen.“
Ich stimmte ihr zu, und im Nu hatte sie ein Halfter für mich aufgetrieben.
„Ich mach dann mal weiter, viel Spaß“, wünschte sie mir und fuhr mit den Boxen fort.
Ich dankte ihr und wandte mich dann mit dem Halfter in der Hand an Soul.
Er blickte mich neugierig und mit voller Vertrauen in den Augen an. Lächelnd nahm ich seine kleine Nase zwischen die Hände und gab ihm einen Kuss auf die Nüstern, was er sich protestlos gefallen ließ.
Mit klaren Augen beobachtete er dann, wie ich das Halfter öffnete und ihm hinhielt. Neugierig beschnupperte es, bevor er versuchte, es in sein Maul zu nehmen.
„Hey!“, protestierte ich leise und hielt in davon ab. Dann streifte ich es über seinen Kopf. So schnell, dass er gar nicht reagieren konnte hatte ich es auch schon verschlossen.
Sein Blick zeigte Erstaunen, als er den Kopf hob und sich umblickte. Aber egal wie er sich wendete, er kam an das Halfter – logischerweise – nicht heran. Schließlich schüttelte er den Kopf und machte einen kleinen Satz, als das Halfter leise klirrte. Etwas misstrauisch beugte er schließlich das komische Ding an seinem Kopf, dann fand er sich damit ab und kam wieder näher zu mir, um meine Haare zu untersuchen.
„Feiner Kerl!“, lobte ich ihn und strich ihm sanft über den Hals. Das Halfter aktzeptierte er schon mal. Also zog ich es ihm wieder aus, um es direkt nochmal anzulegen. Er versuchte seinen Kopf wegzuziehen und ins Halfter zu beißen, aber ich sagte einmal deutlich:
„Nein!“, und das brachte ihn dazu, erstaunt inne zu halten, sodass ich ihm das Halfter wieder anziehen konnte. Erneut lobte ich ihn mit der Stimme und mit Streicheleinheiten, bevor ich den Vorgang wiederholte, bis er sich das Halfter schließlich geduldig an und wieder ausziehen ließ.
„Du bist ja ein Braver“, lobte ich ihn und wuschelte durch seine noch sehr kurze Mähne.
„Und dich soll ich vier Wochen alleine lassen?“, murmelte ich vor mich hin, eher an mich selbst gerichtet.
Der kleine Soul schnaubte laut und rieb dann seinen winzigen Kopf vorsichtig an meiner Schulter.
Er war so entzückend, so hinreißend!
Ich war jetzt schon total in ihn verliebt, und konnte mir nicht vorstellen, ganze vier Wochen ohne ihn zu sein! Und dennoch überlegte ich, ob ich nicht vielleicht doch... Schließlich war es nun mal eine einmalige Chance.
Wieder einmal schob ich den Gedanken beiseite und konzentrierte mich stattdessen auf Soul.
Ich kuschelte noch eine halbe Ewigkeit mit ihm, bevor ich seufzend die Boxentür schloss und mich auf den Weg nach draußen machte.
Gefangen in meiner kleinen Welt, in der nur Soul und ich in dem ruhigen Stall existierten, hatte ich überhaupt nicht gemerkt, wie die Zeit verflog. Es war schon Nachmittag, wie ich mit einem Blick auf die Uhr feststellte. Der aufkommende Sturm und die dunklen Wolken waren mittlerweile über uns hinweggezogen und der Himmel war wieder heller, als ich den Stall verließ. Draußen lief ich Andrea über den Weg, die mir nur kurz zuwinkte, da sie Callando (Souls Vater) gerade über den Hof führte. Ich winkte zurück und ging zur Bushaltestelle.

Als ich wieder zurück in Hofling war, war es schon ganz schön spät. Nach kurzem Überlegen, entschied ich, dass ich noch schnell Magic reiten wollte, bevor ich nach Hause ging und den Abend gemütlich verbrachte. Vielleicht würde auch Robby noch mal bei mir vorbeikommen...
Auf dem Hof herrschte wieder mal reger Betrieb; ich sah Fiona, wie sie Caprice umherführte und Julia auf einem ihrer Pferde Richtung Halle reiten. Die Neue, Jessica hieß sie, war gerade gerstern wieder aus einem Urlaub zurück gekehrt und ging mit ihrem Freund zusammen Richtung Reiterstübchen. Da führte mich mein erster Weg ebenfalls hin, denn ich hatte riesigen Hunger! Seit dem Frühstück hatte ich schließlich nichts mehr gegessen...
Also schlüpfte ich kurz nach den Beiden in den Raum.
„Hallo!“, begrüßte ich sie freundlich.
„Hey!“, antworteten sie.
„Du bist Lisa, stimmts?“, fragte Jessica mich dann.
„Jep“, nickte ich.
„Okay, Flavio, dass ist Lisa, auch eine Einstellerin hier, und Lisa, das ist mein Freund Flavio“, stellte sie uns vor.
Wir plauderten noch eine Weile über unsere Pferde und Jessica – die mich schließlich bat sie Jessi zu nennen – erzählte vom Urlaub in Seattle und wie es war, mit ihrem Pferd zu fliegen. Das hatte ich noch nie gemacht, aber ich war generell noch nicht oft im Ausland gewesen.. Zum Beispiel Italien, da war ich noch nie, und jetzt diese Chance...
Ständig spuckten mir diese Gedanken durch den Kopf! Ich erzählte Jessi davon, und fragte sie, was sie tun würde.
„Naja...“, sagte sie zögernd, „ich verstehe schon dass dir diese Entscheidung sehr schwer fällt. Ich würde auch nicht gerne direkt von einem Pferd, dass ich gerade erst gekauft habe, weggehen... Vorallem für so lange Zeit. Das ist ja nicht nur ein kurzer Urlaub... Aber andererseits musst du mal so überlegen; Er braucht dich momentan noch nicht so sehr wie später, wenn er nicht mehr bei seiner Mutter ist. Wenn du also weg willst, wäre es jetzt besser als später, oder?“
Damit gab sie meinen Gedanken eine ganz neue Richtung.
„Stimmt. Das ist ein guter Gedanke!“, erwiderte ich dankbar, da ich jetzt noch einen neuen Aspekt in meiner Entscheidung hatte.
„Aber was auch immer du tun wirst, die nächsten Wochen werden bestimmt großartig; ich meine, wenn man entweder nach Italien fliegt oder ein supersüßes Fohlen betüddeln kann, kann es ja nur gut werden!“, meinte Jessi schließlich lächelnd.

Während unserer Unterhaltung hatte ich mir einen Snack aus dem Kühlschrank gegönnt, der mich ein wenig vertröstet hatte. Zuhause würde ich mir was kochen, aber erst mal ging es los zu Magic!
Sie begrüßte mich, indem sie mein Oberteil vollsabberte und sich sanft an mir rieb.
„Na meine Gute“, sagte ich und streichelte ihren Hals.
Wenig später saß ich auf ihr und genoß das Schaukeln ihrer Schritte unter mir. Sie war so ein Verlasspferd, ich hätte die Augen einfach schließen können und Stundenlang reiten, ohne das sie irgendwelche Dummheiten anstellen würde.
Julia hatte war gerade fertig mit reiten, und wir ritten im Schritt eine Weile nebeneinander her und plauderten. Ich erzählte ihr von Soul und wie großartig er war, und meinte, dass sie schon sehr gespannt auf ihn wäre.
„Wie lange dauert es denn noch, bis du ihn herholen kannst?“, fragte sie dann neugierig.
„Leider noch ein paar Monate, er ist auch erst eine gute Woche alt“, gab ich ihr Auskunft.
Wir unterhielten uns noch eine Weile über Fohlen und Aufzucht, dann verließ Julia die Halle und ich nahm die Zügel auf um Magic anzutraben.

Als ich gerade mit der Arbeit fertig war und Magic am langen Zügel trocken ritt, klingelte mein Handy. Da ich in Gedanken versunken war erschreckte ich mich tierisch und nahm reflexartig die Zügel auf.
„Oh, entschuldige Magic!“, sagte ich zu der Stute, der ich bei der Aktion ein wenig im Maul gerissen hatte. Dann beeilte ich mich mein Handy aus der engen Reithosentasche zu kramen.
„Hallo?“, ging ich schließlich dran.
„Na du Nudel, lebst du noch?!“, tönte Tanjas immer gut gelaunte Stimme aus dem Handy.
„Ja.. tut mir Leid“, entschuldigte ich mich sofort. Ich hatte lange nichts mehr von mir hören lassen.
„Kein Ding, ich hätte ja auch anrufen können“, wiegelte Tanja ab und redete sofort weiter. Sie erzählte mir von Ben, dem sexy Surver, dem wir damals im Wald begegnet waren. Sie waren immer noch zusammen und es lief prächtig.
„Aber, weshalb ich eigentlich anrufe..“, plauderte sie munter weiter – woher sie immer diese Energie hatte würde ich gerne mal wissen!
„Ich sitze gerade im Auto auf dem Weg zu dir, ich dachte mir, du müsstest mal wieder unter die Leute. Wir gehen heute abend feiern, wie ich dich kenne hast du das seit dem letzten Mal, als ich da war, nicht mehr getan, stimmts?“
Ich war kurz sprachlos. Tanja war immer sowas von spontan! Aber sie hatte recht, ich war lange nicht mehr weg gewesen. Das hatte mir aber auch überhaupt nicht gefehlt.
„Äh, okay.... wann bist du denn da?“, fragte ich zögerlich.
„In zehn Minuten!“, kam die fröhliche Antwort.
„Was?! Und da rufst du erst jetzt an?!“, fragte ich fassungslos. Sie kam aber auch immer auf Ideen! Wie sollte ich denn in zehn Minuten fertig sein? So lange brauchte ich ja noch, nur um Magic fertig trocken zu reiten!
„Ja, tut mir Leid, ich hab eben noch mit Ben telefoniert während der Fahrt, und darüber die Zeit vergessen...“
„Und wen nennst du hier Nudel?“, gab ich schlagfertig zur Antwort.
Tanja lachte laut, dann fragte sie:
„Bist du nicht bei dir zuhause, oder wie?“
„Nö, ich sitze noch auf dem Pferd.“
„Na, macht ja nix, dann komm ich eben dahin. Wo war das noch gleich?“ Tanja konnte man auch wirklich nicht aus der Ruhe bringen. Egal was kam, sie nahm es wie es war und blieb immer fröhlich. Erst jetzt merkte ich, dass ich sie ganz schön vermisst hatte.
Ich erklärte ihr, wie sie zu den Tsubasa Stables kam und wir verabschiedeten uns.
Kurze Zeit später wurde „Tür frei!“ gerufen und Tanja erschien mit Fiona zusammen.
„So, da ist sie!“, sagte diese und verabschiedete sich von uns.
„Danke!“, rief Tanja ihr hinterher und drehte sich dann zu mir um.
„Hallo!“, sagte sie fröhlich grinsend.
„Nette Leute sind das hier“, ergänzte Tanja dann noch augenzwinkernd. Ich verdrehte die Augen, konnte mir das Grinsen aber auch nicht verkneifen. Mit ihrer fröhlichen Art steckte sie aber auch immer alle an!

Wenig später führte ich Magic in ihre Box und gab ihr einen Kuss auf die Nase.
„Du bist doch die Beste“, sagte ich zu ihr, dann schloss ich die Boxentür und folgte Tanja zu ihrem Auto.
„Du hast noch immer kein eigenes, oder?“, fragte sie mich während der Fahrt.
„Nö, ich habe aber überlegt, mir demnächst eins zu kaufen“, erklärte ich ihr.
Schnell waren wir bei mir angekommen und los ging es mit schick machen. Ich musste natürlich erst mal duschen, und als ich aus dem Bad kam, überraschte Tanja mich mit einem wunderschönen Kleid.
„Da du warscheinlich auch nicht mehr shoppen warst seit unserem letzten Besuch“, sie schaute mich fragend an und ich schüttelte verlegen grinsend den Kopf, „dachte ichs mir doch.. Naja, für diesen Fall habe ich dir ein Kleid von mir mitgebracht. Du kannst ja schlecht immer dasselbe anziehen“, erklärte sie mir.
Ich ergab mich meinem Schicksal und plaudernd machten wir uns fertig. Währenddessen rief ich Robby an, und fragte ihn, ob er nicht auch kommen wollte.
„Sorry Süße, ich hab morgen ein wichtiges Turnier und muss früh ins Bett. Aber amüsiert euch gut und grüß Tanja von mir!“

„Schade, ich hätte Mr. Perfect gerne mal kennen gelernt!“, bedauerte Tanja, als ich ihr erklärte, warum Robby nicht kommen könnte.
Ich erzählte ihr von allem, was in der Zwischenzeit geschehen war – naja, fast allem... die merkwürdigen „Sachen“ ließ ich weg, also mein Schlafwandeln und der Traum zum Beispiel – und vorallem erklärte ich ihr im Detail wie perfekt Soulkeeper war.
„Aber den wirst du mir noch vorstellen, oder?“, fragte sie.
„Klar, wenn du über Nacht bleibst kann ich ihn dir Morgen zeigen!“
„Alles klar“, sagte sie lachend und wir zogen uns unsere Schuhe an, dann waren wir auch schon fertig. Ich trug Tanja's dunkelblaues Kleid mit tiefem Ausschnitt und engem Schnitt und fand mich gar nicht mal so schlecht.

Doch das änderte sich schon sehr bald, wie ich feststellen musste...
Der Abend fing wunderbar an, wir gingen in die Disco und tranken ein paar Margharitas, bevor wir auf die Tanzfläche gingen. Ausgelassen bewegten wir uns im beat der Musik, bis mir schwindelig war. Das lag teilweise am Alkohol, und teilweise an der lauten Musik, die in Verbindung mit Tanzen eine sehr berauschende Wirkung hatte.
„Ich muss mal an die frische Luft!“, schrie ich über den Beat hinweg in Tanjas Ohr. Sie nickte und zeigte auf zwei andere Mädels, die wir im Laufe des Abends kennen gelernt hatten. Damit bedeutete sie mir, dass sie hierbleiben und auf mich warten würde, während sie mit den Mädels weiter tanzte. Sie hatte wesentlich mehr Ausdauer als ich. Früher machte ich auch nicht so schnell schlapp, aber seit ich umgezogen war hatte sich mein Leben ganz schön verändert. Ich ging gar nicht mehr feiern, außer mit Tanja, und das machte sich jetzt bemerkbar.
Draußen war eine wunderschöne, laue Spätsommernacht. Die frische, kühle Nachtluft tat unglaublich gut und ich ging ein paar Schritt die Straße entlang.
Ich kam gerade um die Ecke des Clubs, als ich eine laute, aggressive Stimme hörte.
Wie angewurzelt blieb ich stehen und presste mich an die Wand in den Schatten. Nicht weit von mir waren zwei Männer, die sich offensichtlich über irgendetwas stritten.
Der eine schubste den anderen gegen die Wand, und sagte irgendetwas, was ich aber nicht verstand, so laut rauschte das Blut in meinen Ohren. Die Szene war so gewaltgeladen, dass ich richtig Angst bekam, obwohl Hofling eigentlich ein sehr sicheres Dorf ist. Aber von München her kannte ich es noch ganz anders. Da hatte ich auch immer mein Pfefferspray dabei, dass jetzt in meiner Nachtschublade lag... Langsam bewegte ich mich wieder zur Ecke, um mich unauffällig zu verdrücken.
Doch plötzlich holte der, der zuvor den anderen schon geschubst hatte, weit aus und schlug den andern voll ins Gesicht. Ich zuckte zusammen und konnte gerade so einen Schrei zurückhalten.
Ich versteinerte und schaute mit weit aufgerissenen Augen zu, wie der Mann, der geschlagen wurde, langsam an der Wand nach unten sank und liegen blieb. Oh mein Gott!
Darüber hinaus hatte ich aber zu spät gemerkt, dass der Schläger nun in meine Richtung kam! Er hatte mich schon gesehen, als ich es bemerkte.
„Hey, du da!“, sprach er mich an, immer noch einen sehr wütenden Unterton in der Stimme.
Er baute sich vor mir auf, und da erkannte ich ihn. Igor. Mein personifizierter Alptraum.
Wütend funkelte er mich aus eisblauen Augen an und stellte sich ganz dicht vor mich, sodass ich seinen alkoholiserten Atem auf meinem Gesicht und die Anspannung seiner Muskeln spüren konnte. Mir stockte der Atem. Sein Blick war richtig sauer, und er kniff die Augen zusammen.
„Was machst du denn schon wieder hier, du verwöhntes kleines Biest?“, herrschte er mich laut an und ich zuckte zusammen. Aber noch weiter zurück weichen konnte ich nicht, ich hatte mich schon so dicht es ging an die eiskalte Wand gepresst. Mein Herz raste; ich wusste nicht, wie weit er gehen würde, so betrunken wie er augenscheinlich war. Es war noch dazu sehr dunkel hier im Schatten des Clubs, und mich würde niemand hören, da die Musik laut aus der halb offenen Tür drang.
Als ich nicht antwortete schlug er zornig mit der Faust gegen die Wand neben meinem Kopf und ich zuckte noch mehr zusammen.
„Bist wohl zu fein, um mit mir minderwertigen Ausländer zu sprechen, was?!“
Ich schüttelte den Kopf. So hatte ich nie über ihn gedacht! Aber das traute ich mich nicht, ihm zu sagen, er würde es mir eh nicht glauben, würde mir sowieso nicht zuhören, vorallem nicht in diesem Zustand, in dem er sich momentan befand. Wahrscheinlich selbst dann nicht, wenn er nicht betrunken war, dachte ich resignierend. Er hatte ja schon immer etwas gegen mich gehabt, weil er dachte, nur weil meine Eltern Geld hatten, würde ich mich verwöhnen lassen und mich für was besseres halten. Um das Gegenteil zu beweisen, war ich ja extra weggezogen!
Doch Igor würde seine Meinung zu mir nie ändern, und jetzt stand er keinen Zentimeter entfernt vor mir, betrunken und wütend, von der Auseinandersetzung die er zuvor hatte.
Da ich immer noch keinen Mucks von mir gab packte er mich grob am Kinn und hob mein Gesicht, sodass ich ihm in die Augen schauen musste. Er hielt mich so fest, dass mir die Tränen in die Augen traten.
Hämisch grinste er, als er das bemerkte und sagte verachtlich:
„Jetzt sind deine tollen Eltern nicht da, um dir mit ihrem Geld zu helfen, he?“

„Lisa?!“, rief da eine wohlbekannte Stimme nach mir. Tanja! Sie war scheinbar zur Tür des Clubs gegangen, um nach mir zu schauen, da ich so lange weg blieb.
„Wag dich auch nur ein Wort der Polizei zu sagen!“, zischte Igor direkt in mein Ohr, dann drückte er nochmal fester zu und ließ mich dann so plötzlich los, dass mein Kopf mit voller Wucht gegen die Wand knallte.
Ich hatte ganz kurz Sterne vor den Augen, und dann war Igor auch schon weg, irgendwo in den Schatten der Nacht verschwunden.

Nach dem Vorfall hatte Tanja mich sofort nach Hause begleitet. Ich hatte ihr kein Wort von meiner Begegnung mit Igor erzählt, sondern hatte ihr stattdessen gesagt, dass ich plötzlich riesige Kopfschmerzen bekommen hätte und nur noch ins Bett wollte. Das stimmte ja auch. Die Beule, die sich schon langsam an meinem Hinterkopf bildete, verschwieg ich aber.
Umso weniger ich von diesem schrecklichen Vorfall sprechen würde, umso schneller würde ich ihn vergessen, hoffte ich. Das Einzige, was mir noch Sorgen machte, war der arme Mann, den Igor scheinbar ohnmächtig geschlagen hatte.
Aber diese Sorgen lösten sich auch bald auf, als Tanja mir eine SMS von den beiden Mädels zeigte, die noch im Club geblieben waren

„Hallo ihr zwei! Schade das ihr schon weg seid, ihr verpasst gerade ein riesen Drama! Direkt neben dem Club wurde jemand zusammengeschlagen, hier ist gerade ein Krankenwagen gekommen!“, schrieben sie.

Erleichtert dachte ich, dass der Mann jetzt wenigstens ordentlich versorgt werden würde. Warum nur machte Igor so etwas? Klar, er war immer schon leicht reizbar gewesen und vorallem zu mir nicht besonder nett. Aber so etwas hätte ich ihm nie zugetraut. Was der Alkohol alles bewirken konnte...
Ein Gedanke beschäftigte mich noch vorm Einschlafen: Igor war scheinbar immer noch in Hofling. Seitdem ich ihn im Krankenhaus gesehen hatte, war ich ihm gar nicht mehr begegnet und hatte gehofft, er würde wieder in München sein und nie wieder kommen. Der heutige Abend hatte mich aber eines besseren belehrt...


Am nächsten Morgen hatte ich immer noch leichte Kopfschmerzen, die aber nach einer Tablette Aspirin zum Glück verschwanden. Tanja war noch am Schlafen, so machte ich für uns beide Frühstück. Allerdings musste ich feststellen, dass ich ihr kaum was anbieten konnte, daher schrieb ich ihr schnell einen Zettel, dass ich kurz einkaufen war und zog mir rasch etwas über, bevor ich das Haus verließ.
Ich brauchte nicht lange und war schon bald mit frischen Brötchen und Orangensaft wieder zurück. Ich machte mir sogar die Mühe, Eier und Kaffee zu kochen, bevor ich Tanja weckte.
Nach dem ausgiebigen Frühstück fuhren wir mit ihrem Auto zum Gestüt, und ich stellte ihr Soul vor, der sich mit seiner Mutter auf der Koppel befand.
Als er mich erblickte, wieherte er freudig und kam mit wunderbar schwebenden Tritten zum Zaun getrabt.
„Oh, ist der goldig!“, schwärmte Tanja und streichelte ihn hingebungsvoll.
Soul beäugte sie etwas misstrauisch, aber ich beruhigte ihn und so ließ er sich Tanjas Streicheleinheiten geduldig gefallen.
Schließlich übte ich noch ein bisschen mit ihm Halfter anziehen, aber das störte ihn kein bisschen mehr.
„Tanja, wo du schon mal hier bist, hast du vielleicht Lust mir ein bisschen mit Soul zu helfen?“
„Klar, wie denn?“, fragte sie neugierig.
„Ich habe noch nie probiert, ihn am Strick zu führen, und das ist immer besser wenn man zu zweit ist. Dann kann der eine von hinten ein wenig schieben, wenn Soul nicht losgeht.“
„Aber er tritt mich noch nicht, oder?“, fragte sie ein wenig ängstlich.
„Naja, ich weiß es selbst nicht, aber wir machen dass dann wohl besser so, dass du ihn führst und ich schiebe“, schlug ich vor.
Also nahm Tanja Soul am Strick und ich stellte mich neben seine Kruppe.
„So, geh jetzt langsam los und zieh kurz am Srick, lass ihn dann aber wieder locker!“, wies ich sie an. Soul blieb erst mal stehen und machte den Hals lang, zeigte aber keine Anstalten, mit Tanja mitzugehen. Sie zupfte nochmal sachte am Strick, doch Soul wusste nicht, was sie von ihm wollte. Also schob ich sanft von hinten, indem ich meinen Arm um sein Hinterteil legte.
„Komm!“, forderte ich ihn auf und schnalzte. Er ging ein paar Schritte nach vorne und ich lobte ihn überschwänglich.
Wir wiederholten das Ganze so lange, bis er Tanja und auch mir ohne zu zögern folgte. Er hatte wirklich sehr schnell begriffen!
Für den Tag war es genug für ihn, und so schmusten wir noch ein wenig mit dem Kleinen, bevor wir uns verabschiedeten und wieder zu mir nach Hause fuhren.

Tanja fuhr dann auch bald wieder zurück nach München, und der Rest des Tages verlief relativ ereignislos. Ich ritt Magic und Dandy, und später rief Robby an, um mir zu berichten, dass er seine Prüfung gewonnen hatte. Ich gratulierte ihm und er versprach, am Abend nochmal vorbei zu kommen.
Ich hatte keine Kopfschmerzen mehr, aber immer noch eine Beule, und musste immer wieder an den vorigen Abend denken. Schaudernd überlegte ich, was Igor wohl gemacht hätte, wenn Tanja nicht aus dem Club gekommen wäre... Wenn er sich in Rage geredet hätte...
Ich schüttelte den Kopf und versuchte die Gedanken zu vertreiben.
Da ich noch Zeit hatte, bis Robby kommen würde, ging ich nach draußen, um ein wenig spazieren zu gehen. Ich war gerade hinter dem Haus, als eine mir leider sehr vertraute Gestalt um die Ecke kam. Igor! Warum musste ich ihn ausgerechnet jetzt wieder sehen? Das vom Tag zuvor hatte mir für die nächsten Jahre eindeutig gereicht!
Ich machte rasch kehrt, um ihm aus dem Weg zu gehen. Mit hochgezogenen Schultern schlug ich den Weg ein, der wieder zur Haustür führte. Ich konnte auch wann anders noch spazieren gehen, dachte ich mir.
Ich fuhr mächtig zusammen, als sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter senkte und mich feste packte, sodass es wehtat.
„Au!“schrie ich reflexartig, und teilweise auch vor Schreck, auf.
Als ich mich umdrehte stand Igor vor mir und schaute mich bitterböse an.
„Noch mal für dumme kleine verwöhnte Gören: WAS MACHST DU HIER?“, sagte er mit vor Hass triefender Stimme und betonte jedes einzelne Wort der Frage.
Ich schluckte. Aber diesmal war er nicht alkoholisiert, dass merkte ich. Wenigstens etwas, dachte ich mir.
„Ähm, ich wohne hier“, antwortete ich ihm leise.
„Was?“, bläffte er mich an.
Ich schluckte wieder und nahm meinen Mut zusammen, um dasselbe nochmal lauter zu wiederholen.
„Ich wohne hier.“
„Nein, du wohnst in München bei Mammi und Papi“, fuhr er mich an, wobei er die letzen Wörter verächtlich betonte.
Ich schüttelte den Kopf.
„Ich bin umgezogen. Aber ich wüsste nicht, was das dich angeht. Ich könnte dich dasselbe fragen“, erwiderte ich, mutiger geworden. Schließlich war es hell und er war nicht betrunken. Ich brauchte ja wohl keine Angst zu haben!
Er antwortete nicht, sondern schaute nur noch böser.
„Und außerdem, du hast den Typ gestern krankenhausreif geschlagen!“, fuhr ich jetzt, mutiger geworden, fort.
„Was geht dich das an?!“, bläffte er mich an und trat einen Schritt auf mich zu, sodass ich zurückzuckte.
„Halt dich von mir fern, verstanden?!“, wies er mich an, dann drehte er sich um und ging weg.
Ich atmete auf, erleichtert, es überstanden zu haben. Scheinbar würde Igor noch länger in Hofling bleiben, jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass es so wäre...
Und plötzlich kam mir Italien mit dem immer netten Robby doch sehr sehr verlockend vor...

Am Abend teilte ich Robby mit, dass ich ihn begleiten würde.
„Echt? Das ist super!“, freute er sich, nahm mich fest in den Arm und wirbelte mich fröhlich herum.
„Das wird ganz toll, ich verspreche es dir!“, sagte er dann und küsste mich leidenschaftlich...

Die nächste Woche verging wie im Flug. Am Samstag war Abreise, und der Tag, andem ich zugesagt hatte, war schon Sonntag gewesen.
Ich ging jeden Tag zu Soul und übte mit ihm. Am Ende der Woche konnte er nahezu perfekt Hufe geben und folgte mir am Strick auf Schritt und Tritt. Ich ging sogar schon für ein paar Minuten von seiner Mutter weg, aber da er noch so jung war, weitete ich diese Ausflüge nie besonders aus.
„Ich werde dich so vermissen, mein Kleiner!“, sagte ich ihm am Freitagabend. Er schnaubte und stubste mich an. Natürlich konnte er nicht verstehen, dass wir uns für vier lange Wochen nicht sehen würden!
Ich begegnete während der ganzen Woche Igor kein einziges Mal mehr, und das war auch gut so.
Viel zu schnell war der Samstagmorgen gekommen, und mit ihm der Tag der Abreise...

#2 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lucy 09.01.2014 19:47

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Was noch ein Bericht? Uhi da habe ich ja was zu tun... XD

#3 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lisa 09.01.2014 19:49

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ja :D
ich will endlich mal soweit kommen, wie ich in meinem kopf schon längst bin^^
den Italienurlaub wollte ich schon machen, als ich im juni(?) letzte jahres selbst in Italien war^^

und dieser bericht ist von der länge her bestimmt nach deinem geschmack^^
sind acht seiten ;)

#4 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Jessica 09.01.2014 21:17

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Ich mag diesen Bericht :D und diese Sprache: "...schlug den andern VOLL ins Gesicht." :D ich liebe es (: <3

Und ja, ich gebe immer so kluge Sachen von mir :D ^^ Danke, dass ich drin bin (: Und die Neue? Etwas bin ich ja schon hier ^^

#5 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lisa 09.01.2014 22:37

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naja, meine berichte sind etwas "zurückgeblieben", wie bei lucy auch^^
Soul ist ja im sommer geboren, bei mir ist er jetzt öhm... zwei Wochen alt glaub ich :D
also immer noch spätsommer^^
& ich hab dich nie vorher erwähnt, deshalb hab ichs mal so geschrieben :P

& danke :*

#6 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lisa 10.01.2014 23:39

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Ach & Schicksal ist das eine mit den dunklen Schatten drin, ist mir gerade aufgefallen^^
war aber nicht Absicht :D

#7 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lucy 11.01.2014 23:41

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Genauso spannend wie der letzte! Bewertung folgt.

#8 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lisa 11.01.2014 23:47

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danke :)

#9 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lucy 04.02.2014 21:25

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Ausführlichkeit: 33/50
Personen 20/30 (zu faul alle aufzuzählen... )
Schicksal des aktuellen Monats: 10/20
Aufgabe des aktuellen Monats: -/10
Handlung: 41/50
Gesamt: 94 Punkte

#10 RE: 15. Discobesuch, Fohlen-ABC und Italienurlaub von Lisa 08.02.2014 11:47

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danke :)

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