#1 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lisa 11.04.2014 02:16

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Ich zog meinen Schal fester um mich und stapfte durch den hohen Schnee zum Stalltrakt. Langsam zog ich die schwere Tür auf und schlüpfte ins Innere.
„Hallo?“, rief ich verhalten und schaute mich um. Die schicken Sportpferde standen zufrieden kauend in ihren Boxen, hin und wieder schnaubte eines und alles in allem war die Stimmung sehr ruhig und entspannend.
„Lisa, hey!“, rief Tom, der gerade aus der Futterkammer kam, enthusiastisch. Er lief schnell auf mich zu, nahm mich in die Arme und wirbelte mich durch die Luft.
„Du konntest ja doch noch kommen!“, sagte er dann und strahlte mich an. „Wie kommt's?“
„Tja, der Maestro hatte seinen guten Tag und ich hab mir eine Woche freiboxen können“, antwortete ich fröhlich und grinste Tom an.
„Ist schön dich endlich mal wieder zusehen, wie lange ist das letzte Mal jetzt her?“, erkundigte sich Tom.
„Als ich das letzte Mal hier war, war doch auch Winter, oder? Dann ist das jetzt bald ein Jahr her, dass ich zu Besuch war... Aber hier ist es echt schrecklich kalt!“, jammerte ich.
„Tja, wenn du auch immer im Winter kommen musst“, grinste Tim und knuffte mich in die Seite.
„Hey!“, protestierte ich. „Wofür war das denn jetzt?“
„Dafür, dass du dich so lange hast nicht mehr blicken lassen, liebe beste Freundin!“, konterte Tom.
„Ja, ja, du hast ja Recht. Aber ich schaffe es im Sommer in der Turniersaison echt nicht, mir frei zu nehmen. Da kennt der Maestro nix, das weißt du doch... Aber dafür bin ich mit Kiss echt weit gekommen!“
„Ja, stimmt ja, ihr seid ja schon Champions in meiner Heimat, Glückwunsch noch mal dazu!“
„Danke!“

Wir schlenderten langsam an den Boxen entlang und ich schaute durch die Fenster nach draußen, auf die wundervolle Winterlandschaft.
„Es ist schon schön, mal wieder mehr Schnee zu sehen“, meinte ich verträumt und beobachtete die Flocken, die langsam zur Erde rieselten.
„Wie alt ist Kiss eigentlich mittlerweile? Ich hab voll das Zeitgefühl verloren, es kommt mir schon vor als wäre ich eine Ewigkeit in Deutschland, dabei habe ich meine Ausbildung noch nicht mal ganz abgeschlossen!“
„Hmh, jetzt ist sie noch sieben, nächstes Jahr wird sie schon acht... Und dann fangen wir an, bei den ganz Großen mitzumischen“, teilte ich ihm aufgeregt mit, „Und nächstes Jahr wird Soul vier, dann kann ich mit dem Einreiten anfangen, ich sage dir, nächstes Jahr wird alles ganz toll werden!“
„Das glaube ich, aber es ist Schade, dass wir uns so selten sehen... Nächstes Jahr im Frühjahr schließe ich auch meine Ausbildung hier ab und Tim hat mir schon eine Festanstellung versprochen, dann bleibe ich – naja, vielleicht nicht für immer – aber für eine sehr lange Zeit in Deutschland. Ich freue mich auch schon total darauf, endlich das zu machen, was ich schon immer wollte... Aber ich vermisse dich“, gestand Tom, nahm wie beiläufig meine Hand und schaute mir tief in die Augen.
„Ich dich doch auch, das weißt du doch... Und das ganze Tsubasa-Team und Tanja und meine Eltern... Aber die Zeit in Italien ist so aufregend und anstrengend, dass ich kaum Zeit habe, euch zu vermissen. Weißt du, dass Soul auch schon ganz schön abgeräumt hat, für sein Alter? Er hat jetzt auch schon einige Siege in den Jungpferdeklassen und Schauen errungen“, lenkte ich vom Thema ab, bevor Tom noch näher auf das „Vermissen“ eingehen konnte. Ich mochte ihn sehr, aber da war definitiv nur Freundschaft zwischen uns, für mehr reichte es bei mir nicht. Leider. Ich konnte mir gut vorstellen, das Tom ein perfekter Freund sein würde. Er war so nett und ehrlich und würde einen niemals enttäuschen, geschweige denn fremdgehen... Und er war unglaublich sexy, seine Anziehungskraft auf mich war – obwohl ich nicht in ihn verliebt war – nicht zu leugnen.
Und ich war zwar über Robby hinweg, aber gerade weil Tom so ein toller Typ war, hatte er es nicht verdient, eine Beziehung zu führen, in der er nicht absolut bedingungslos geliebt wurde... Irgendwann würde er schon die Richtige finden, genau wie ich - hoffentlich.
„Huhu, Erde an Lisa! Jetzt bist du schon mal hier, aber trotzdem mit den Gedanken ganz wo anders!“, schimpfte Tom mit mir.
„Äh, was? Sorry“, erwiderte ich kleinlaut.
„Ich habe gefragt, ob du wieder nach München zurück fährst, oder ob du hier irgendwo übernachtest? Deine Wohnung war ja nur gemietet, die hast du wohl nicht mehr, oder?“, wieder holte Tom geduldig.
„Achso, ja, es war schon geplant, dass ich wieder nach München fahre und bei meinen Eltern übernachte, solange ich in Deutschland bin..“
„Du weißt, auf meiner Couch ist immer was für dich reserviert“, bot Tom mir an.
Ich zögerte. Das würde nur wieder dazu führen, das wir miteinander im Bett landeten... Wobei das ja nicht das Schlechteste war, was mir passieren konnte, dachte ich und musste grinsen.
„Ich weiß genau, was du denkst.“ Toms Gesicht war meinem jetzt so nahe, dass ich seinen Atem spüren konnte, und der Blick seiner blauen Augen ließ meine Knie weich werden. Ich war mir absolut sicher, dass ich ihn nicht liebte, und doch... Meine Körper schien mit meinem Herzen nicht ganz übereinzustimmen.
„Äh, lass uns später darüber reden, ja?“, versuchte ich mich herauszuwinden und trat einen Schritt zurück, um die Fassung zu bewahren.
Tom zuckte nur mit den Schultern und grinste, er wusste genau, was für eine Wirkung er auf mich hatte.
„Oh, Lisa, ich wusste ja gar nicht das du da bist!“, ertönte es da von der Stalltür, und Lucy, gefolgt von ihrer Schwester Cate kamen in den Stall geplatzt. Oder war es anders herum? Ich konnte die zwei nicht unterscheiden.
„Ja, war auch relativ kurzfristig“, erklärte ich und schaute den beiden entgegen.
„Das ist aber toll, dass du uns direkt mal besuchen kommst“, freute sich Lucy und ich wusste endlich, wer wer war.
„Ihr beiden kennt euch ja, oder?“, fragte Lucy und schaute zwischen ihrer Schwester und mir hin un her.
„Jap, aber nur flüchtig“, antwortete Cate. „Aber Freunde von Lucy sind auch meine Freunde“, fügte sie dann hinzu und lächelte mich freundlich an.
Ich lächelte zurück und betrachtete dann Lucy. Sie schien irgendwie nicht so fit zu sein, sie wirkte ganz schön müde.
„Alles klar, Lucy?“, erkundigte ich mich bei ihr.
„Ja, alles bestens, bin nur total erschöpft, keine Ahnung warum. Vielleicht komme ich in die Wechseljahre“, scherzte sie.
„Ja, bestimmt“, lachte ich mit, dann erkundigte ich mich, wie Tom sich so machte.
„Hey, ich bin immer noch hier!“, empörte der sich promt.
„Och, ein bisschen faul und träge ist er, aber ansonsten gehts“, zog Cate ihn auf und grinste ihn herausfordernd an.
„Ha, das sagt gerade die Richtige, Miss „Lucy-ist-zu-Besuch-habe-keine-Zeit“!“, konterte Tom und zwickte Cate in die Seite.
„Haha!“, machte die und verzog das Gesicht.
„Bevor das hier noch ausartet, wie wärs, wenn wir alle rein gehen und uns aufwärmen? Lisa ist schließlich gerade erst angekommen, wie es aussieht!“, unterbrach Lucy die beiden, und bald saßen wir alle zusammen gemütlich im Warmen.
„Es ist echt schade, dass du nicht mehr hier wohnst“, bedauerte Lucy. „Willst du jetzt für immer in Italien bleiben?“
„Ne, eigentlich nicht... Aber ich weiß noch nicht genau, wann ich wieder heim komme. Ich finde den richtigen Zeitpunkt dafür nicht, weißt du?“


Wie sich herausstellen sollte, war der richtige Zeitpunkt ein halbes Jahr später. Es war viel passiert, noch während meines Deutschlandurlaubs hatte Lucy Zwillinge bekommen, und alle waren in heller Aufregung deswegen gewesen. Ich blieb noch bis Lucy wieder aus dem Krankenhaus zurück kam, und ging dann einen Tag nach ihrer Rückkehr wieder zurück nach Italien. Soul und Kiss hatten mich schon vermisst, und ich sie. Wir arbeiteten im milden Italien – mit Kiss an schwierigen Dressurlektionen und kniffligen Springparcoursen, und mit Soul an der Longenarbeit und am Freispringen.
Schließlich kam wieder der Frühling, es wurde warm, und die Turniersaison fing wieder an. Kiss räumte noch ein paar Mal ordentlich ab, und auch Soul entwickelte sich so gut, dass wir mit dem Einreiten anfingen. Emma half mir sehr dabei, und schon bald machte Soul auch unter dem Sattel große Fortschritte. Er hatte sich zu einem prächtigen jungen Hengst entwickelt, der zwar sehr Enrgiegeladen und temperamentvoll war, sich aber trotzdem meistens sehr gut benahm und immer zu kontrollieren war. Ich war sehr stolz auf meinen kleinen Prachtburschen.

Aber obwohl alles super war, und es mir sehr gut in Italien gefiel, war irgendetwas falsch. Ich hatte das Gefühl, als wäre irgendeine Aufgabe in Deutschland zu erledigen, die ich bisher immer aufgeschoben hatte, die aber nun endlich getan werden musste. Oder irgendwelche offenen Rechnungen beglichen, irgendetwas war in Deutschland für mich zu tun. Ich konnte es nicht erklären, aber es zog mich zurück in meine Heimat. Ich versuchte, diese komischen Gedanken zu verdrängen, aber das Gefühl wurde immer stärker, bis sogar Soul meine innere Unruhe spürte – oder hatte er eine ganz andere, seine eigene, Unruhe verspürt?
Es war unerklärlich, aber ich wollte unbedingt zurück. Und so machte ich den schweren Gang zum Maestro, erklärte ihm alles, und er verstand mich.
„Es ist wichtig, auf sein Gefühl zu hören!“, riet er mir, und wünschte mir alles gute. Sein Kloster hätte immer offene Pforten für mich, und ich sei immer ein gern gesehener Gast, erklärte er mir. Der Abschied viel mir sehr, sehr schwer. Mein Zimmer war zwar klein und schlicht eingerichtet, aber ich würde den Blick aus dem Fenster in den wunderschönen, hellen Pinienwald vermissen, die angenehme Kühle der alten Mauern, das romantische Flair, das über dem Kloster hing. Die raue Art des Maestros würde mir auch fehlen, genauso wie die Hitze der Italienischen Sommer, die wunderbare Aussicht vom Pool aus und die tolle Geländestrecke.
Aber am schwersten war der Abschied von Emma.
„Ich verstehe nicht, warum du jetzt gehen willst“, erklärte Emma mir unter Tränen, als ich mit gepackten Koffern vor ihr stand. Sie hatte immer wieder versucht, mich zum Bleiben zu überzeugen, aber jetzt war es endgültig und nicht mehr rückgängig zu machen. Die Koffer waren gepackt, der Flug gebucht und Soul und Kiss schon auf dem Weg.
Mir liefen genau wie Emma die Tränen über die Wangen, und ich drückte sie ganz fest.
„Ich kann es dir nicht erklären, aber es muss sein. Ich wünschte, du könntest mitkommen. Ich werde dich vermissen!“
„Wir telefonieren ganz oft, ja?“
„Versprochen!“

Damit kehrte ich dem Monte Cassino den Rücken. Meine Zeit in Italien war zu Ende.



Aber jedes Ende bringt auch einen neuen Anfang, und außerdem wurde ich in Deutschland sehnsuchtsvoll erwartet.
„Lisa, Lisa, Lisa!“, schrie Tanja durch das ganze Terminal und rannte mir entgegen. Sie prallte so stürmisch gegen mich, dass ich fast umgefallen wäre.
„Endlich ist die Auswanderin wieder zurück!“, grinste sie und ihre Freude war anstecken. Es war so schön, wieder Zuhause zu sein, und diesmal nicht nur für ein paar Tage! Ich begrüßte auch meine Eltern, und umarmte alle beide.
„Und guck mal, wer es noch nicht erwarten konnte, dass du wiederkommst!“, meinte Tanja und zeigte nach hinten.
„Tom!“, rief ich und lief ihm entgegen. Diesmal war ich es, die sich jemandem in die Arme warf. Er wirbelte mich einmal herum und stellte mich dann wieder auf meine Füße.
„Hey, Honey!“, sagte er und lächelte mich schief an, sodass sich ein wunderbar warmes Gefühl in mir ausbreitete. Es war so schön, Menschen zu haben, die einem so viel bedeuteten, und die immer für einen da waren. Und bei einer Sache war ich mir absolut sicher; Tanja und Tom würden nie mehr aus meinem Leben verschwinden.

Gemeinsam gingen wir zu dem Terminal, an dem die Pferde abgeladen wurden. Soul und Kiss hatten die Reise recht gut überstanden, nur Kiss musste mit einer Spritze beruhigt werden, da sie sich wieder mal – typisch Kiss – extrem hysterisch aufgeführt hatte. Soul hingegen war der mutigere der beiden. Er schaute nur alles neugierig an, und war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Meine Freunde hatten mein Auto samt einem geliehenen Pferdeanhänger mitgebracht, und so führten wir die zwei Pferde aus dem Terminal direkt in den Hänger, den man draußen parken konnte.
Soul tänzelte vor Übermut, er war froh, aus der Transportbox herauszukommen. Kiss hingegen war immer noch träge von dem Beruhigungsmittel, das ihr gespritzt wurde. Und das sollte auch so bleiben, zumindest bis die beiden sicher im Hänger verstaut waren, deshalb beeilten wir uns, sie zu verladen.

Schließlich war ich mit Tom auf dem Weg nach Hofling, meine Eltern und Tanja waren in München geblieben.
„So, jetzt erzähl mal, warum du auf einmal wieder zurück kommen wolltest?“, forderte Tom mich auf.
„Ich weiß auch nicht.. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich wieder nach Deutschland zurück sollte. Und das wurde immer stärker, bis ich schließlich nachgegeben habe“, versuchte ich zu erklären.
„Aha. Naja, wie dem auch sei, ich bin überglücklich, dass du wieder da bist!“

Tom erzählte mir von seiner Abschlussprüfung, und dass er jetzt fester Bereiter auf Silvermoon war. Ich freute mich natürlich sehr für ihn, und hoffte, das meinen alten Job als Turnierreiter von den Tsubasa Stables auch wieder aufnehmen könnte.

Eine Stunde später waren wir in Hofling angekommen, und bogen in die Auffahrt von den Tsubasa Stables.
Als wir vor dem Stall hielten, kam die ganze Mannschaft nach draußen geströmt, und als ich ausstieg, gab es ein großes Hallo von allen Seiten. Julia, Nina, Davina, Philomena, Evelyn und, und und... Alle waren sie da, um mich zu begrüßen. Es war sehr schön, zu sehen, dass man selbst nach drei Jahren Abwesenheit immer noch so herzlich empfangen wird.
Natürlich spielte da auch die Neugierde mit, die immer um sich schlug, sobald ein neues Pferd im Stall eintraf.. Und da die wenigsten Soul kannten, oder wenn nur als Fohlen, waren sie auch auf ihn alle sehr gespannt.
Während Tom die Rampe runter ließ, schlüpfte ich rasch zu meinen beiden Hübschen in den Hänger. Kiss hatte sich soweit von dem Beruhigungsmittel erholt, dass sie anfing, sich aufzuregen, deshalb band ich sie als erste los und hieß Tom an, aufzumachen. Er machte den Bolzen ab und ich ließ Kiss rückwärts treten. Vorsichtig trat sie aus dem Hänger raus – das kannte sie ja mehr als zu gut – und schaute sich mit weit geblähten Nüstern um.
„Wow, die ist ja richtig schick“, kommentierte Philomena.
„Das ist dann die Stute, die einen Champion-Titel in Amerika geholt hat?“, erkundigte sich Nina.
„Ja“, gab ich zurück und nickte mega stolz.
„Cool, da hast du ja ganz schön was gemacht aus ihr“, erwiderte Nina, „ich kenne sie noch von Deutschland, als sie noch auf Moorwiesen stand. Da war sie drei und noch sehr schmächtig. Sie hat sich wirklich toll entfaltet!“
Stolz grinste ich, bevor Kiss wieder auf sich aufmerksam machte. Sie zappelte am Strick herum, und ich beeilte mich, sie in den Stutenstall zu bringen. Aufgeregt schaute sie sich um und schaufte laut durch die Nüstern, bis ich sie schließlich in ihre Box führte und den Strick abmachte. Sie drehte sich ein paar Mal und schaute sich alles an, bevor sie sich wieder beruhigte, und anfing, ihr Heu zu fressen. Schließlich kannte sie das Reisen ja eigentlich schon sehr gut, und das Fliegen auch. Sie stellte sich halt gerne etwas an, meine kleine hysterische Maus.
Von draußen wieherte Soul ungeduldig, der noch im Hänger stand. Rasch luden wir ihn auch aus, und er stellte sich stolz hin und blickte sich um.
Dann wieherte er laut, und aus den Stallungen und von den Weiden kamen einige Antworten. Soul blähte die Nüstern, und fing an herumzutänzeln. Er wollte laufen, wollte zu den anderen Pferden und alles erkunden!
„Hey, ruhig!“, ermahnte ich ihn und zupfte leicht am Strick. Sofort benahm er sich wieder, und stolz auf meinen kleinen, der sich so toll benehmen konnte, gab ich ihm ein Leckerli.
„Krass, der ist ja mal mega hübsch!“, bewunderte Cindy – sie war noch relativ neu auf den Tsubasa Stables – meinen Hengst. Nachdem alle mein wunderschönes Pferd, auf das ich sehr stolz bin, bestaunt hatten, brachte ich auch Soulkeeper in seine neue Box. Leider war er nicht mehr neben Kiss, aber hier würde er rasch andere Pferdefreunde finden.

So hielten meine zwei Pferde Einzug auf den Tsubasa Stables, und ich bekam auch meinen alten Job zurück, ebenso wie meine Wohnung, die zwischenzeitlich zwar anderweitig vermietet gewesen war, die ich aber jetzt wieder haben konnte.
„Und jetzt?“, fragte Tom mich, als wir alles geklärt hatten und der Anhänger wieder abgekuppelt auf seinem Platz stand.
„Jetzt lassen wir Soul und Kiss erst mal in Ruhe und fahren in meine Wohnung. Oder hast du heute noch was vor?“
„Nö, hab extra für dich freibekommen“, erklärte Tom und zwinkerte mir schelmisch zu.
Wir schlenderten langsam zurück zu meinem Auto und stiegen ein. Kaum zu glauben, aber sogar meinen X6 hatte ich in Italien vermisst. Ich seufzte schwer.
„Was denn?“, fragte Tom und schnallte sich an.
„Hach, es ist einfach schön, wieder zuhause zu sein“, erklärte ich und lächelte ihn glücklich an, bevor ich den Motor startete und vom Hof fuhr.

Leider sollten meine Glücksgefühle mal wieder viel zu schnell verschwinden. Dunkle Wolken zogen unbemerkt von mir auf, und bald schon sollte ich mir wünschen, nie zurück gekehrt zu sein...



Doch zunächst einmal war alles perfekt. Tom half mir, meine Wohnung wieder so herzurichten, dass ich darin übernachten konnte. Wir kochten uns gemeinsam Pasta und verbrachten einen sehr schönen Abend zusammen. Es war schon spät, als Tom sich vor der Haustür von mir verabschiedete und nach einem wunderbaren Abend den Heimweg antrat. Doch kaum war er außer Sicht, holten mich die Schatten meiner Vergangenheit wieder ein. Ich wollte gerade die Tür schließen, da entdeckte ich ihn.
Igor Loban stand an eine Hauswand gelehnt da und starrte mich finster an. Rasch schloss ich dir Tür und rannte nach oben, in meine Wohnung.
Mensch, bist du albern!, schimpfte ich gedanklich mit mir, aber ich konnte nicht anders, als schwerer zu atmen. Ich dachte an unsere letzte Begegnung zurück, an den Moment im Bus, als er telefoniert hatte. Er war sehr wütend über etwas gewesen. Aber nicht so wütend, wie an dem Abend, als er mir klar gemacht hatte, dass er mich hier in Hofling nicht sehen wollte...
Wurde ich ihn denn nie los? Den Tyrann meiner Kindheit... Ich wollte gar nicht mehr daran denken, wie er mich immer behandelt hatte, als wir noch in die selbe Klasse gegangen waren.
Aber jetzt war ich alleine in meiner Wohnung, und er war draußen. Sollte er doch machen, was er wollte, mich würde er von hier nicht so leicht vertreiben können.
So entschlossen wie ich in dem Moment war, wäre ich nicht gewesen, wenn ich geahnt hätte, das Igor Loban noch längst nicht fertig mit mir war...

Leider war das nicht der einzige Schatten, der mich in dieser Nacht einholte. Ich ging nach meiner unverhofften Begegnung rasch ins Bett und dachte an Soul, wie es sich anfühlte, ihn zu reiten, und wie froh ich war, dass er zu mir gehörte. Mit diesen beruhigenden Gedanken fiel ich bald in einen zunächst traumlosen Schlaf.

Doch dann kehrte ein längst in Vergessenheit geratener Alptraum wieder zurück. Ich hörte das panische, angstvolle Wiehern mehrerer Pferde und schreckte auf. Orientierungslos blickte ich mich um, dann hörte ich wieder das Wiehern, und rannte zum Fenster. In der Ferne sah ich dichte Rauchschwaden aus dem Wald emporsteigen, und das Flackernde Licht eines Feuers zwischen den Bäumen. Noch ein Wiehern ließ mich zusammenzucken. In fliegender Eile stürmte ich aus dem Haus auf die menschenleere Straße. Die Laternen schienen kaputt zu sein, nur der Mond beleuchtete unheilvoll die Szene. Warum war ich die einzige, die das Wiehern gehört, und das Feuer bemerkt hatte? Jemand musste die Pferde retten! Dieser Gedanke trieb mich vorwärts, und ich rannte auf den Waldrand zu, bis ich schließlich durch den dunklen Wald hastete. Äste schlugen mir ins Gesicht und spitze Tannennadeln bohrten sich in meine Füße, aber ich musste weiter, musste die Pferde befreien.
Schließlich konnte ich das bedrohliche Flackern der Flammen hören, atmete den dichten Qualm ein und hustete. Meine Augen tränten von dem beißendem Rauch, und als ich durch die letzten Bäume brach, sah ich das flammende Inferno vor mir.
Mit Tränen in den Augen starrte ich auf das flackernde Feuer, dass alles verschlang. Den Stall, die Pferde. Es war zu spät, ich war zu spät, um sie zu retten. Warum mussten sie so qualvoll sterben?
Verzweifelt ging ich in die Knie und schlug mir die Hände vors Gesicht, um diesen grausamen, lichterloh brennenden Scheiterhaufen nicht mehr sehen zu müssen.
Als meine Tränen langsam versiegten und ich aufhörte zu schluchzen, wurde mir auf einmal klar, das etwas sich verändert hatte. Ich wusste zunächst nicht, was es war, aber mir war plötzlich sehr unheimlich, Schauer liefen mir über den Rücken und ich blickte angstvoll auf.
Schlagartig wurde mir klar, was passiert war; das Feuer war aus. Nicht nur aus, sondern schon abgekühlt. Die Holzbalken, die einst ein Stall gewesen waren, waren seit langen Jahren schon erkaltet und in sich zusammengefallen. Eine unheimliche Stille lag über dem Ort, und etwas daran wunderte mich. Ich betrachtete die Überreste des Stalles, bildete mir ein noch einzelne Nägel und... sogar Knochenreste von Pferden zu erkennen. Ich schlang die Arme um mich und rieb mit den Händen über meine Oberarme. Die armen Pferde, die hier so qualvoll hatten sterben müssen! Warum? Irgendetwas war vor sehr langer Zeit geschehen, und niemand hatte ihnen geholfen.
Und plötzlich wurde mir klar, was so unheimlich an dem Ganzen war; denn obwohl der Brand scheinbar schon viele Jahre zurücklag, hatte die Natur den Platz nicht zurückerobert. Als wäre die Erde, auf der der Stall stand, verdorben, wuchs hier kein Gras, kein Moos und auch keine Pflanzen ragten aus den Trümmern. Mich überfiel plötzlich panische Angst, und ich wich zurück. Ich hatte das Gefühl, beobachtet zu werden, und meinte, hinter dem Stall den Schatten einer Gestalt auftauchen zu sehen. Blitzschnell drehte ich mich um und rannte, so schnell ich konnte. Rannte weg von dem verfluchten Ort, dem traurigen Schicksal der Pferde, der Gestalt, die mich beobachtete, und vor allem vor den meinen Träumen, die mich nun schon zum zweiten Mal hierhin geführt hatten.

Wie ich nach Hause gekommen war, wusste ich nicht mehr. Ich wachte am nächsten Morgen auf, und fragte mich, ob ich das alles nur geträumt hatte, oder ob ich wieder geschlafwandelt war. Schlaftrunken rieb ich mir die Augen und dachte an die vergangene Nacht. Ich konnte mich noch so genau an den Geruch des Feuers, an das bedrohliche Knistern, erinnern. Wie konnte ich so etwas reales, greifbares träumen? Langsam schlug ich die Bettdecke zurück, stand auf, und erschrak, als ich sah, wie zerrissen mein Nachthemd war. Ich hatte also nicht alles geträumt!
Ich fröstelte durch die kühle Morgenluft, die durchs offene Fenster in mein Schlafzimmer kam, schloss das Fenster und zog mir meinen Morgenmantel über.
Diesem mysteriösen Stallbrand würde ich heute auf die Spur gehen. Ob ich die Ruine des Stalles überhaupt wiederfand?

Nach dem Frühstück zog ich mir rasch meine Reitklamotten an und fuhr zum Stall. Mit dem Auto ging alles viel schneller, und ich war wirklich froh, es gekauft zu haben. Ich fuhr zügig auf der Straße Richtung Stall und war schon bald angekommen. Meine zwei wunderbaren Pferde warteten noch in ihren Boxen auf mich, und beschwingt betrat ich als erstes den Hengststall.
„Hey, Lisa!“ Nina kam mir gerade entgegen.
„Oh, hallo!“, gab ich fröhlich zurück.
„Na, willst du das erste Mal wieder in Deutschland reiten?“, fragte Nina neugierig.
„Jap. Ich freue mich schon drauf! Mal sehen, wie meine zwei sich hier machen“, erklärte ich.
„Oh, cool, ich will unbedingt mal zuschauen, ich bin ein großer Fan von Soul! Falls du ihn mal decken lassen willst, denk an mich, ja?“, bat sie und ich versprach, ihr Bescheid zu geben, falls Soul in den Deckeinsatz gehen sollte.
Ich zog die Stalltür auf und sofort klang mir ein fröhliches Wiehern entgegen. Soul streckte seinen Kopf aus der Boxentür und nickte auffordernd. Er hatte mich sofort gesehen und wollte, dass ich zu ihm kam.
Während ich rasch zu seiner Box lief, bewunderte ich sein ausdrucksstarkes Gesicht und die klugen Augen. Oh, wie ich ihn liebte! Mein toller Soulkeeper, der beste Hengst überhaupt! Immer gut gelaunt, immer mit Spaß an der Arbeit.
„Hallo mein Hübscher!“, begrüßte ich ihn und streichelte ihm zärtlich übers Gesicht. Er brustete sanft in meine Haare und spielte mit den Lippen an meinem Ohr, sodass seine Barthaare mich kitzelten.
„Na, wollen wir gleich ein bisschen arbeiten?“, fragte ich ihn und klopfte lachend seinen muskulösen Hals. Er nickte wie zur Bestätigung, und ich steckte ihm noch ein Leckerli zu, dann gab ich ihm einen Kuss auf die Nüstern und ließ ihn erst mal in der Box, um auch Kiss zu begrüßen.

Die braune Stute brummelte leise, und schaute mir aufmerksam entgegen, als sie mich in der Stalltür auftauchen sah.
„Na, Championesse, gut geschlafen?“, fragte ich sie und zog zärtlich an ihren Ohren. Entrüstet schnaubte sie mich an, und ich hielt ihr lachend ein Leckerli hin. Vorsichtig nahm sie es von meiner Handfläche und kaute genüsslich. Sie war nicht so überschwänglich wie Soul, aber auf ihre leicht zurückhaltende Art ließ sie mich doch merken, dass ich ihr mit der Zeit ans Herz gewachsen war.
„Kiss, heute müssen wir uns mal ein bisschen im Wald umsehen, okay? Soul ist noch ein bisschen jung für solche Touren, mit dem gehe ich lieber erst mal auf den Platz“, erzählte ich ihr, bevor ich sie noch einmal streichelte und dann wieder zu Soul in den Hengststall ging.
Ich zog ihm ein Halfter über und er tänzelte übermütig hinter mir her zum Putzplatz. Mit stolz gewölbtem Hals sah er sich aufmerksam in der neuen Umgebung um und prustete dann lauthals durch die Nüstern.
„Oh, du kleiner Angeber!“, lachte ich und band ihn fest. Seine Eskapaden machten mir nichts aus, und da er immer gut zu händeln war, ließ ich ihm den Spaß.
Beim Putzen aber hielt er schön still und ließ sich die langsam wärmer werdende Frühlingssonne auf das nachtschwarze Fell scheinen.
Ich striegelte ihn, bis er wie poliert glänzte, dann holte ich seinen Dressursattel und die Trense.
Im Handumdrehen war er fertig gesattelt und getrenst. Ich führte ihm zum Dressurplatz, und begegnete unterwegs Catrice mit einem ihrer Pferde.
„Hey! Ist das dein Hengst? Ich hab gestern leider deine Ankunft verpasst!“
„Ja, das ist er. Soulkeeper ZM“, sagte ich stolz und tätschelte ihm den Hals.
Soul hingegen schaute auf Catrice' Pferd und streckte sich, um ihn beschnuppern zu können.
„Nanana, lass das mal lieber!“, hielt ich ihn zurück, und Soul stampfte frustriert auf, stand dann aber gehorsam still.
„Der ist echt schick! Dann wünsche ich dir mal viel Spaß bei deiner ersten Trainingslektion mit ihm in Deutschland!“

Kurze Zeit später saß ich im Sattel und ritt an. Es war ein wunderbares Gefühl, auf meinem starken, vor Energie nur so strotzenden Hengst zu sitzen.
Ich dachte an die Zeit zurück, als ich das allererste Mal auf seinem Rücken gesessen hatte...

„Okay, bleib stehen, ich richte mich mal auf“, sagte ich zu Emma, die Soul anhalten ließ.
Langsam schwang ich mein Bein auf die rechte Seite und richtete meinen Oberkörper auf.
Soul spielte aufmerksam mit den Ohren, und wollte sich nach mir umdrehen. Emma hielt ihn aber fest.
„Lass ihn ruhig“, ermutigte ich Emma, die Soul daraufhin den Strick locker ließ.
Er drehte seinen hübschen, schwarzen Kopf nach mir um und spielte mit den Lippen an meinem Schuh herum, bevor er wieder nach vorne schaute und loslaufen wollte.
„Haalt“, befahl ich und Soul blieb stehen, schaute sich noch einmal um, woher das Kommando gekommen war. Dann schien er es kapiert zu haben, dass ich auf seinem Rücken saß, aber trotzdem mit ihm reden konnte, und stand entspannt in der Halle. Schließlich lief Emma los, und ich spürte zum ersten Mal das kraftvolle Spiel von Soul's Muskeln zwischen meinen Oberschenkeln. Sein Fell fühlte sich seidig an, und ich hatte das Gefühl, hoch oben über allem zu thronen. Über meinen Sorgen und Problemen, fernab von allem. Hier war ich unantastbar und unbesiegbar. Es war ein einzigartiges Gefühl, und ich war so glücklich, dass ich endlich auf meinem Hengst reiten würde!

Und jetzt, ein paar Wochen später, saß ich hier in Deutschland auf Soul. Diesmal ohne Hilfe, aber dafür mit Sattel. Soul kannte die Hilfen mittlerweile schon ganz gut, aber wir mussten noch viel Arbeiten, um ein gutes Team zu bilden.
Temperamentvoll wölbte Soul den Hals und fing an, unter mir zu tänzeln.
„Nein!“, mahnte ich und gab eine leichte, halbe Parade, um ihn wieder zur Ordnung zu rufen. Soul ging wieder in seinen raumgreifenden Schritt über, und ich ließ ihm die Zügel lang, um ihn erstmal warmzureiten.
Während ich Schritt ritt, gesellte sich Nina gefolgt von Annabella und Vivi zu mir. Sie stellten sich an den Zaun und schauten zu, wie ich meinen vierjährigen Hengst anfing, zu traben.
Ich ließ ihm die Zügel relativ lang, versuchte nur, eine ganz leichte Verbindung zu halten, und trabte leicht. Soul sollte dabei sein eigenes Tempo traben, und ich ließ ihn einfach unter mir laufen. Er fand schon von selbst in einen fleißigen Takt und ich lobte ihn immer wieder.
Am Anfang beäugte er aufgeregt die Blumenkasten, die am Rand des Vierecks standen, aber das legte sich auch irgendwann, und ich fing langsam an, mehr einzuwirken. Ich ließ ihn ein paar Zirkel und Handwechsel gehen, wobei ich die Zügel immer mehr aufnahm, bis ich eine konstante Verbindung zum Pferdemaul hatte.
Im Hinterkopf hatte ich dabei immer die Ausbildungsskala, vorallem die ersten drei Punkte, an denen ich momentan mit Soul arbeitete; Takt, Losgelassenheit, Anlehnung. Den Takt beherrschte er schon ganz gut. Ab und an schwankte er etwas, da er noch nicht sehr ausbalanciert war, aber das konnte ich immer gut ausgleichen.
Nach ein paar Runden ließ er den Kopf immer mehr fallen und entspannte sich zusehends. Schließlich schnaubte er ab, und aus dieser Losgelassenheit ergab sich automatisch eine verbesserte Anlehnung. Er suchte die Verbindung und trat vertrauensvoll an das Gebiss heran.
„Feiiner Kerl!“, lobte ich ihn und parierte ihn durch zum Schritt. Das klappte auch schon sehr gut, denn durch das Longieren hatte er schon die Stimmkommandos gelernt, und ich brauchte sie nur in Kombination mit den anderen Hilfen einzusetzen, um an mein Ziel zu kommen.
Nun ritt ich ein paar Übergänge vom Trab in den Schritt und anders herum. Das klappte immer besser, und schließlich nahm ich auch den Galopp hinzu. Das erste angaloppieren war zunächst noch etwas holprig, da er nicht sofort verstand, was ich von ihm wollte, aber beim zweiten Mal klappte es schon viel besser. Auch hier arbeitete ich daran, einen klaren Takt zu erlangen, und Soul lernte sehr schnell. Ruhig galoppierte er auf dem Zirkel und schnaubte immer wieder ab. Auch im Galopp entwickelte sich eine leichte Anlehnung, und nachdem ich auf beiden Händen ein paar Mal galoppiert war, beendete ich das Training mit ein paar Runden im Trab am langen Zügel.
Vom Rand ertönte mehrfaches Klatschen, als ich schließlich zum Schritt durchparierte.
„Das war echt eindrucksvoll!“, erklärte Nina.
„Ja, er scheint regelrecht übers Viereck zu tanzen, obwohl er noch so jung ist!“, meinte Vivi.
„Und noch dazu diese krassen Gänge...“, schwärmte auch Annabella und ich grinste breit vor Freude über solches Lob von allen Seiten.

Einige Zeit später – nachdem ich mein übliches „Maestro-Programm“ bei Soul abgezogen hatte – stellte ich ihn auf die Weide, wo er sofort übermütig bockend ein paar Runden drehte, bevor er sich seiner Umgebung widmete. Er betrachtete alles ganz genau, beobachtete die andern Pferde, wieherte ihnen zu und tänzelte am Zaun entlang. Ich schaute ihm eine Weile zu, dann machte ich mich auf den Weg zu Kiss.
Aufmerksam beobachtete die hübsche Stute, wie ich näher kam und streckte mir dann vertrauensvoll ihren Kopf entgegen, damit ich ihr das Halfter anziehen konnte.
Ich brachte auch sie zum Putzplatz, wo sich auch Philomena mit ihrem Pferde eingefunden hatte. Wir plauderten eine Weile, und ich erzählte ihr von den Turnieren, die ich mit Kiss in Amerika bestritten hatte, bevor ich mit Kiss den Hof verließ. Ich hatte für sie Soul's Springsattel genommen, aber ich nahm mir vor, noch heute eigene für Kiss zu kaufen.
In einem flotten Schritt lenkte ich Kiss den Weg entlang Richtung Wald. Sie erschrak am Anfang des Weges vor einer Plastiktüte, die im Wind flatterte, und fing an zu tänzeln und mit den Augen zu rollen.
„Hey, ist doch guuut. Du hysterisches Huhn“, sagte ich in einem beruhigenden Tonfall und streichelte über ihren Hals. Sie wollte nicht aufhören zu tänzeln, und so ging es den ganzen Weg, bis sie sich endlich, schon im Wald angekommen, langsam beruhigte und wieder Schritt ging.
„Braave“, murmelte ich und klopfte ihre Schulter. Das sie immer so ein Theater machen musste! Auch jetzt noch, nachdem wir soviel gesehen hatten, und so viel zusammen erreicht hatten, hatte sie immer noch Angst vor einer Plastiktüte! Aber so war sie nun mal; sie übertrieb gerne und steigerte sich in Situationen hinein. Und genau so liebte ich sie! Mit ihr wurde es nie langweilig.
Ich ritt einen breiten Waldweg entlang, und überlegte, in welcher Richtung der abgebrannte Stall wohl liegen mochte. Ich vermutete, dass er rechts vom Weg liegen musste, da Hofling rechts hinter mir war, und ich ja von meiner Wohnung aus zu Fuß dorthin gelangt war. Und ich meinte, dass ich dabei nicht so einen breiten Weg überquert hatte, auf dem ich mich jetzt befand. Also hielt ich Ausschau nach einer Abzweigung nach rechts. Da nirgends etwas zu sehen war, ließ ich Kiss antraben. Ich hielt das Tempo langsam, um nichts zu übersehen. Kiss schnaubte zufrieden und schaute sich aufmerksam um. Dieser Wald war anders als der, den sie gewohnt war! Und auch die Temperatur war anders, hier war es viel kühler, als in Italien. Aber das schien ihr überhaupt nichts auszumachen.
Trotz des Schattens im Wald war es ein schöner, heller Frühlingstag, und ich genoß die frische Waldluft und das Zwitschern der Vögel in den Baumwipfeln.
Bald kam ich an eine Kreuzung, von der auch ein Weg nach rechts führte. Ich parierte Kiss zum Schritt durch und lenkte sie nach rechts. Der Weg war etwas schmaler, aber immer noch ziemlich gerade und ohne Wurzeln oder ähnliches.
Ich ließ Kiss angaloppieren, und hielt sie in einem langsamen Kanter. Das sanfte Auf und Ab ihrer kräftigen Galoppsprünge war ein schönes, familiäres Gefühl, und ich genoß den Ritt sehr. Schließlich sah ich weiter vorne eine Lücke in den Bäumen, und parierte Kiss vom Galopp in den Schritt, was diese flüssig ausführte. Kiss und ich waren wirklich mittlerweile zu einem routinierten, eingespielten Team geworden! Und dass nicht zuletzt mit Hilfe des Maestros, der mir wirklich sehr viel beigebracht hatte.
Die Lücke war ein breiter Pfad, der sich durch die Bäume in den Wald zu meiner Rechten wand. Ich schlug ihn ein und Kiss schritt eifrig voran. Ich navigierte sie um die Bäume herum, während der Pfad immer schmaler wurde, bis er schließlich in einen engen Trampelpfad überging, der kaum noch wahrzunehmen war, zwischen den Bäumen. Schließlich mündete er in eine Lichtung, die ich irgendwoher kannte...

Ich schaute mich auf dem idyllischen Platz um. Da verlief ein kleiner Bach am Rand der Wiese, die kleinen Felsen, die ihn säumten... Hier war ich schon mal gewesen! Das war zwar schon ein paar Jahre her, aber ich wusste noch, dass ich hier aufgewacht war, nachdem ich das erste Mal von dem Stall geträumt hatte... Also musste er ganz in der Nähe sein! Ich lenkte Kiss auf die Mitte der Lichtung und suchte schaute auf die Baumwipfel. Ich konnte mich daran erinnern, dass man von hier aus die Burgruine sehen konnte... Und tatsächlich, da hinten sah ich die Spitze des Turms!
„Komm, wir schauen uns mal um!“, munterte ich Kiss auf, schnalzte mit der Zunge und lenkte sie auf den Wald zu. Aber ich konnte keine Stelle entdecken, an der ich hätte in den Wald hineinreiten können, da war nur der Pfad, von dem wir gekommen waren. Da Kiss zögerte, und nicht wirklich ins Dickgicht reingehen wollte, sprang ich ab.
„Wir schaffen das schon, Mädchen, oder?“, fragte ich sie und streichelte ihren Hals. Dann nahm ich die Zügel von ihrem Hals und führte sie in den Wald rein. Vertrauensvoll folgte sie mir über Baumstämme und durch den zugewachsenen Wald hindurch, immer in Richtung der Burgruine, denn ich wusste, dass der Stall ganz in der Nähe sein musste.
Nachdem wir uns ganz schön lange durch den dichten Wald gekämpft hatten, waren wir endlich am Fuße des Hügels, auf dem die Burgruine über dem Wald aufragte, angelangt. Ich schaute nach oben zu dem alten Gemäuer. Solche Bauten aus dem Mittelalter hatten mich schon immer fasziniert, und ich nahm mir vor, ein andermal die ganze Ruine zu erkunden. Heute aber hatte ich mir den Stall vorgenommen, und so wandte ich mich ab und fing an, den Wald um die Burg herum systematisch abzusuchen.
Es kam mir vor, als würden wir uns schon eine halbe Ewigkeit durch den Wald kämpfen, und ich merkte, wie Kiss immer unruhiger wurde, als ich schließlich die Suche aufgab.
Ich war sehr enttäuscht, denn ich wollte wirklich gerne das Rätsel um den abgebrannten Stall lösen, aber ich konnte ihn nicht finden. Vielleicht lief ich die ganze Zeit knapp dran vorbei? Ich wusste es nicht, und würde es heute wohl auch nicht mehr in Erfahrung bringen. Niedergeschlagen orientierte ich mich an der Spitze des Turms, die aus dem Wald ragte, um wieder eine grobe Orientierung zu bekommen. Nach einer Weile erreichten wir endlich wieder einen normalen Weg, sodass wir von da an rasch vorankamen, und bald wieder auf dem Hof eintrudelten.
Ich gönnte Kiss eine besonders gründliche „Maestro-Behandlung“, bevor ich auch sie auf die Weide brachte.

#2 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lucy 25.04.2014 21:35

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Spannend zu lesen! Eigentlich wollte ich ja bewerten, aber musste den nächsten Text von dir verschlingen. :D

- Der Traum ist voll gut beschrieben. Gänsehaut. Irgendwie hoffe ich das du den Stall findest, weil es wäre spannend, aber irgendwie auch nicht, weil damit dein Alptraum wahre ist... :(
- Bist du ganz sicher das Tom "nur ein Freund" ist?
- Finde es toll, dass du kleine Details aus andern Beris einbaust!
- Ach ja und "Willkommen zurück!"
- Jetzt haben wir wirklich eine Starreiterin unter uns. Du machst Cate Konkurrenz ^^ :D Kann ja so was im nächsten Turnier-Bericht einbauen.

#3 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lisa 27.04.2014 11:01

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ja, das ist immer so schwer mit den männlichen "nur-Freunde" dings :D
(sieht man ja auch bei jessy, die mit ihrem besten freund zsm ist^^)
die beris bauen ja aufeinander auf, habe schon beim dritten bericht geplant gehabt, was jetzt kommt^^ (dreißig berichte später dann endlich... :D )
bin froh, wieder in deutschland zu sein, dann kanns endlich mal voran gehen, obwohl es in italien echt total schön war *__*

& da werd ich ja ganz rot, von wegen Starreiterin :) dauert noch bisschen, aber bald ist kiss alt genug für die ganz großen aufgaben <3

#4 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lucy 27.04.2014 20:06

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Jep! Aber ich baue dich und Kiss glaub echt mal in meinen Beri ein, wenn du gegen Cate startest. Wer dann gewinnt muss ich wohl dann echt Würfeln, weil dass dann verdammt schwer wird zum Entscheiden...

Ach ja dein Tom wird mir immer sympathischer, keine Ahnung, aber irgendwas hat er von meinem Tobias. :D

So und irgendwas war noch... Mmm... will mir nicht mehr einfallen, dann war es wohl auch nicht so wichtig, sonst schreibe ich es noch, wenn es mir in den sinn kommt....

#5 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lisa 27.04.2014 23:20

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mach das, bin mal gespannt wie das ausgeht :D kannst uns ja auch öfter gegeneinander starten lassen^^
Und tom kannst du ruhig jetzt auch immer einbauen, ist ja (bei mir zumindest) jetzt bei dir fest angestellt :)

#6 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lucy 28.04.2014 17:00

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Jep er ist schon in meinem nächsten Beri drin (zumindest stellt er sich da meinem Dad vor). Das er die Ausbildung bei ihm macht, schreibe ich nicht so genau, weil das dann Zeitmässig ein heiles Durcheinander gibt. Ich schreibe einfach das er in Amerika Western ritt und bei Maestro englisch lernte und dies zwar noch nicht perfekt beherrscht, aber dafür super mit Pferden umgehen kann und es auch schnell lernt...

Jap und das mit den Turnieren ist eine gute Idee.

#7 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lisa 28.04.2014 17:40

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ja, ich hatte ja diesen zeitsprung, also bei mir ist er jetzt schon bald fertig mit ausbildung, und reitet dementsprechend auch schon seit vier jahren bei euch^^ (td sind deine zwillinge erst ein paar monate alt :D )
ist halt bisschen kompliziert, hab ich das gefühl^^
aber Soul ist halt jetzt schon vier, die vier jahre wollte ich nicht "wegmogeln" -> also ich bin auch schon älter, als es in meinem steckbrief steht... 23 müsste ich jetzt sein :D

#8 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lucy 28.04.2014 20:14

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Irgendwie geht es immer auf und sonst wird halt an den Zahlen gedreht und geschraubt... :D

#9 RE: 32. Bericht: Schnee, Alpträume und zwei wundervolle Pferde von Lisa 28.04.2014 21:13

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stimmt :D

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