#1 33. Bericht: Nachforschungen und M Sprünge von Lisa 28.04.2014 21:14

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In den kommenden Nächten wurde ich ständig von diesen Alpträumen geplagt. Ich wurde jedes Mal aufs Neue damit konfrontiert, dass ich die Pferde nicht retten konnte. Sie verbrannten in diesem Stall, und ich konnte nichts dagegen tun, kam immer wieder zu spät. Jeden Morgen wachte ich total erschöpft auf und fand die Spuren meiner nächtlichen Abenteuer an meinem Körper. Ich versuchte tagsüber meine extreme Schlafwandlerei so gut es geht zu verdrängen, und suchte auch nicht nochmal nach dem Stall. Stattdessen konzentrierte ich mich vollkommen auf meine beiden Pferde. Soul machte rasche Fortschritte, er fing an, in einer sehr schönen Anlehnung zu laufen und wir absolvierten unsere ersten Sprünge.
Mit Kiss arbeitete ich intensiv an den verschiedenen Lektionen, und forderte immer schwierigere Dinge von ihr. Aber Kiss lernte schnell und kam spielend mit allem klar, was ich von ihr verlangte. Ab und an besuchte ich Tom auf dem Gestüt Silvermoon, und schaute auch immer wieder nach Lucy und ihren Zwillingen. Das Wetter war sehr unbeständig; mal war es richtig schön warm, aber an anderen Tagen wiederum wehte kalter Wind und es regnete häufig.
So gingen die Tage rasch vorbei, und ich kam einfach nicht dazu, meiner Suche weiter nachzugehen.
Aber zehn Tage, nachdem ich wieder in Deutschland war, änderte sich mein allnächtlicher Traum. Zwar blieb die Handlung sozusagen die gleiche, aber doch war etwas ganz anders... Die Atmosphäre hatte sich verdichtet, es war kälter geworden, unheimlicher... dringlicher.
Ich spürte es, dass sich etwas verändert hatte, es war schrecklich, und ich wollte diesen Traum nie wieder haben. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, fasste ich den Entschluss, noch mal auf die Suche zu gehen, und diesmal nicht locker zu lassen, bis ich etwas finden würde!
Direkt nach dem Frühstück also begab ich mich in den Stall, schnappte mir Soul und ritt ohne Sattel vom Hof. Es war ein sehr schönes Gefühl, Soul's starke Muskeln unter mir zu spüren, und sein seidiges Fell fühlte sich wirklich toll an. Ich spielte mit seiner mittlerweile recht langen Mähne, und bedauerte es, dass ich sie bald würde abschneiden müssen, da nächste Woche das erste Turnier anstand, und ich dann doch zu faul war, so eine lange Mähne einzuflechten.
Rasch hatte ich den richtigen Weg zur Lichtung gefunden, und Soul bewegte sich eifrig durch den dichten Wald darauf zu. Als wir an dem Bachlauf, der am Rande der Lichtung floss, angelangt waren, wollte Soul auch gar nicht erst anhalten, sondern bewegte sich wie selbstverständlich auf den Waldrand zu. Im Gegensatz zu Kiss drängte er förmlich ins Dickicht, und ich musste nicht absteigen.
Zielstrebig bahnte mein schwarzer Hengst sich seinen Weg durch den Wald, zunächst immer auf die Turmspitze zu, die ich wieder über den Bäumen entdeckt hatte. Doch plötzlich wollte er seine Richtung ändern, und ich hielt ihn an.
„Hey, Soul, wo willst du denn hin? Hast du irgendeine Stute gerochen, oder wie?“, schalt ich ihn sanft, bevor ich wieder versuchte, ihn in die richtige Richtung zu lenken.
Mein sonst so gehorsamer Hengst schüttelte energisch den Kopf und weigerte sich, meinen Hilfen zu gehorchen, bis ich irgendwann nachgab.
Mittlerweile war ich neugierig geworden, was ihn so sehr in diese Richtung zog, dass er sich mir sogar widersetzte. Eine Weile kämpften wir uns noch durch den Wald, bevor Soul in einem Bogen wieder in Richtung der Burg zurück ging, bevor er plötzlich anhielt. Er stand stocksteif da, sein ganzer Körper war wie ein Bogen gespannt und fühlte sich an, wie eine Bombe kurz vor der Explosion. Seine Nüstern weiteten sich und seine Ohren waren straff gespitzt. Er fixierte etwas, und ich schaute um seinen hoch erhobenen Kopf herum, um zu ergründen, was ihn so aufregte.
Und da sah ich es auch.
Zwischen den Bäumen konnte ich die verbrannten Überreste des Stalles entdecken, die verkohlte Erde, die vom Ruß schwarz gefärbten Holzbalken. Das Ganze wirkte wie frisch abgebrannt, kein einziger Grashalm hatte sich dorthin verirrt. Eiseskälte schien von dem Ort aufzukommen, waberte auf uns zu und wollte uns verschlingen. Soul merkte es auch, das gab er mir überdeutlich zu verstehen, also bildete ich mir das Ganze doch nicht ein, oder? Ein Schauder zog über meinen Körper, und ich bekam Gänsehaut, trotz des doch sehr milden Frühlingswetter an diesem Tag.
„Soul, wir haben es tatsächlich gefunden“, sagte ich mit brüchiger Stimmte leise zu meinem Hengst, hauptsächlich, um die unheimliche Stimmung zu durchbrechen, und einfach nur, um meine eigene Stimme in dieser Grabesstille hören zu können.
Mein normalerweise mutiger Hengst fing leicht an zu zittern und stampfte unruhig auf. Seine Muskeln waren angespannt, wie ein Bogen kurz vor dem Loslassen der Sehne, wie eine Bombe direkt vor der Explosion. Ich saß auf einem Pulverfass, und nur ein winziger Funken würde zur Explosion reichen.
„Gaaanz ruhig“, versuchte ich Soul zu beruhigen, und streichelte sanft über seinen Hals. Soul prustete nervös durch die Nüstern, was sich sehr sehr laut in der unheimlichen Stille anhörte. Langsam wich er von der Ruine zurück, von den schwarzen, verkohlten Trümmern, die so unnatürlich frisch wirkten.
Plötzlich knackte es im Unterholz, und wieder schien das Geräusch viel zu laut, das Knacken hallte wie ein Schuss durch den Wald. Der Startschuss für Soul, der auf der Hinterhand herumwirbelte und losschoss. Ich wurde von der abrupten Bewegung beinahe vom Pferd geworfen, klammerte mich krampfhaft an der Mähne fest und presste meinen Oberkörper an Soul's Hals, um nicht von tiefhängenden Ästen getroffen zu werden. In wilder Hast ging es durch den Wald, Soul umrundete geschickt die im Weg stehenden Bäume und brach gewaltvoll durchs Unterholz, bis er endlich schwer atmend auf der Lichtung zum Stehen kam.
Atemlos saß ich auf meinem Hengst, der in Schweiß ausgebrochen war, und versuchte, wieder runter zu kommen. Ich holte tief Luft, und ließ Soul im Schritt um die Lichtung herum gehen, um auch ihn wieder zu beruhigen. Was war dass den gerade gewesen?, fragte ich mich. Aber so schnell fand ich keine Antwort auf diese Frage. Dieser Stall, der jetzt nicht nur ein Gegenstand meiner Alpträume war, sondern plötzlich ganz real, am helllichten Tag erschienen war, den Soul – nicht ich – gefunden hatte, schien irgendwie unnatürlich zu sein, als wäre er in der Zeit stehen geblieben, ein trostloser, trauriger Ort voller Gram über das Unglück, das dort passiert war.
Entschlossen lenkte ich Soul wieder auf den kleinen Pfad, der zum Hauptweg im Wald führte, Ich würde heute nicht mehr zu dem Stall reiten, dafür fühlte ich mich nicht in der Lage. Aber ich würde Nachforschungen anstellen, ins Zeitungsarchiv gehen, im Internet googeln.. Irgendwo musste ich doch etwas finden, wenn hier tatsächlich viele Pferde bei lebendigen Leib verbrannt waren, dann würde das irgendwo aufgezeichnet sein. Oder?
In ruhigem Schritt ging Soul auf dem weichen Waldboden dahin. Er hatte sich wieder beruhigt, und hier war die Stimmung, obwohl wir immer noch im selben Wald waren, plötzlich sehr friedlich. Die Vögel waren voll im Frühlingsrausch, zwitscherten um die Wette, und die Sonne schien fröhlich durch die Äste und Blätter der Bäume hindurch, die wieder in leuchtendem Grün erstrahlten. Der Boden federte angenehm, und dämpfte Souls Schritte. Sobald wir wieder auf dem breiten Weg angelangt waren, ließ ich Soul an galoppieren, und genoss die sanfte Brise, die meine Haare im Wind zerzauste.
Viel zu schnell war der Weg zu ende, und ich musste Soul wieder durch parieren. Im Schritt ging es zurück zum Hof, auf dem emsiges Treiben ausgebrochen war. Einige andere Einsteller führten oder Ritten ihre Pferde über den Hof, putzten sie oder schauten ihnen beim ausgelassenen Toben auf der Weide zu.
Seit ich wieder da war, waren einige Einsteller dazugekommen, sodass der Hof voller Leben war. Ich konnte mir die ganzen Namen nie merken, und dachte traurig an Fiona, die den Hof leider verlassen musste. Ihren Namen hatte ich mir gerade gemerkt, und schon war sie wieder weg! Aber so war es im Leben; die Leute kamen und gingen. Auch Lucy war schließlich nicht mehr in Hofling; ihre Pferde standen zwar noch hier, aber sie wohnte jetzt in Sonntal, bei ihrer Familie auf dem Gestüt. Dafür war eine neue „Engländerin“ gekommen; Cindy kam auch aus England, und lebte sich hier so langsam ein.
Ich grüßte alle, die mir über den Weg liefen, freundlich, und stieg vor dem Stall ab, um Soul in seine Box zu bringen. Dort bürstete ich ihn noch rasch über, zog ihm die Trense aus und das Halfter an, dann führte ich ihn zum Waschplatz. Ich spritzte ihn gründlich ab, trocknete seine Hufe, bevor ich sie Einfettete, und wusch seine Nüstern und Augen gründlich aus. Schließlich band ich ihn wieder los und führte ihn über den Hof. Die Sonne strahlte hell, und Soul würde bald wieder trocken sein.
Da wir nicht besonders viel gemacht hatten, beschloss ich, ihn noch eine halbe Stunde in die Führanlage zu stecken. Diese war schon in Betrieb, als ich sie erreichte; Lucy ließ gerade Madonna rund laufen.
„Oh, hey, wir treffen uns ja mal wieder hier!“, begrüßte ich sie und lächelte sie an. Sie sah ein wenig blass und erschöpft aus, aber ansonsten ging es scheinbar, denn sie lächelte fröhlich zurück.
„Ja, muss ja auch nach meinen Pferden schauen, selbst wenn ich noch nicht reiten kann“, erklärte sie.
„Schick sieht er aus! Putzt ihn immer so heraus?“, fragte sie dann mit einem Blick auf Soul, der sich ein wenig aufgepumpt hatte, als er die Stute entdeckt hatte.
„Ja“, lachte ich leicht verlegen, „Soul, hör auf! Ähm, ja, das ist nach der langen Zeit in Italien zur Routine geworden, weil der Maestro – der Chef da – hat da immer sehr viel Wert drauf gelegt, dass die Pferde Tipp-Top aussehen“, erzählte ich Lucy, während ich meinen wieder ruhig gewordenen Hengst in die Führanlage entließ, sodass er jetzt – sicherheitshalber mit einem Abteil Abstand – hinter Madonna her lief.
„Er benimmt sich aber gut, dafür, dass er ein Hengst ist!“, kommentierte Lucy, und ich nickte stolz.
„Ja, das hat er schon gut gelernt, zum Glück!“, bestätigte ich.
„Wir fangen jetzt mit den ersten Turnieren unterm Sattel an, da wäre es ja nicht sehr förderlich, wenn er nach den ganzen Stuten auf dem Abreiteplatz Ausschau halten würde!“
„Da hast du Recht!“, lachte Lucy., „Dann wünsche ich dir mal viel Glück!“
Ich dankte ihr, dann machte ich mich langsam auf den Weg zur Weide, auf der Kiss schon stand. Als ich an den Zaun trat, hob sie ruckartig den Kopf und schaute mich kurz aufmerksam an, bevor sie sich in Bewegung setzte, und langsam zu mir rüber kam.
„Na, meine Hübsche“, begrüßte ich sie, und gab ihr ein Leckerli.
„Hey, sie frisst ja doch Leckerlis!“, kam da von der Seite prompt ein Kommentar. Chris hatte uns beobachtet, und trat zu uns.
„Wenn ich ihr eins zustecken will, ist sie sich scheinbar immer zu fein dafür!“, erklärte er.
„Ja, sie ist bei nicht vertrauten Personen immer ein wenig. Abweisend“, erzählte ich.
„Ja, das habe ich auch schon gemerkt!“, lachte Chris, dann machte er sich wieder an die Arbeit, während ich Kiss zum Putzplatz führte. Es war schön, dass wir wieder zuhause in Deutschland waren, obwohl es in Italien wirklich wunderbar gewesen war. Und jetzt hatte ich Kiss hier, Ich konnte es immer noch kaum glauben. In Italien war es mir wie ein Traum vorgekommen, dass Kiss – diese wundervolle, sehr talentierte Jungstute, tatsächlich mir gehörte, aber jetzt, hier in Deutschland, wurde es irgendwie greifbarer, realer. Mein Traum war Wirklichkeit geworden; ich hatte mir von meinen Eltern unabhängig ein Leben aufgebaut, mein eigenes Geld verdient und mittlerweile besaß ich sogar zwei wundervolle, wahnsinnig talentierte Sportpferde.

Wenig später hatte ich Soul von der Führmaschine auf die Weide gebracht, saß in Kiss' Sattel, und ritt sie am langen Zügel im Schritt warm. Ich hatte ihr den Springsattel aufgelegt, und wollte heute ein paar Sprünge machen. Je nachdem, wie sie sich anstellte, beziehungsweise, wie viel Lust ich aufs Auf- und Absteigen hatte, wollte ich dann mal ein bisschen höher machen. Bald würden wir unsere ersten M Prüfungen starten, und ich war wollte so gut es geht darauf vorbereitet sein.
Im Laufe des Warmreitens tauchte zu meinem Glück Alex auf, der anbot, mir zu helfen. Dankbar nahm ich das Angebot an. Ich war sehr zufrieden mit Kiss an dem Tag; sie trabte energisch vorwärts, galoppierte flüssig und bergauf und ließ sich sehr vorbildlich versammeln und verstärken. Schließlich steuerte ich mit einem fleißigen Grundtempo einen kleinen Steil mit Vorlegstange an. Kiss spitzte die Ohren, sammelte Kraft, zog kaum merklich an, und sprang dann elanvoll drüber, bevor sie auf der anderen Seite elastisch landete und flüssig weiter galoppierte. Ich lobte sie, und galoppierte direkt weiter auf eine kleine Reihe zu, die Alex auf meine Anweisung hin aufgebaut hatte. Sie bestand aus vier In-Outs, alle unterschiedlich hoch, aber keines höher als A. Kiss meisterte auch diese Aufgabe mit Bravour, und ich wies Alex an, den Steilsprung höher zu machen. Nachdem er auch eine Stange hinter den Sprung gelegt hatte, ließ ich Kiss wieder angaloppieren. Diesmal musste sie ein bisschen mehr Aufwand betreiben, um das Ganze fehlerfrei zu meistern, aber meine kleine Alleskönnerin hatte natürlich gar keine Probleme! Sie war so eifrig und fleißig bei der Sache, nie müde, Neues zu lernen, das es eine wahre Freude war, sie zu reiten!
Schließlich ritt ich noch einen Oxer, der auf niedrigem L Niveau aufgebaut war, mit Vorlegestange an, und Kiss nahm ihn mühelos. Die Stange war eine gute Orientierung, auch jetzt noch, wo wir schon so weit gekommen waren.
Ich ritt noch einmal die Reihe durch, bevor ich Kiss in einem engen Bogen auf den Steilsprung zulenkte. Sie musste aus einem relativ versammelten Tempo drüber, und man merkte, dass sie viel Kraft brauchte, um die Höhe aus der Wendung zu schaffen. Alex machte den Steil jetzt auf gutes L, genau wie den Oxer, und ich übte beides aus relativ engen Wendungen heraus anzureiten. Das klappte prima, und so wies ich Alex an, die Reihe ein wenig umzubauen; sodass ich jetzt erst einen, dann zwei Galoppsprünge zwischen den Hindernissen hatte. Dann machte Alex den letzten Sprung sehr hoch, sodass er auf guter M-Höhe war. Die anderen waren zwischen A und L, alle ein wenig unterschiedlich hoch, damit Kiss schön aufpasste und zum mitdenken angeregt wurde. Ich ritt die Reihe in einem fleißigen Tempo an, und Kiss zog sauber über die ersten Sprünge, dann zwei Galoppsprünge, und schon ragte der doch recht hohe Steilsprung am Ende der Reihe vor uns auf. Ich zupfte leicht an den Zügeln, um Kiss zusammen zu nehmen, damit sie die Höhe schaffte. Sie schob die Hinterhand noch weiter unter ihren Schwerpunkt, spannte die Muskeln an; und katapultierte uns beide in die Höhe. Es war wie Fliegen, ohne scheiß. Das hört sich klischeehaft an, aber es war wirklich so. Einfach wunderbar, wir waren eine Einheit, Kiss und ich, segelten durch die Luft, und landeten mühelos auf der anderen Seite. Ich streichelte stolz den Hals meiner Stute, und Alex pfiff durch die Zähne.
„Wow, die hat aber Power!“, kommentierte er.
„Krass, unsere eiskalte Lady ist ja ein wahres Springtalent!“, meinte auch Chris, der dazu gekommen war. Ich hatte bevor er was gesagt hatte, gar nicht gemerkt, dass er aufgetaucht war.
„Danke!“, sagte ich und lächelte stolz. Nach einer kurzen Schrittpause ließ ich Kiss nochmal über die Reihe gehen, und wieder segelten wir mit viel Luft über den hohen Sprung. Danach ließ ich sie weitergaloppieren, in einem großen Bogen auf den Oxer zu, der ja mittlerweile auch M-Niveau locker erreicht hatte. Ich merkte, dass es ein wenig weit wurde, gab Kiss ein bisschen die Zügel nach, was sie sofort nutzte und deutlich auf den Sprung anzog, bevor sie sich kraftvoll abstieß und ihn überwand. Danach ging es weiter auf den einzelnen Steilsprung zu, aber der war auch kein Problem für meine tolle Stute. Ich ließ sie in den Trab durchparieren und Zügel aus der Hand kauen, während ich sie unentwegt lobte. Sie hatte sich wirklich toll benommen!
Nachdem ich Alex nochmal für seine Hilfe gedankt hatte, ließ ich Kiss am langen Zügel im Schritt noch eine Runde über den Hof drehen, bevor ich sie wieder der typischen „Maestro-Behandlung“ unterzog, und sie anschließend auf die Weide brachte.

Mittlerweile knurrte mein Magen ganz schön, und ich schwang mich in meinem BMW, um nach Hause zu fahren. Auf dem Weg zu meiner Wohnung rief ich Tom an. Und ja, ich war mir bewusst, dass man während der Fahrt nicht telefonieren darf, aber darüber setzte ich mich mal hinweg. Musste ja niemand mitbekommen...
„Oh, hallo Lisa! Na, alles klar?“, fragte Tom am anderen Ende der Leitung.
„Ja, alles bestens. Naja, fast. Egal. Du hättest Kiss sehen sollen, heute! Wir sind ein paar M-Sprünge gegangen, und sie war wirklich fantastisch!“, erzählte ich ihm. Ich berichtete ihm haargenau jedes Detail vom Springreiten. Mein Abenteuer im Wald allerdings ließ ich weg, da ich erst mal alleine herausfinden wollte, was es mit diesem unheimlichen Stall auf sich hatte.
Während dem Telefonat war ich zuhause angekommen, und machte mich daran, Kartoffeln zu schälen. Ich wollte mal wieder Kartoffelbrei mit Spiegelei machen. Sehr einfach, aber mir schmeckte es sehr gut.
Tom erzählte mir von seinem Vormittag, während ich kochte, dann legten wir auf, und ich verschlang hungrig mein Mittagessen.
Kurz darauf legte ich mich auf die Couch, um ein bisschen Fernsehen zu schauen, bevor ich mich endlich aufraffen konnte, wieder die Wohnung zu verlassen. Ich wollte ins Archiv fahren, und genau das machte ich auch. Ich fuhr durch die ruhigen Straßen von Hofling und parkte vor dem Rathaus. In dem Gebäude war auch das Zeitungsarchiv angesiedelt. Ich schritt zielstrebig darauf zu, und trat ein. Das Archiv war – wer hätte es gedacht – im Keller, und so ging ich die Treppen nach unten. Dort war eine Art Rezeption, an der eine ältere Dame stand.
„Guten Tag!“, grüßte ich sie freundlich.
„Guten Tag, was kann ich für sie tun?“, fragte sie mich. Sie wirkte nicht besonders motiviert, aber das war wohl kein Wunder, ich konnte mir nicht vorstellen, das sich hierher viele verirrten. Es war ziemlich düster hier im alten Kellergewölbe des Rathauses, und überall war Staub.
„Ich suche nach einem bestimmten Ereignis, dass irgendwann früher mal stattgefunden haben muss. Im späten Mittelalter vielleicht. Gibt es hier Eintragungen von Burgen, die früher hier in der Umgebung waren?“
„Da müssen sie in Regal 14 schauen, da drüben den Gang entlang und dann links“, wusste die Frau auswendig, und ich ging zu dem besagten Regal. Hier standen dicke, verstaubte Bücher, mit schwerem Ledereinband. Ich konnte kaum die Schrift entziffern, die auf den Buchrücken war, teils, weil sie in Altdeutsch geschrieben war, und teils, weil es hier so dunkel war. Gab es denn kein Licht? Ich bekam Gänsehaut, und fühlte mich gar nicht wohl bei der Sache.
„Stell dich nicht so an“, murmelte ich und versuchte, das ungute Gefühl zu verdrängen. Ich war der Sache dicht auf der Spur, soviel stand fest.
Ich zog das erste Buch heraus, und befand mich in einer großen Staubwolke. Etwas fiepte empört auf und huschte davon. Oh je, Ratten. Gegen Hausratten hatte ich überhaupt nichts, aber so wilde Exemplare waren mir doch nicht ganz geheuer...
Als der Staub sich legte, war zum Glück keine Ratte mehr zu sehen, und ich schlug das Buch auf, das ich in den Händen hielt. Es enthielt Eintragungen über den Bau des Rathauses, den ersten Bürgermeister und die Namensgebung von Hofling. Das war wohl zu spät, der Brand musste vorher gewesen sein. Also legte ich das Buch wieder zurück, und griff ein Buch aus der Reihe darüber. Das fing an im Jahre 1200. Schon besser, dachte ich mir, und blätterte durch die Seiten. Da waren viele Ereignisse aufgezählt, hauptsächlich Notizen über Bauplanungen, Ritterschlagungen und Königsbesuche. Friedrich der Zweite war 1219 durch das heutige Bayern gezogen, und nach ihm noch einige andere. Dann kam ein neuer König, der sich aus den damaligen Fürsten entwickelte.
Wilhelm der Erste nannte er sich, und baute sich ein kleines Königreich am Rande des Deutschen Reiches auf. Da er sehr geschickt vorging, konnte er einstiges Fürstenreich vergrößern, und bestand darauf, König zu sein. Er ließ sich 1231 in der einige Jahre zuvor gebauten Kapelle von GESNARI – so hieß die Region, beziehungsweise die Stadt damals – salben, und regierte sein kleines Reich von da an. Vorerst noch von seinem Fürstensitz in Gesnari selbst, der ihm aber dann zu klein wurde, sodass 1237 eine Burg errichten ließ. Der Bau dauerte bis 1245, dann war die Burg aber fertig gestellt und sollte dort allen Feinden trotzen. Aber wo war dort? Was das die Burg, nach der ich suchte? Hier waren noch weitere Eintragungen, von Ritterspielen, die stattgefunden hatten.. Dann hatte Wilhelm eine Tochter, die vermählt werden sollte, aber die Einträge waren sehr unvollständig, bis schließlich nur noch der Tod von Wilhelm dem Ersten 1253 eingetragen war. Scheinbar war halb Gesnari (Hofling) von seinem ärgsten Widersacher zerstört worden. Aber was war aus der Burg geworden? Ich blätterte noch weiter, um vielleicht doch noch einen Eintrag zu finden.
„Kann ich ihnen helfen?“, ertönte da die knarzige Stimme der alten Dame, und ich erschrak zu Tode. Mit einem lauten Knall landete das Buch auf dem Boden.
„Oh Gott, tut mir Leid“, stammelte ich und hob es rasch auf, aber die alte Dame riss es mir direkt wieder aus den Händen.
„Das sind uralte Bücher, die mit Sorgfalt behandelt werden müssen!“, fing sie an zu wettern, und ich flüchtete rasch aus dem unheimlichen Keller, das Gemecker der alten Dame hinter mir lassend.
Als ich draußen auf dem sonnigen Rathausplatz war, ging es mir sofort wieder besser, und ich atmete tief durch. Viel hatte ich ja leider nicht in Erfahrung bringen können. Aber wo konnte ich noch suchen? Vielleicht im nächsten Ort hinter dem Wald, in dem die Burg stand? Vielleicht gehörte die Burgruine ja gar nicht mehr zur Gemeinde von Hofling... Ich fuhr grübelnd wieder nach Hause, und machte den Computer an. Ich ging auf Google Maps, um zu sehen, was hinter dem Wald kam. Ich machte ganz schön große Augen, als ich entdeckte, dass direkt durch den Wald eine Landesgrenze führte!
Und zwar die von Vesland, unserem Nachbarland. Das Land der Pferdefreunde... Der Bezirk, zu dem die Burgruine demnach gehörte, hieß Auenburg, die nächste Stadt Dambach. Ob ich da mehr über die Burg finden würde? Und vorallem, über den König und seine Geschichte! Ich war mittlerweile sehr neugierig geworden, wie es mit seiner Tochter war, wie es zu der Feindschaft mit dem anderen Fürsten kam und wie der es schaffte, halb Gesnari in Schutt und Asche zu legen!
Und vielleicht gab es da ja sogar Berichte über die Ritterfeste, die stattgefunden hatten, mit den imposanten Pferden in Rüstungen. Die später bei einem Feuer ums Leben gekommen waren... Traurig starrte ich zum Fenster hinaus, dann schaltete ich den Computer aus und schaute auf die Uhr. Es war schon sehr später Nachmittag, ich würde meinen Ausflug nach Dambach auf Morgen verschieben müssen. Gut, dass ich ein eingebautes Navi hatte, das mir den Weg weisen würde!
An diesem Abend ging ich früh ins Bett, die unruhigen Nächte hatten doch ihren Tribut gefordert...

#2 RE: 33. Bericht: Nachforschungen und M Sprünge von Lisa 04.05.2014 12:29

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@Lucy : kann es sein, dass du den übersehen hast?

#3 RE: 33. Bericht: Nachforschungen und M Sprünge von Lucy 04.05.2014 14:31

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Oh ja. Sch*****. Aber damit rettest du mir meinen heutigen Tag! Werde ihn gerade lesen und dann dir deine Rückmeldung geben.

EDIT:
So also erstmals finde ich es schön, dass du immer so winzige Teil aus den Berichten von andern rein nimmst, z.b. das ich umgezogen bin, Fiona nicht mehr da etc. Also nicht nur Dinge, die man auf der HP nachsehen kann, wie z.b. das Pferd er Person XY, sondern aktuelle Dinge aus aktuellen Berichten.
Was du über die Burg herausgefunden hast, finde ich nicht gerade wenig, auch dass du weisst, wie Hofling früher hiess. Also ich finde die ganze Geschichte spannend - auch etwas beängstigend - darum: schreib schnell weiter, ich wie wissen wie es weiter geht.
Ich finde es toll das du und Soul und Kiss so ein gutes Team geworden seid über die Zeit. Auch toll, dass Kiss nun M springt!
Aber ich habe auch eine kleine Kritik: Vesland ist - so viel mir in Erinnerung ist (bin keine Veslandexpertin) am Meer und in der Nähe von Bayern hat es kein Meer... Kann sogar sein, dass Vesland eine Insel ist, auf jeden Fall die Westküste ist von Meer umgeben... Aber eigentlich ist das ja egal. Ist ja ein erfundenes Land. :D

#4 RE: 33. Bericht: Nachforschungen und M Sprünge von Lisa 04.05.2014 15:12

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ja, da hab ich mit nina auch schon drüber geschrieben... sie hat nämlich den Zuchtstall jetzt in Vesland angesiedelt, und die gelegenheit hab ich ergriffen^^
http://vrhtreff.bplaced.net/vesland/ausw...region=Auenburg
bei mir ist das so, dass deutschland direkt an vesland grenzt, weil der Zuchtstall Tsubasa ja eigentlich in der Nähe vom VRH tsubasa liegt und wenn der Zuchtstall in Vesland liegt, dann kann Hofling ja nicht weit sein, ne? :D
naja, aber wie du schon gesagt hast, ist das ja alles fantasie.. achso, das meer ist auf der anderen seite von vesland.

freut mich, dass du den bericht magst :)
Ja, Kiss ist ja jetzt schon sechs, in zehn tagen ist wieder alterung, da wird sie sieben, mit sieben gehts ja mit S los^^
bin auch schon dabei weiterzuschreiben, will auch, dass es weitergeht mit der suche nach der vergangenheit^^
(bin aktuell bei der neunten seite dran, also muss ich bald aufhören, sonst wirds ja zu lang^^)

#5 RE: 33. Bericht: Nachforschungen und M Sprünge von Lucy 04.05.2014 16:29

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ach, dann hatte ich das falsch im Kopf... Jep. Eigentlich finde ich Vesland voll was tolles, aber ich kann meine Geschichte schlecht mehr ändern auf Vesland. Deshalb würde ich es schade finden, wenn VRH Tsubasa auch wechseln würde, weil ich ja in meine Geschichte Deutschland so stark einbezogen habe. Ansonsten finde ich Vesland wirklich etwas wahnsinnig tolles & bin mit Silvermoon bloss nicht da, weil das ja mit meiner Geschichte hier verwickelt ist und die eben in Deutschland spielt...

#6 RE: 33. Bericht: Nachforschungen und M Sprünge von Lisa 04.05.2014 16:37

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ja, bei mir ist das ja ähnlich, schließlich komme ich aus münchen, meine familie und tanja sind auch immer noch da.. aber so wie ich das geschrieben hab, passt das ja immer noch gut :)

#7 RE: 33. Bericht: Nachforschungen und M Sprünge von Lucy 04.05.2014 20:10

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Ja das stimmt. ;)

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