#1 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lisa 18.03.2014 13:53

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Seiltänzer tanzte. Wortwörtlich. Ich konnte absolut nachvollziehen, warum die beiden gewonnen hatten. Georgina und der imposante Rappe waren eine Einheit, und tanzten durchs Viereck.
Ich rufte Gras aus und ließ es durch meine Finger wieder auf die Wiese gleiten, während ich Georginas Einzelstunde beobachtete. Sie war direkt nach dem Frühstück die erste, die ritt, und auch die einzige. Scheinbar bekamen die besseren Reiter hier einzeln Unterricht, vielleicht war es aber auch nur Zufall. Ich saß mit Miro und Emma im Gras am Dressurviereck und ließ mir die Sonne auf den Rücken scheinen. Es sollte wieder ein wunderbarer Tag werden, überall brummte und summte es, und die Vögel zwitscherten um die Wette.
„Sie reitet echt gut“, kommentierte ich, und Miro nickte bestätigend.
„Ja, das stimmt. Sie und Seiltänzer sind wirklich ein tolles Team, und der Maestro weiß das. Deshalb bekommt sie auch eine Sonderbehandlung. Er gibt sonst niemandem Einzelunterricht“, erklärte er.
„Da bin ich aber auch ganz froh drüber, Gruppenstunden sind mir schon anstrengend genug, er hat wirklich überall seine Augen!“, ergänzte Emma, und das konnte ich nur unterschreiben. Der Maestro sah wirklich jeden kleinsten Fehler.
„Wann reitet ihr denn heute?“, erkundigte ich mich.
„Wir sind beide in der dritten Stunde“, informierte mich Emma.
„Und du?“, fragte Miro.
„Ich auch. Wie viele Stunden gibt es eigentlich?“
„Vier morgens, und vier nachmittags.“
„Und wie ist das, wenn man zwei Pferde zugeteilt hat? Reitet ihr dann vier Reitstunden am Tag?“, fragte ich weiter.
„Das ist immer anders“, setzte Emma zur Erklärung an, „zwei Reitstunden am Tag hat man in der Regel beim Maestro, aber dann gibt es ja auch noch Bettini, der auch unterrichtet. Er ist zwar auch streng, aber lobt deutlich mehr als der Maestro. Mir persöhnlich ist Bettini lieber, da ist weniger Stress und Druck mit verbunden.“
„Naja, dadruch lernt man aber auch viel“, wiegelte Miro ab, „aber im Prinzip sind beide echt super Reitlehrer. Bettini reitet aber mehr selber, als das er Unterrichtet. Er gibt auch immer nur am Nachmittag Reistunden. Heute zum Beispiel habe ich mit Fiederro in der ersten Stunde am Nachmittag beim Maestro Unterricht, und in der vierten Stunde mit Rhytm of Dance bei Bettini“, erklärte Miro weiter das Prinzip.
„Und wenn ihr keinen Unterricht mit einem der Pferde habt, reitet ihr dass dann nicht?“, wollte ich nun noch wissen.
„Oh doch, wir reiten auch mal alleine, ohne Unterricht. So viel Verantwortung wird uns dann doch zugetraut“, lachte Emma.
„Meistens gehen wir dann ins Gelände, das tut den Pferden auch gut“, fügte Miro hinzu.
Ich nickte, und beobachtete weiter die priviligierte Einzelstunde, die sich vor meinen Augen abspielte.
Der Maestro schien viel ruhiger zu sein, wurde nie laut und nickte ab und an anerkennend. Einmal sagte er sogar „ja, so ist es gut!“! Das ich sowas noch mal von ihm hören würde, hätte ich nicht gedacht. Er lobte also doch auch mal. Nur mich halt nicht, dachte ich traurig.
Als die Stunde beendet war, kamen die nächsten Reiter auf den Platz, darunter auch Robby und Francesco. Robby zwinkerte mir im vorbeireiten zu, und ich warf ihm einen Handkuss zu.
Emma stupste mich an, „Hey, ist das dein Freund?“, wollte sie wissen.
Ich nickte bestätigend, und beobachtete, wie Georgina sich beim abreiten zu Robby gesellte. Sie ließ Seiltänzer die Zügel lang, und ritt plaudernd mit Robby Schritt.
„Oh, oh“, machte Emma, „Weiß das auch Georgina?“, fragte sie mit einem bedeutungsvollen Blick in Richtung der beiden.
Ich zuckte nur hilflos mit den Schultern. Ich sollte Robby einfach vertrauen, dass er nicht auf die Flirtereien einging, was anderes konnte ich sowieso nicht tun.

Die Stunde danach musste ich reiten. Und es waren nicht nur Emma und Miro mit mir in der Gruppe, sondern auch Georgina war wieder auf dem Platz, diesmal mit ihrem zweiten Pferd, Kiss Colonel. Außerdem war noch eine andere junge Frau mit roten Haaren und einem Fuchs auf dem Platz, mit der ich allerdings noch nicht gesprochen hatte.
Während wir Schritt ritten, konnte ich beobachten, wie Kiss Georgina das Leben schwer machte. Sie schein sich in irgendetwas hineingesteigert zu haben, und kam von diesesm Tripp nicht mehr runter. Sie fing an zu steigen, dann tänzelte sie zur Seite und legte die Ohren an, als Georgina sie vorwärts treiben wollte. Als der Maestro wegschaute, sah ich, wie Georgina Kiss einen ordentlichen Klaps mit der Gerte verpasste, was die Situation zwar änderte, aber meiner Meinung nach nicht zum Besseren. Jetzt ging Kiss zwar vorwärts, aber unwillig, stockend und mit angelegten Ohren. Von einem entspannt schwingenden Rücken konnte nicht die Rede sein. Energisch versuchte Georgina, Kiss mit Kreuz und Schenkeln in die Anlehnung zu treiben, aber Kiss stellte sich auf stur. Sie senkte zwar den Kopf, aber eine vertrauensvolle Anlehnung sah anders aus.
„Was haben die zwei denn miteinander?“, fragte ich Emma leise, die neben mir auf einem langbeinigen Braunen ritt.
„Ich weiß auch nicht, aber sie passen einfach nicht zusammen. Georgina ist zwar eine wirklich gute Reiterin, aber irgendwie stellt Kiss auf stur. Aber da sie in unserer Gruppe die Beste ist, muss sie sich mit ihr auseinandersetzten. Wir anderen wären wohl mit noch weniger Erfolg gekrönt. Kiss ist aber auch erst vier, sie sollte Georginas Nachwuchspferd werden. Aber wenn es so weiter geht, wette ich, setzt der Maestro sich bald selbst drauf“, erklärte Emma.
Als wir mit der Arbeit anfingen, beruhigte sich Kiss, arbeitete aber nur unwillig mit. Der Maestro gab Georgina unermüdlich Tipps, wie sie Kiss motivieren konnte, aber sauer wurde er nie dabei. Georgina schien bei ihm wirklich ein Stein im Brett zu haben, ganz im Gegensatz zu mir. Ich wurde wieder bis aufs Blut gefordert, bekam nichts auf die Reihe und fühlte mich – vorallem vor den neu hinzugekommenen anderen – extrem gedemütigt.

Nach der Reitsunde machten wir unsere Pferde fertig, wobei mich Georgina – die ja in der Box direkt neben mir beschäftigt war – mich keines Blickes würdigte. Verstohlen beobachtete ich, wie sie die Handgriffe, die mittlerweile fast schon zur Rutine geworden waren, verrichtete. Sie bekam doch bestimmt die volle Punktzahl vom Maestro, also würde ich versuchen, es ihr gleich zu tun. Aber ich konnte nichts entdecken, was mir weiterhelfen würde, sie machte genau dasselbe wie ich, so kam es mir jedenfalls vor.
Aber anders als der entspannte Crescendo, er die Behandlung deutlich genoß, stand Kiss steif und distanziert in ihrer Box.
Ich war gerade dabei, Crescendos Hufe einzufetten, als Robby zu uns rüber geschlendert kam.
„Oh, hallo Robby!“, strahlte Georgina ihn an.
„Bist du gekommen um mir zur Hand zu gehen?“, fragte sie mit einem charmanten Augenaufschlag.
„Hey Georgina, ähm, eigentlich wollte ich meiner Freundin einen Kuss geben, aber beim nächsten Mal gerne“, gab Robby zu meiner Genugtuung zurück und kam zu mir in die Box. Georgina beobachtete dies mit einem giftigen Blick und rauschte in die Sattelkammer davon.
„Na, wars wieder sehr schlimm heute?“, fragte Robby sanft und kam langsam auf mich zu. Ich weidete mich in seinem Anblick, bis er direkt vor mir stand und seine Arme um mich herum legte, bevor er langsam seinen Kopf senkte, um mir einen langen, unglaublich zarten Kuss zu geben.
„Wie kann mir jetzt noch etwas schlimm vorkommen?“, hauchte ich an seine Lippen, als er meine schließlich wieder freigab.
Robby lachte rau, und hielt seine Lippen an mein Ohr.
„Wie wärs wenn du gleich in mein Zimmer kommst, wenn du hier fertig bist?“, flüsterte er, wobei die leichte Berührung seiner Lippen und sein heißer Atem an meinem Ohr mir Schauer über den Rücken jagten. Ich konnte nur noch benommen nicken, und Robby drückte mir noch einen Kuss auf die Lippen, dann verließ er den Stall wieder.
Ich schaute ihm versonnen hinterher, als mein Blick auf Tom fiel, der die Szene scheinbar von einer Box gegenüber aus beobachtet hatte. Er zwinkerte mir grinsend zu und zeigte mir den Daumen, was mich im ganzen Gesicht rot werden ließ. Rasch wandte ich mich ab und fettete Crescendos Hufe fertig ein, dann beeilte ich mich, um rasch Robbys Einladung nachkommen zu können...

„Nicht so am inneren Zügel ziehen, Gewicht verlagern, Beine umlegen! Jetzt konzentrier dich, verdammt noch mal!“, herrschte mich der Maestro ungehalten an.
Ich sollte PERFEKTE fliegende Wechsel reiten. Hatte ich vorher nie gemacht, jedenfalls nicht dressurmäßig. Mein Niveau lag so bei L, und fliegende Wechsel kamen erst ab M in den Prüfungen vor. Natürlich war es gut, wenn man weiterkam, aber ich bekam es einfach nicht richtig hin. Crescendo sprang zwar um, aber nicht auf den Punkt, nicht mit genug Durchsprung, nicht gleichmäßig mit Vorder- und Hinterhand... Ach, es war zum Verzweifeln. Ich hatte das Gefühl, wie der letzte Depp auf dem Pferd herumzurutschen, und es schien nicht besser zu werden, sondern eher immer schlechter. Am Anfang wusste Crescendo, was ich von ihm wollte, doch je öfter wir die Übung wiederholten, umso weniger schien er zu verstehen, was ich denn genau von ihm wollte. Er machte sehr geduldig mit, mein braver Crescendo, aber ich hatte das Gefühl, wenn wir so weitermachten, würde ich ihn verreiten. Und das war kein schönes Gefühl, überhaupt nicht. Ich fühlte mich so unfähig. Der Maestro sah es scheinbar genauso, er ließ von mir ab und wandte sich an Georgina, die wieder mit Kiss kämpfte.
„Ruhiger, nachgeben am Zügel!“, wies er sie an. Obwohl sein Ton sofort freundlicher war, merkte man doch, dass er nicht in bester Laune war. Auch Georgina bekam heute ihr Fett weg, er ließ sie ständig Übergänge reiten, und viel Zügel aus der Hand kauen, damit Kiss sich entspannte und trotzdem aufmerksam wurde. Aber all seine Mühen schienen heute nicht zu fruchten, Kiss kaute unzufrieden auf dem Gebiss herum und spannte ihre gesamte Oberlinie, vom Hals über den Rücken bis in die Kruppe, an.
„Lisa, träum jetzt nicht vor dich hin, weiterarbeiten!“ Ich zuckte zusammen, und konzentrierte mich wieder auf Crescendo.
„Angaloppieren, an der Langen Seite zulegen, dann aufnehmen, bei C eine Volte, daraus druchparieren in den Schritt!“, wurde ich angewiesen. Ich konzentrierte mich, machte Crescendo aufmerksam, indem ich am äußeren Zügel ganz sanft halbe Paraden gab, dann galoppierte ich an. Es gelang gut, ich ließ ihn verstärken, nahm ihn wieder auf und ritt die Volte. Dann setzte ich mich schwer in den Sattel und ließ ihn in den Schritt durchparieren.
„Arme locker lassen, nicht nach vorne fallen, jetzt setzt dich doch endlich auf deinen Hintern!“, brüllte der Maestro über den Platz.
„Nochmal! Georgina, lass Kiss kurz Schritt gehen, Pause. Mirko, antraben, du musst an deinen Traversalen übern, los jetzt!“, kommandierte der Maestro uns streng herum.
Diesmal bemühte ich mich, mich nicht so zu verkrampfen. Der Maestro war zwar nicht zufrieden, aber scheinbar war es besser als eben. Er wies mich wieder an, einen fliegenden Wechsel zu reiten, der wieder daneben ging.
„Stop, stop, stop!!! Anhalten, absteigen!“, brüllte der Maestro.
„Pferdetausch, Georgina, du übernimmst. Der muss mal wieder ordentlich geritten werden, so wird das nichts!“, kommandierte er weiter. Mir traten die Tränen in die Augen. Ich war nicht nur schlecht, sondern ich ritt ihm auch noch die Pferde kaputt, dachte ich, und ließ den Kopf hängen. Während ich abstieg und mit Georgina tauschte, konnte ich niemandem in die Augen sehen. Ich musste die Bügel ein wenig verkürzen, bevor ich auf Kiss aufsaß, da Georgina ein gutes Stück größer war als ich. Und schlanker, und besser. Ich seufzte, dann stellte ich meinen Fuß in den Bügel und saß auf. Kiss trat einen Schritt zur Seite, aber ich parierte sie nur kurz und achtete nicht weiter darauf, was sie machte. Georgina würde es natürlich gelingen, perfekte fliegende Wechsel zu reiten. Und so kam es. Der Maestro schenkte mir keinen Blick mehr, und Georgina brauchte noch nicht mal Zeit, sich mit Crescendo groß warmzumachen, sie galoppierte an, und ritt mehrere perfekte Wechsel hintereinander.
„Gut. Arbeite ihn noch ein bisschen weiter, er muss mal wieder richtig gefordert werden“, instruierte der Maestro und wandte sich dann an Emma.
Mich, die ich neidisch Georgina beobachtete, wie sie eine perfekte Einheit mit „meinem“ Crescendo bildete, ließ er den Rest der Reitstunde links liegen.
So ritt ich am langen Zügel Schritt außen herum und badete so dermaßen in Selbstmitleid, dass ich alles andere komplett ausblendete.
Als gerade einen Moment Stille herrschte, da der Maestro kritisch beobachtete, wie Miro an seinen Traversalen arbeitete, wurde ich von einem plötzlichen, lauten und nachdrücklichen Schnauben aus meinem Selbstmitleid gerissen. Da es gerade in diesem Moment so still war, schien das Schnauben noch lauter. Prompt spürte ich den Blick vom Maestro auf mir. Ich schaute auf, und sah etwas anderes in seinem Blick, als ich es gewohnt war. Er schien über irgendetwas nachzudenken, etwas anzuzweifeln vielleicht? Rasch schaute ich wieder weg, traute mich nicht, ihm lange in die Augen zu schauen, vorallem nach meiner Blamage kurz zuvor. Aber eines hatte ich aus den Augenwinkeln noch gesehen; Georginas Blick, der alles andere als erfreut zu sein schien.

#2 RE: 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lucy 18.03.2014 14:29

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JUHUI BERI ZUM LESEN! Werde ich gleich mal machen. ;)

#3 RE: 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lucy 18.03.2014 14:41

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Der Schluss ist genial, aber ich habe es schon in Mitte des Beris vermutet. :D Das ist doch Kiss, oder?

Ansonsten wie immer, gut geschrieben, flüssig zum lesen und ich muss sagen, deine Italien-Beris sind echt toll. Ich will SOFORT weiterlesen wie es mit Kiss geht!

Bewertung:
Ausführlichkeit: 40/50
Personen 25/30 (Robby, Francesco, Maestro, Georgina, Tom andere Reiter...)
Schicksal des aktuellen Monats: ?/20
Aufgabe des aktuellen Monats: ?/10
Handlung: 47/50
Gesamt: 112 Punkte

Und bevor ich jetzt hier eine Punktzahl hinschreibe die dann wieder nicht stimmt, schaue ich jetzt die nach und poste das mit den Level nachher

Ach ja etwas fällt mir jetzt noch ein:
Also du Kiss geritten hast und dich im Selbstmitleid gesuhlt hast, hätte ich dir am Liebsten die aufmunternden Worte "Jetzt sein nicht so trübsinnig, schliesslich darfst die DAS Nachwuchspferd reiten!" zugeflüstert. ;)

#4 RE: 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lucy 18.03.2014 14:45

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1654 Punkte / Level 21 - Du erhälst ein Pferdezubehör deiner Wahl geschenkt. (Kannst dich am Besten gerade selber bei Nina melden oder es einfach beim "Punkte / Level aufstieg" reinschreiben.)

#5 RE: 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lisa 18.03.2014 15:12

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Ja, das war kiss, die geschnaubt hat :)
Und danke für die Bewertung :*
ich hätte mich bestimmt besser gefühlt, wenn du da gewesen wärst :) aber in dem Moment war ich wohl zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um zu checken wen ich da reite^^

& der nächste ist schon in Arbeit :)

#6 RE: 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lucy 18.03.2014 15:14

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Yeah! *auf und ab hüpf*

#7 RE: 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lisa 18.03.2014 15:26

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Hach, Du bist süß :*

Das freut mich sehr, dass die berichte dir gefallen :)

#8 RE: 19. Bericht: Von hartem Training, Neid und Küssen im Stall von Lucy 18.03.2014 22:10

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Dein verdienst, du schreibst sie. ;)

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