#1 18. Bericht: Italien, Part 2 - und schwierig geht es weiter! von Lisa 15.03.2014 11:53

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„Tanja, ich will nach Hause!“, heulte ich in mein Handy.
„Was, wieso? Ist es so schrecklich in Italien?“, fragte sie besorgt.
„Ja, ich halte es nicht mehr aus“, jammerte ich mit verheulter Stimme.
„Warum das? Was ist denn so schlimm?“
„Alles.“ Ich badete in Selbstmitleid.
„Ist das Wetter etwa nicht wunderbar?“
„Doch“, gab ich zu.
„Und die Umgebung? Ist es nicht so schön da, wo du bist?“
„Doch.“
„Hast du Stress mit Robby?“
„Nein.“
„Bist du vom Pferd gefallen?“
„Nö.“
„Macht es keinen Spaß, die Pferde zu reiten?“
„Doch.“
„Hmh... Zu heiß und kein Wasser in der Nähe zum abkühlen?“
„Doch, wir haben einen Pool mit Aussicht auf die umliegenden Berge und auf die Weiden“, erklärte ich resigniert. Ich wusste schon worauf dieses Verhör hinauslaufen würde.
„Na also, dann ist doch alles super. So schlimm kann es also nicht sein!“, fand Tanja.
„Doch.“, beharrte ich auf meiner Meinung.
„Na, dann erzähl doch endlich!“, langsam wurde Tanja ungeduldig.
„Naja, der Tag heute war noch schlimmer als gestern... Ich hab dir ja schon von den Punkten und allem erzählt, und heute morgen musste ich ja misten. Ich war so müde, das alles ist hier so anstrengend und dann musste ich noch so früh aufstehen, aber das misten ging noch, da nicht so viele Pferde da sind. Danach das Joggen hingegen war die reinste Tortur! Es viel mir noch schwerer als gestern, mit den Jungs mitzuhalten. Beim Frühstück dann hab ich kaum was gegessen, weil ich so müde war, dass ich fast mit dem Kopf im Teller eingeschlafen wäre. Und dann kam die Reitstunde... Der Maestro hat mich ständig angeschrieen, warum ich mich denn so blöd anstellen würde und ob ich es nie lernen würde und.. und..“, jetzt heulte ich schon wieder, als ich an die schreckliche Reitstunde dachte.
„Und?“, ermutigte mich Tanja.
„Und dann hat er mir die Bügel abgenommen und mich eine halbe Stunde am Stück traben lassen, auf Crescendo, der enorme Gänge hat! Ich bin irgendwann fast runtergefallen, weil meine Muskeln nicht mehr konnten, und im Trab hat Crescendo so einen krassen Schwung! Das war so anstrengend und meine Muskeln haben so gebrannt die ganze Zeit, aber ich durfte nicht aufhören. Also hab ich die Zähne zusammengebissen und mich durchgekämpft. Und was hab ich dafür bekommen? Ein, „nächstes Mal muss es besser sein!“, das ist doch unglaublich, da gibt man sich die größte Mühe, aber es ist immer noch nicht gut! Und danach waren meine Arme so taub, ich dachte schon, sie würden mir abfallen, aber ich musste Crescendo ja noch „polieren“. Was ich auch getan habe, sehr sehr gründlich sogar. Aber scheinbar nicht gründlich genug, der Maestro hatte wieder etwas auszusetzen! Diesmal war ihm die Trense nicht sauber genug, und ich hab so wenige Punkte bekommen, dass ich morgen wieder misten muss, und diesmal nicht nur den einen, sonder zwei Ställe! Das ist so mega unfair, ich will echt nicht mehr. Egal was ich mache, immer ist es falsch, oder nicht gut genug. Sogar Francesco versteht nicht, warum der Maestro so streng ist. Irgendwie kann er mich überhaupt nicht leiden, und ich verstehe nicht, warum. Ich bemühe mich doch immer, wirklich!“
Dicke Tränen quollen aus meinen Augen und rollten über meine schmutzigen Wangen.
„Ach, Süße... Lass den Kopf nicht hängen, das wird schon noch werden. Einfach nicht aufgeben! Du willst ja wohl dem Maestro nicht klein beigeben, oder? Dem zeigst dus schon, dass sein Gehabe bei dir nichts bring, und du dich nicht aus der Ruhe bringen lässt, von so einem alten Sack!“, versuchte Tanja mich aufzumuntern und mich anzutreiben.
Bei den letzten zwei Wörtern musste ich sogar wieder unter Tränen lächeln. Den Maestro als alten Sack bezeichenen, auf so eine Idee konnte auch nur Tanja kommen!
Sie bearbeitete mich so lange, bis sich der Gedanke, dem Maestro zu zeigen, dass ich nicht aufgeben würde, in meinem Kopf festgesetzt hatte. Und wie! Ich würde nicht mehr schlapp machen, ich würde mich von dem nicht unterkriegen lassen! Und heulen würde ich auch nicht mehr. Nein, ich würde weitermachen, bis ich umfallen würde. Entschlossen wischte ich mir die Tränen ab.
„Danke Tanja, du bist die Beste!“
„Dafür bin ich da. Und jetzt geh duschen und ins Bett, morgen wird ein harter Tag. Aber das schaffst du!“

Als ich aus der Dusche kam, mit neuem Mut und Energie, saß Robby auf meinem Bett. Er hatte vom Duschen noch ganz feuchte, strubbelige Haare und nur eine kurze Hose an, sein Oberkörper war nackt. Ich selbst hatte nur ein Handtuch umgebunden, und war sofort wie elektriziert von seiner bloßen Anwesenheit.
Robby blickte auf, und der Blick aus seinen braunen Augen traf mich wie ein Stromschlag.
Er streckte die Hand nach mir aus, und ich nahm sie, sodass er mich an sich ziehen konnte.
In dieser Nacht blieb er bei mir...

Am nächsten Morgen war ich total müde, aber das Gespräch mit Tanja, und auch Robbys Unterstützung, hatten mir Kraft gegeben. Mit neuer Entschlossenheit begann ich den Tag.
Als ich gerade die zweite Box im ersten Stall gemistet hatte, kam einer der Stallburschen um die Ecke.
„Hey, ich bin Tom“, sagte er in gebrochenem Deutsch, mit süßem amerikanischen Akzent. Er hatte blonde, ganz kurz rasierte Haare und graublaue Augen, mit denen er mich aufgeschlossen anschaute.
„Lisa“, stellte ich mich vor und streckte ihm die Hand hin. Er nahm sie grinsend, und sein Händedruck war warm und fest. Sein Grinsen war so ansteckend, dass sich meine Mundwinkel sofort nach oben zogen und sich meine Laune mit ihnen zu heben schien.
„Ich will helfen dir“, erklärte Tom, verschwand in der Box nebenan und fing an zu misten.
Erstaunt blickte ich ihn einen Moment lang an, dann setzte ich mich wieder in Bewegung und fing mit der nächsten Box an.
„Hey, Lisa?“ Tom lehnte an den Gittern nebenan und schaute zu mir rein.
„Ja?“, fragte ich und schaute gespannt auf. Er legte den Zeigefinger auf die Lippen.
„Psst“, machte er, „nix sagen dem Maestro!“
Ich nickte und lächelte ihn dankbar an. Zu zweit ging die Arbeit wie automatisch und Tom war ein lustiger Kerl. Er erzählte mir so einige Geschichten, über den Maestro und die Reiter, die hier sonst noch so waren. Tom nahm alles locker und mit Humor, er schien schlechte Laune nicht zu kennen. Der würde auch gut zu Tanja passen, dachte ich mir. Tom und Tanja, das passt doch. Ich musste bei dem Gedanken lächeln.
„Why tust du lachen?“, fragte Tom in dem Moment.
„Ach, ich hab nur gerade an meine beste Freundin gedacht, ihr würdet euch bestimmt gut verstehen“, erklärte ich ihm.
„Ich verstehe. Aber wir verstehen auch gut miteinander, stimmts?“, fragte er zwinkernd, und ich musste wieder lachen, über seine lockere, unvoreingenommene Art.

Durch den schönen Start in den Tag beflügelt, gab ich mein Bestes beim Joggen – und hechelte doch nur wieder hinterher. Ich war total platt, zwang mich aber diesmal mehr zu Essen, denn meine Erfahrung sagte mir, dass ich die Energie beim Reiten noch gut gebrauchen würde.
Und ich hatte Recht damit. Diesmal ließ der Maestro mich ohne Bügel Reihen springen. Eine nach der anderen. Nach der Stunde war ich wieder kurz davor, loszuheulen, aber ich dachte an Tanja und riss mich zusammen. Robby kam zu mir und tröstete mich, dann gab er mir einen aufmunternden Kuss und machte sich wieder daran, sein Pferd zu versorgen.
Penibel achtete ich auf jede Kleinigkeit, machte alles perfekt sauber.
Nicht perfekt genug. Ich bekam wieder Punktabzug, aber diesmal ließ ich mich nicht unterkriegen. Ich würde einfach versuchen, alles noch besser zu machen, aber den Kopf wollte ich nicht mehr hängen lassen.
So vergingen die Tage. Jeder Tag bot eine andere Herausforderung für mich. Ich schleppte mich förmlich durch das morgendliche Joggen, beim Misten bekam ich Hilfe von Tom, Frühstück schaufelte ich in mich hinein und die Reitstunden – naja, die ließ ich über mich ergehen, biss die Zähne zusammen und gab mein Bestes, welches nie ausreichte, nie ausreichen würde. Ich fühlte mich schon erschlagen und erschöpft, wenn ich morgens aufstand, verlor meine gute Laune, viel Gewicht und meine Energie, aber eines konnte der Maestro mir nicht nehmen; meinen Stolz. Ich würde durchhalten!
Aber es gab auch Dinge, dir mir Kraft gaben und mich unterstützten. Da war natürlich Robby, der mir immer beistand; obwohl er auch sehr erschöpft und an seinen Grenzen war, außerdem munterten Tom und Francesco mich immer wieder auf. Und zu guter Letzt fand ich in Crescendo einen tollen Lehrer, der sehr geduldig mit mir war und mir jeden Fehler verzieh. Seine unerschütterliche Ruhe und Stärke gab mir Halt während den Reistunden, die mir oft Tränen in die Augen trieben. Ich fühlte mich schlecht, unfähig und gedemütigt.
Aber es sollte noch schlimmer kommen...

Eines Morgens kamen die Anderen zurück. Ich war – wie schon zur Gewohnheit geworden – beim Misten, als drei große Transporter auf den Hof rollten. Neugierig hielt ich in der Arbeit inne, und verfolgte das Geschehen auf dem Hof. Die Transporter boten alle Platz für mehrere Pferde, ich schätzte mindestens 6, und waren einheitlich sandgelb lackiert. „Monte Cassino“ stand groß in silbernen Buchstaben auf den Seiten.
Ich fing sofort an zu träumen, dass ICH in einem dieser imposanten, schicken Transportern saß und hinten drin mein Pferd, mit welchem ich zu einem großen Turnier aufbrach.
Aus dem ersten Transporter stieg ein älterer Mann, dass war bestimmt Bettini, die rechte Hand des Maestros.
Hinter ihm sprang eine dunkelhaarige, schlanke Schönheit aus der Fahrerkabine. Sie hatte lange, schwarze Haare, die sie jetzt ausschüttelte, bevor sie jemandem strahlend entgegen blickte. Der Maestro war aus seinem Büro getreten, und ging den Ankömmlingen entgegen. Mittlerweile waren mehrere junge Männer und Frauen ausgestiegen, und machten sich daran, die Pferde auszuladen. Nur Bettini und die Schwarzhaarige blieben stehen, um den Maestro zu begrüßen. Ob sie wohl keiner von den Reitern war?, fragte ich mich, und beobachtete, wie der Maestro erst Bettini herzlich begrüßte, bevor er sich an die junge Frau wandte und einige Wörter mit ihr wechselte. Sie strahlte ihn an und erzählte irgendwas, woraufhin der Maestro anerkennend nickte. Wow, er konnte anerkennend nicken!, dachte ich mir zynisch. Das würde ihm bei mir wohl nie passieren. Resigniert machte ich mich wieder an die Arbeit, denn die ersten Pferde wurden schon in Richtung Stall geführt. Auch der Maestro und Bettini kamen jetzt in den Stall, um zu beobachten, wie die Pferde in die bisher leeren Boxen gebracht wurden. Und was für Pferde! Obwohl sie scheinbar eine anstrengende Reise hinter sich hatten, sahen sie topfit und sehr gepflegt aus. Sie hatten alle farblich abgestimmte Transportgamaschen und -decken an, ihr Fell glänzte und sie schienen froh zu sein, wieder in ihre heimatlichen Boxen kommen zu können.
Dann kam die Schwarzhaarige mit einer wunderschönen, sehr zierlichen braunen Stute in den Stall.
„Georgina, stell Kiss bitte mal neben Crescendo, wir wollen mal sehen, ob er vielleicht eine beruhigende Wirkung auf sie hat!“, wies Bettini die Schwarzhaarige – Georgina – an. Diese nickte und versuchte, die tänzelnde Stute im Zaum zu halten. Diese jedoch schüttelte den Kopf und schaute sich aufgeregt um. Sie schien noch sehr jung zu sein, und sehr temperamentvoll. Als Georgina sie in die Box führen wollte, rempelte die Braune sie um und drängelte sich an ihr vorbei in die Box, sodass Georgina den Strick loslassen musste.
„Mistvieh!“, schimpfte diese und gab ihr einen Klaps auf die Kruppe, was die Stute mit einem kleinen Bocksprung quittierte. Grob packte Georgina sie am Halfter und riss ihren Kopf herum, sodass sie wieder Richtung Tür blickte. An ihrem Blick und den flach angelegten Ohren konnte man deutlich erkennen, dass die Stute alles andere als angetan von dieser Behandlung war. Mit einem Ruck riss Georgina der Stute die erste Transportgamasche ab. Rasch kamen auch die anderen an die Reihe, sodass Georgina der Stute das Halfter abziehen konnte, und nun die Box verließ.
Die ganze Szene hatte niemand mitbekommen, da im Stall allgemeiner Trubel herrschte, und alle mit den reinkommenden Pferden beschäftigt waren. Auch mich würdigte niemand eines Blickes, wie ich da in meiner leeren Box stand und mistete, sodass ich alles in Ruhe beobachten konnte. Jetzt rauschte Georgina hochmütig an mir vorbei nach draußen. Ich hatte sie noch nicht mal kennen gelernt, und fand sie schon unsympatisch. Besonders hübsch fand ich sie auch nicht mehr, das hatte die Szene eben kaputt gemacht. Ich konnte nicht verstehen,wie man so... naja, unfreundlich, zu einem Pferd sein konnte. Neugierig betrachtete ich die braune Stute, die jetzt „meinen“ Crescendo beschnupperte. Über den Boxentür hing ein großes Schild, auf dem ihr Name stand.
Kiss Colonel MW. Ein klangvoller Name für eine wunderschöne Stute. Ich seufzte, dann machte ich mich an die restlichen Boxen. Schließlich musste ich bald noch joggen gehen.
Während ich mistete, wurden ununterbrochen Pferde in den Stall geführt, geputzt, teilweise abgewaschen und sorgfälltig versorgt. Sättel wurden in die Sattelkammer geräumt und Transportgamaschen verstaut. Schließlich war ich mit dem Misten fertig, und ging über den Hof, um zum Dressurplatz zu gelangen. Ich sah, wie die Transporter abgewaschen, und ihre Motoren überprüft wurden.

Das Joggen hatte mir mal wieder den Rest gegeben, und ich saß völlig KO am Frühstückstisch. Neben mir saß Robby, und hielt meine Hand.
„Alles klar?“, fragte er und schaute mich aus besorgten, braunen Augen an. Ich nickte müde, und stand auf, um mir Frühstück zu holen. Robby begleitete mich, und als wir gerade am Büffet standen, stießen die anderen zu uns, angeführt von Georgina.
„Hallo, ich bin Georgina, du musst wohl der aus Deutschland sein?“, begrüßte sie Robby und stellte sich mit einem charmanten Augenaufschlag und überfreundlichem Lächeln bei ihm vor. Robby erwiderte das Lächeln und nickte, dann trat er zur Seite.
„Hallo, ja, wir sind aus Deutschland. Ich bin Robby, und dass ist Lisa“, stellte er uns beide vor.
„Oh, ich dachte du wärst ein neuer Stallbursche“, bemerkte Georgina arrogant und schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Hah, hatte sie mich scheinbar doch wahrgenommen, vorhin, im Stall.
„Nein, ich hatte einen kleinen Punkteabzug“, gab ich zu und bemühte mich, freundlich zu sein.
„Ach so?“, fragte sie scheinbar erstaunt. „Du Arme!“, heuchelte sie Mitleid, dann blickte sie wieder zu Robby und lächelte ihn strahlend an. „Wie gefällt es dir bisher hier in Italien?“
Falsche Schlange!, dachte ich aufgebracht, versuchte aber, mir nichts anmerken zu lassen. Was mir nicht sonderlich schwer viel, da ich hundemüde und für große Gefühlsregungen nicht in der Lage war.
Robby plauderte ein wenig mit Georgina, während wir uns was zu Essen holten. Dann saßen wir alle zusammen am Tisch, und es wurde wild durcheinander geredet. Alle wollten zuerst von ihren Erlebnissen erzählen. So eine Turnierreise war scheinbar immer aufregend. Neben mir saß eine schüchterne Blondine, die scheinbar aus Schweden stammte. Aufgrund der verschiedenen Nationalitäten wurde überwiegend Englisch gesprochen. Im Laufe des Frühstücks erfuhr ich, dass die Schwedin Emma hieß, und einer der Jungs, ebenso blond wie Emma, aus er Ukraine stammte und Miro genannt wurde. Mehr von den Namen konnte ich mir nicht merken, es waren einfach zu viele.
Immer wieder drängte sich Georgina ins Gespräch, sodass ich erfuhr, dass sie mit ihrem Pferd 'Seiltänzer', ein Hannoveraner aus Deutschland, sehr erfolgreich war. In ihrem ersten Grand Prix hatten sie jetzt scheinbar sogar gewonnen.
„Und wie wars mit Kiss?“, fragte Francesco interessiert, woraufhin Georgina das Gesicht verzog.
„Ach, die hat sich wie immer angestellt“, tat Georgina das Thema mit einer verächtlichen Handbewegung ab. Also scheinbar nicht so gut, dachte ich mir, aber kein Wunder, so wie die beiden sich verstanden...
Alles in allem schien die Turnierreise wieder ein voller Erfolg gewesen zu sein, und alle waren enthuastisch und freuten sich auf die weitere Arbeit mit den Pferden.
Allerdings waren sie die ganze Nacht durchgefahren, weshalb heute erst mal Ruhetag für die Turnierreiter angesagt war. Sie verzogen sich nach dem Frühstück direkt in ihre Zimmer, während es für uns ganz normal weiterging.
Beziehungsweise für mich die ganz normale Härte.
An diesem Tag war es besonder schlimm, ich war hundemüde, und konnte mich nicht konzentrieren. Immer wieder ging mir durch den Kopf wie Georgina Robby angesprochen hatte. Wie sie ihm während des Frühstücks immer wieder charmante Blicke zu geworfen hatte, mit ihren dunkelbraunen, riesigen Augen. Trotz der durchgemachten Nacht hatte sie frisch und elanvoll ausgesehen, wohl ganz im Gegensatz zu mir. Ich musste eher wirken wie eine wandelnde Leiche, so fühlte ich mich zumindest.
Klar, dass der Maestro von meiner Unkonzentriertheit nicht begeistert war. Er herrschte mich noch mehr an, als sonst, und ließ mich auch noch eine halbe Stunde länger arbeiten, als die anderen. Für mich schien er sich die schlimmsten Übungen auszudenken. Als erstes nahm er mir die Bügel weg, dann ließ er mich ohne Bügel leichttraben, ohne Bügel im leichten Sitz galoppieren, dann auf einem kleinen Zirkel, mit innerem Zügel überstreichen, und zwar ständig. Schließlich sollte ich Volten im Galopp reiten, ohne inneren Zügel, dann durchparieren zum Schritt, auf der anderen Hand angaloppieren, Volte. Durch die ganze Bahn drei Bögen mit einfachen Wechseln. Dann Außengalopp, wieder Wechsel. Im Trab verstärken und Schenkelweichen. Alles ohne Bügel und non stop. Ich fühlte mich wie von einem LKW überfahren, als ich endlich aufhören durfte. Und an diesem Tag schien er besonders streng auf Sauberkeit zu achten, denn ich bekam mehr Punktabzug als sonst, obwohl ich mich wirklich sehr ins Zeug gelegt hatte. Während all dieser Abrackerei fühlte ich mich beobachtet. Kiss Colonel MW stand in ihrer Box, und blickte mich an. Einfach so. Ich konnte ihren Blick nicht deuten, aber ich meinte, Neugierde und gleichzeigtig Distanziertheit darin lesen zu können, hatte aber nicht die Kraft, mich näher damit zu beschäftigen.
Am Nachmittag war wieder Springen an der Reihe. Natürlich ohne Bügel, aber diesmal keine Reihen, sondern Parcours. Der Maestro ließ mich vor jedem Sprung die Galoppsprünge runterzählen, und schließlich sollte ich drei Galoppsprünge vor dem Sprung sanft – SANFT!, betonte er – in den Schritt durchparieren. Crescendo war geduldig, und parierte brav durch, obwohl er den Sprung schon anwiesiert hatte. Danke, danke, danke!, sprach ich innerlich zu ihm. Er war mein Held, ließ mich einfach nicht im Stich. So überstand ich die Reiststunde diesmal ohne große Blamage, meinem Pferd sei Dank.
Mittlerweile waren die anderen aus ihren Zimmern gekommen. Einige hatten sich auf die Tribüne gesetzt, um zuzuschauen. Darunter konnte ich Miro und Emma ausmachen, Georgina sah ich allerdings nicht, und dafür war ich dankbar.
Nach dieser Reitstunde versorgte ich Crescendo besonders gut. Ich schrubbte ihn, massierte ihn, kämmte ihm den Schweif und streichelte ihn lange. Ich war so froh, dass ich endlich mal eine Reitstunde ohne größere Panne überstanden hatte! Während all dem beobachtete Kiss Colonel mich, aber ich konzentrierte mich nur auf meinen Held des Tages.
Erstaunlicherweise bekam ich an diesem Abend nicht so viel Punkteabzug, wie ich erwartet hatte. Trotzdem musste ich am nächsten Tag wieder misten, doch diesmal nur den einen Stall.

Am nächsten Morgen erzählte ich Tom von meinen Beobachtungen des Vortags. Wir waren wieder alleine, deshalb half er mir beim Misten, was er sich am Tag zuvor nicht trauen durfte.
Tom war mit – neben Robby – zum engsten Vertrauten hier geworden. Durch unsere täglichen Gespräche vertraute ich ihm und schätzte seine gut gelaunte Art jeden Morgen mehr.
Als ich bei den ständigen Blicken von Georgina und meinem Empfinden, wie eine wandelnde Leiche auszusehen, angekommen war, unterbrach Tom mich wehement.
„Das Quatsch, you know! Darling, du hast sehr schöne Braun bekommen, seit du bist hier!“
Ich errötete leicht.
„Und hammer Body!“, ergänzte Tom und zwinkerte mir zu.
Von seinen Komplimenten wieder selbstbewusster, begab ich mich zum Joggen. Und traf auf Robby und Georgina, die in ein angeregtes Gespräch vertieft waren.
Na, dass kann ja noch heiter werden, dachte ich miesepetrig, gesellte mich zu der mittleweile großen Gruppe, und fing an, mich zu dehnen.

#2 RE: 18. Bericht: Italien, Part 2 - und schwierig geht es weiter! von Lucy 15.03.2014 15:21

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Oh je du arme, eigentlich wünsche ich mir nicht, dass du noch lange da bleiben musst, aber für die Beris schon, weil die immer super spannend sind. ;)

Ach ja und ich kenne auch eine Georgina, die mag ich net... Von dem her passt der Name perfekt! :D

#3 RE: 18. Bericht: Italien, Part 2 - und schwierig geht es weiter! von Lucy 15.03.2014 15:26

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Ausführlichkeit: 40/50
Personen 25/30 (Robby, Francesco, Maestro, Tanja. Georgina, Tom ...)
Schicksal des aktuellen Monats: ?/20
Aufgabe des aktuellen Monats: ?/10
Handlung: 45/50
Gesamt: 110 Punkte

1244 Punkte / Level 14, 15, 16 (14 habe ich bei der letzten Bewertung dir glatt noch unterschlagen, sorry....)

Level
Du darfst dir ein Haus kaufen
Du bekommst einen Gutschein für ein Restaurant deiner Wahl
Du bekommst einen Gutschein im Wert von 200T für die Boutique

#4 RE: 18. Bericht: Italien, Part 2 - und schwierig geht es weiter! von Lisa 15.03.2014 16:08

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Dankeschön :)

& Italien wird lange, keine sorge^^

#5 RE: 18. Bericht: Italien, Part 2 - und schwierig geht es weiter! von Lucy 15.03.2014 21:17

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Sorry Lisa, mir ist ein Fehler passiert wegen der Altern Punktzahl... Bis Beri 16 stimmt alles, da habe ich einen Fehler gemacht.

Du hast nun 1542 Punkte und Level 20... Sorry für das Chaos....

#6 RE: 18. Bericht: Italien, Part 2 - und schwierig geht es weiter! von Lisa 15.03.2014 23:24

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wie schon "gesagt": kein Problem ;)

Level 20 schon; juhu!! :D

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