#1 Nr. - 40 Sommergrippe von Lucy 26.09.2014 19:56

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* Beri hat 13 Seiten, will ihn aber nicht trennen.
* Es passiert jetzt nicht so viel drin, aber für den nächsten ist es wichtig. Und ein paar spannende Sachen hat es schon... ;)
* Spielt irgendwann im Sommer 2014... Ca. Ende Juli oder so...
* Fehler hat es wahrscheinlich tausende, aber ich habe denn schon so lange angefangen und nie zu Ende getippt... Jetzt habe ich es gemacht und jetzt habe ich auch keine Lust mehr noch Korrektur zu lesen. Jetzt soll er endlich mal on.



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Nr. 40 – Sommergrippe

Ich lag da in meinem Bett, mein Kopf schien zu explodieren, meine Nase war ganz rot und wund. Sommergrippe, so einfach war es, doch ich fühlte mich, als wäre ein Lastwagen über mich gefahren. Ständig musste ich niesen, mein Kopfweh ging kaum weg und mal hatte ich fürchterlich kalt und im nächsten Moment wieder so heiss, dass ich am liebsten in die Antarktis oder Arktis gerannt wäre... Ich hasst das, krank zu sein. Früher im Internat war ich oft krank gewesen, aber hier in Deutschland war ich das eigentlich noch nie gewesen. Umso stärker hatte es mich nun erwischt. Aber zu Glück erst jetzt und nicht letzte Woche. Nein, letzte Woche hätte ich es mir echt nicht leisten können krank zu sein. Angefangen hatte alles mit Cate und meinem Geburtstag. Er war wunder schön gewesen. Wir hatten keine grosse Party gemacht. Am Morgen hatten wir die Familie in kleinem Kreis gefeiert, am Nachmittag waren alle mögliche Personen zum Kaffeetrinken. Viele vom Hof, also von Tsubasa Stables, sahen schnell vorbei, Camilla, die an diesem Tag nicht arbeitet, Freunde von Cate von der Schule früher oder andere Bekannte. Auch Marelle und ihre Mutter kamen kurz. Allerdings ohne Liam... Er war mit Theo an einem Turnier. Liam, wenn ich an ihn denke, dann mit gemischten Gefühlen. Zum einen wollte ich ihn unbedingt wiedersehen, obwohl da im Prinzip nichts zwischen uns gewesen war, anderseits schämte ich mich für mein Verhalten. Wie konnte ich nur!
Am Abend gingen Cate, Natascha, Tobias und ich in die Disco von Hofling. Ich fühlte mich erst nicht recht wohl da. Vielleicht weil es mich so an jenen Abend in London erinnerte. Doch da Tobias immer an meiner Seite blieb, war es halb so schlimm. Die meisten Personen glaubten wohl, dass er mein Freund war und nicht einfach ein guter Freund. Tja, ich hätte ja früher auch nie geglaubt, dass ich mich mal so gut mit einem männlichen Wesen verstehen konnte auf diese Art und Weise. Natascha und Cate tanzten wie wild und trafen dann auf Bekannte. Janosch und Mike hiessen sie und waren mit Cassandra unterwegs. Cate kannte sie gut, da sie mit Janosch und Cassandra zur Schule gegangen war. Ich wusste das Cassandra im Tierheim arbeitet und auf dem Hof ein Pferd stehen hatte, doch irgendwie habe ich noch nie viel mit ihr zu tun gehabt. Trotzdem verbrachten wir sieben einen gemütlichen Abend. Da viel mir auf, dass ich so etwas schon sehr lange nicht mehr gemacht hatte. Am Anfang war einfach alles so neu und der Schmerz um Mom noch viel zu gross und ich kannte niemand. Dann hatte sich alles so schnell verändert und irgendwie waren wir nie wirklich zu so was gekommen und dann nach der Erfahrung in London, wollte ich es überhaupt nicht mehr. Doch nun merkte ich, dass es eigentlich auch ein ganz schöner Abend sein konnte in so einem Laden und Erinnerungen – schöne Erinnerungen - an London kamen auf und an solche Abende. Als dann Caroline Neumayer, von allen nur Caro genannt, und Rolf Griessiger noch hinzukamen, war es schon fast wie ein kleines ehemaliges Klassentreffen von Cate alter Klasse. Rolf, Caro, Natascha, Cassandra, Janosch und Cate waren alle zusammen in einer Klasse gewesen –der einzigen in diesem Jahrgang ihr in Hofling. Und plötzlich hatte ich das Gefühl ein Blick weit in Cates „altes“ Leben werfen zu können, das Leben ehe ich auftauchte. Mike, so erfuhr ich, war der Cousin von Cassandra und ungefähr in unserm Alter. Harold, Cassandras Vater hatte ihn zu sich geholt, weil er irgendein Problem mit seinen Eltern hatte, auf das er aber nicht genauer einging. Er hat den ganzen Abend irgendwie immer mit Cate den Kopf zusammengesteckt, er hatte wohl ein Auge auf sie geworfen und als ich Cate danach fragte, erfuhr ich auch, dass auch sie nicht ganz so uninteressiert war. Er sah nicht schlecht aus, aber nicht unbedingt mein Typ. Er war sicher ein Kopf grösser als sie –wir – sehr kräftig gebaut, muskulös, hatte braune Haare, braune Augen, eine gebräunte Haut und ziemlich grosse Hände. Solche Sachen wie die Grösse der Hände viel mir immer auf, da ich persönlich für meine Körpergrösse sehr kleine Hände hatte; genau wie Cate. Auf jeden Fall hatte Cate seine Nummer, aber soweit ich erfahren hatte, hatte sie sich noch nicht mit ihm weiter verabredet. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden, oder? Was zwischen Liam und mir passiert ist, habe ich ihr nicht erzählt. Im Prinzip ist ja nichts vorgefallen, aber ich habe ihr auch nicht gesagt, dass ich Marelles Bruder eigentlich ganz anziehend fand. Tja... Erst musste ich mir selber bewusst werden, ob ich etwas mit ihm anfangen wollte oder nicht, redete ich mir ein gutes Gewissen ein. Aber auch wenn ich ihn möglichst schnell wieder sehen wollte, da war die Angst, dass plötzlich diese unberechenbare Macht ihn mir ihn wieder ablehne wollte. Liam. Ich verdrängte den Gedanken wieder.

„Lucy bist du wach?“ Angelika stand in der Tür.
„Ja.“ Hätschi! „T’schuldigung. Ja, wieso?“
„Soll ich dir was zu essen bringen?“
„Ja das wäre toll, danke.“
„Bin gleich wieder da, irgendwelche Wünsche?“
„Irgendwas, dass mich wieder gesund macht? Ich war jetzt schon drei Tage nicht mehr bei meinen Schätzen drüben auf dem Hof.“
„Ich werde mal sehen was ich finde... Und wie wäre es, wenn wir zwei heute Nachmittag einfach einen kleinen Knuddel-Besuch machen?“
Ich strahlte sie an. Angelika drehte sich um und ging die Treppe runter. Sie wurde immer mehr zu einer Mutter für mich. Ich musste bei dem Gedanken schmunzeln. Mutter. Ja, das konnte sie werden, meine Mom aber nie! Sie war so liebevoll, kümmerte sich um jeden und alles und war einfach immer da, wenn man auf sie zählen musste. Ich wusste, warum Dad sich so sehr in sie verliebt hatte. Sie war wirklich ein Engel, wahrscheinlich auch ein Grund, warum ihr Dad den Spitznamen Angel verpasst hatte. Er konnte es einfach nicht lassen mit seinem Spitznamen. Gut ich hatte diesen Tick mittlerweile auch. Wenn mir eine neue Person vorgestellt wurde mit Vor- und Nachname war mein erster Impuls immer zu fragen ‚Was ist dein Spitznamen?’.

Ich driftete mit meinen Gedanken wieder ab – das Einzige was ich in meinem kranken zustand wirklich machen konnte. Zwei Tage nach meinem Geburtstag fand noch ein weiterer spezieller Tag statt. Am Morgen bekam ich Post, in der stand, dass ich meine Lehrabschlussprüfung bestanden hatte. Nun ich hatte eine Urkunde, die bestätigte, dass ich die Ausbildung zur Reisebürofachfrau bestanden hatte und konnte mich somit in jedem Reisebüro bewerben. Aber das brauchte ich nicht, als ich Frau Kern, die Leiterin des Reisebüros EASY TRAVEL in dem ich meine Ausbildung absolvierte anrief, freute sie sich sehr für mich und bot mir gerade eine Festanstellung an. Sie sei nicht mehr die jüngste und eigentlich hätte sie ja schon vor zwei Jahren eine weitere Person gesucht, die das Reisebüro führte, damit sie nicht mehr so viel arbeiten musste. Es war eigentlich schon ein kleines Wunder gewesen, dass sie mich – eine nicht ausgebildete Person ohne Erfahrung – genommen hatte. Ich war ihr unendlich dankbar dafür. Und auch, dass sie mich nun fest anstellte. Sie meinte, dass sie niemand anderes wollte. Ich würde das Reisebüro und die Kunden mittlerweile wie meine Westentasche kennen und sie könne ihr Reisebüro an ihren freien Tagen in besten Händen wissen. Das Lob bedeutet mir sehr fiel, denn sie meinte es ernst. Ich hatte mir diese Stellung erarbeitet und darauf war ich stolz. Ich ganz alleine. Nicht durch meine Vergangenheit beeinfluss, durch mein Vater oder die Tatsache, dass Cate meine Zwillingsschwester war.
Am Nachmittag war dann noch ein Routineuntersuch für Mel und Liv im Krankenhaus bei Fippa. Sie war zufrieden mit ihnen. Zwar waren beide für Halbjährige Kinder immer noch ziemlich klein, aber ansonsten konnten sie eigentlich fast alles, was andere in diesem Alter schon konnten. Zum Beispiel alleine Sitzen. Das allerdings konnte Mel erst seit ungefähr zwei Woche und Liv erst sei wenigen Tagen. Melanie war Livianne nicht nur in der Körpergrösse voraus sondern bei den meisten andern Dingen auch. Doch das machte nichts. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie fast die bessere Beobachterin von beiden war, dafür sonst etwas zurückhaltender. Und schliesslich musste ich es als Zwillings-Mutter Zwilling ja am Besten wissen, schliesslich sah ich ja Cate aufs Haar gleich, war aber trotzdem anders als sie, warum sollten dann Melanie und Livianne gleich sein? Flippa mass und wog die beiden, schrieb auf, wie sie auf verschiedene Reize reagierten und fotografierte die beiden. Sie war sehr zufrieden und erzählt, dass auch der Chefarzt der Frühchen Abteilung mittlerweile eingesehen hat, dass damals ihre Entscheidung richtig gewesen war. Allerdings solle dies nicht heissen, dass er alles in Zukunft auch gut hiesse.

Angelika brachte mir zwei belegte Brot, Salzstangen und Cola.
„Salzstangen und Cola?“
„Medizin für alle möglichen Krankheiten.“
Ich lachte. „Echt jetzt?“
„Das hat mir schon meine Mutter immer gegeben, frag mich nicht warum. Aber der Zucker in der Cola bringt auf jeden Fall deinen Blutkreislauf etwas in Schwung.“
Unten klingelte das Telefon. „Ich bin gleich wieder bei dir ja?“
Ich nickte und machte mich über das Essen her.

Im Gegensatz zu Cates und meinem Geburtstag war die Taufe von Mel, Liv und Ben ein grosses Fest gewesen. Die Zeremonie in der Kirche war wohl so gewesen wie bei jeder Taufe. Doch für mich war alles aufregend gewesen, weil es meine Kinder und mein Bruder waren, die hier getauft wurden und zudem hatte ich so was nie erlebt. Das ich in die Kirche ging, kam bis anhin so oft vor, wie ein Eisberg in der Sahara. Nicht einmal zu Moms Tot hatte es eine Zeremonie in der Kirche gegeben. Es gab auch keine christliche Bestattung, kein Grabstein. Nein, Colin hatte mir einfach eines Tages Moms Grab gezeigt: Das einzige was neben dem Erdhügel zu sehen war, war ein kleines neu gepflanztes Bäumchen. Nein, mit der Kirche hatte ich noch nie etwas zu tun gehabt! Doch meine Kinder sollten die Chance erhalten es selber zu entscheiden, wenn sie genug alt waren und deswegen liess ich sie taufen. Es war wohl die speziellste Taufe seit langem, dementsprechend waren beim Gottesdienst auch viele Personen anwesend. Erst wurde Benjamin Jonathan getauft. Er bekam Tatjana Kellenberger und Hendrik Meyer, Angelikas kleiner Bruder, als Patin respektive Pate. Dann wurden Melanie Colleen und Livianne Nataly getauft. Und were anderes könnte als Patin und Pate in Frage kommen als Cate und Tobias? Keiner, und deswegen war diese Frage für mich seit Anfang an geklärt gewesen. Beide waren sehr erfreute darüber, dass ich gerade sie ausgesucht hatte. Nach der Feier kamen alle Verwandten und Bekannten mit aufs Gestüt. In der Kirche hatte ich zwar Angelikas Eltern und ihr kleiner Bruder Hendrik schon gesehen, aber während der Feier bei uns, lernte ich sie erst richtig kennen. Hendrik hatte Cate und Tim auch erst zwei Mal getroffen auf einem Turnier seit Ben auf der Welt ist und natürlich war er nach Bens Geburt kurz auf einem Besuch im Krankenhaus vorbeigekommen, aber nebst dem und dass er Tim Davids aus dem Dressursport einfach schon recht lange kannte und wusste wer er war, hatte er noch nie näher etwas mit der Familie unternommen. Und somit war ich ihm auch nicht begegnetet. Er wohnte zwar nicht besonders weit weg, aber er war fast immer beschäftigt. Er engagierte sich immer wieder für wohltätige Hilfsprojekte auf der ganzen Welt und wenn er dann mal Zuhause war, ja dann war er das auch wieder nicht, da er dann auf Turnieren anzutreffen war. Genau wie seine Eltern. Elia und Gustav Meyer, die Eltern von Angelika. Sie verdienten ihr Geld nicht mit den Pferden, aber sie besassen fünf Warmblüter und ein kleines Mini-Shetty, mit denen sie Turniere gingen, abgesehen natürlich vom Mini. Ihr Herz schlug für die Dressur genau wie Tims. Und sie kannten Tim und seine Familie schon lange bevor Angelika auch nur ein Auge auf Tim geworfen hatte. Genau so wie sie Cate kannten. Auf sehr vielen Turnieren hatten sie sich gesehen, doch da ich nur sehr selten bei den Turnieren dabei war. Und wenn ich dabei war, dann waren es speziellere, an denen sie nicht waren... Wie das Ausbildungsturnier oder das Züchter-Familien-Duell. Und so kam es, dass ich als einzige der Familie Angelikas Eltern gar nicht kannte und sie erst heute das erste Mal kennenlernte. Erst hatte ich etwas bammeln davor, weil... Naja auf eine gewisse Art und weise waren sie auch meine Stiefgrosseltern, aber auf jeden Fall waren sie die Grosseltern meines Bruders! Und auch wenn er und meine Kinder irgendwie auf der geleichen Stelle standen für mich und irgendwie weder wirklich Geschwister noch wirklich meine Kinder waren, war es doch besonders für mich. Das waren die Grosseltern, die mein Bruder nebst den Ach-So-lieben-Davids-Grosseltern hatte. Colin war nicht mit ihm verwandt. Er war nicht sein Grossvater, was mir immer wieder ein Stich ins Herzen jagte, weil Colin wirklich ein super Grossvater war. Einer der sich jeder nur wünschen konnte. Er war immer da, wenn man ihn brauchte. Er verstand vieles ohne grosse Erklärungen und er liebte mich genau so wie ich war und egal was ich tat. Er liebte mich – und Cate – nicht weil ich dieses oder jenes Tat, sondern weil ich ICH war. Bei ihm musste man sich kein bisschen verstellen. Er nahm jeden so wie er war.
Aber meine Ängste waren unnötig gewesen. Als ich Elia und Gustav das erste Mal sah und wie sie erst Ben begrüssten und dann mit der gleichen Intensivität Mel und Liv, die alle drei total müde von der ganzen Zeremonie nebeneinander schliefen, da konnte ich nicht anders, als ihnen ein wenig Platz in meinem Herzen zugestehen. Sie machten keinen Unterschied zwischen Benjamin und seinen... Halb Schwestern-Nichten, obwohl sie nicht mit ihnen Verwandt waren und ich von Angelika wusste, dass sie wussten, dass ich die Mutter war und der Vater ER war. Das wussten nicht viele, aber Angelika hatte es ihnen gesagt und sie hatten es akzeptiert ohne wenn und aber oder andern Fragen. Langsam ging ich damals auf sie zu.
„Sie müssen Angelikas Eltern sein? Herr und Frau Meyer?
Die Frau strahlte mich an. „Ja. Dann bist du Lucy. Wir haben dich und Cate vorher schon in der Kirche gesehen, aber irgendwie haben sich unsere Wege dort nicht gekreuzt. Aber was rede ich da für einen Unsinn, dass weißt du ja genau so gut wie ich. T’schuldigung. Ich bin Elia.“
Ich lachte. „Jep ich bin Lucy.“ Ich wollte ihr die Hand geben, doch sie umarmte mich überschwänglich. Doch es fühlte sich nicht komisch an, so wie bei Tims Eltern.
„Guten Tag Herr Meyer.“ Ich schüttelte ihm die Hand.
„Kannst mich ruhig Gustav nennen. Ich weiss zwar nicht, wie man diese Art von Verwandtschaft zwischen uns nennt, aber naja in der Familie duzt man sich.“
Ich lachte. „Oh ja aber das ist nicht die einzige schwierige verwandtschaftliche Bezeichnung in dieser Familie.“
„Macht das Leben spannender.“ Meinte Gustav. „Und von wegen Kompliziertheit, die gibt es schon durch dich und Cate. Ich konnte euch in der Kirche nicht auseinanderhalten.“
„Ja.“ Meinte Elia. „Aber ich habe richtig getippt. Ich habe die Namen richtigrum verteilt. Und wenn wir schon dabei sind. Wer ist hier wer? Mel und Liv nennt ihr sie doch, oder?“
„Genau. Das hier ist Mel und das hier ist Liv. Im Moment kann man sie noch an ihrer Körpergrösse unterscheiden, aber ansonsten hätte ich wohl auch meine Schwierigkeiten. Obwohl es schon einige Unterschiede zwischen ihnen gibt.“
„Oh das glaube ich. Darf ich sie Melanie einmal halten? Ich glaube sie ist aufgewacht.“
„Nur zu.“ Elia nahm Mel auf den Arm, als wäre es ihre eigene Enkelin. Leise summte sie vor sich hin.
„Lucy, ich glaube da hast eine neue Babysitterin gefunden...!“ meinte Gustav schmunzelnd und lächelte seine Frau an. „Von Kindern konnte sie noch nie die Finger lassen. Doch dann hielt er Mel auch seine Hand hin, die danach griff.
„Sie können gut noch einen weiter Grosseltern, Urgrosseltern oder wie auch immer ihr euch bezeichnen wollt, brauchen.“
„Sag dass nicht laut, sonst wir dir meine Frau jeden Tag auflauern.“
„Nur zu, nur zu. Aber nun muss ich weiter. Mein Vater hat mich soeben das zweite Mal gerufen.“
Während Gustav sich irgendwann unter die Gäste mischte, wich Elia kaum von der Seite von Mel, Liv und Ben. Ben hatte so wie es schien einen guten Colin-Ersatz gefunden.

„An was denkst du, Lucy?“ fragte Angelika, die plötzlich wieder im Zimmer war.
„An deine Eltern.“
„Und?“
„Und daran, dass sie genau wie du super tolle Menschen sind, auch wenn ich sie nur an der Taufe gesehen habe.“
„Ich habe gerade mit ihnen telefoniert. Als meine Mutter gehört hat, dass du krank bist, hat sie mich fast verhaftet, dass ich sie nicht angerufen hat.“
„Aber wie so denn?“
„Sie braucht doch einen guten Vorwand um ihr Enkel und ihre zwei Was-auch-immer zu besuchen und den habe ich ihr vorenthalten.“
Was-auch-immer war so ein Ausdruck in unsere Familie geworden, der wir sagten, wenn die Verwandtschaft zu komplex wurde und auf keinen Fall bösartig gemeint.
Ich nickte. „Dann werde ich sie ja wohl früher wieder sehen, als gedacht.“
„Oh ja und sie wird dich dann noch viel schlimmer bemuttern als ich!“
„Oh nein.“ Versuchte ich entsetzt zu tönen. „Noch schlimmer als du kann ja niemand sein!“
Angelika kniff mich in die Seite. „Sie einer an, dir muss es wohl schon wieder viel besser gehen, wenn du so gemeine Witze machst. Los, aufstehen, ab in die Küche und Kartoffeln schälen!“
Hätschi! „Ich.. Ich glaube mein Hals kratz schon wieder fürchterlich und überhaupt ist mir wieder so heiss.“
Angelika grinste mich an. „Sollte Schauspielerin dein geheimer Traumberuf sein, dann muss ich dir leider mitteilen, dass du diesen Beruf nie ausführen werden wirst. Dazu hast du zu wenig Talent.“
„Angelika, jetzt hast du meine Welt zerstört!“
„Dein Pech. Die Weltzerstörerin geht jetzt wieder nach unten, nimmt Mel und Liv mit, damit du noch einmal eine Runde schlafen kannst und dann gehen wir beide deine Vier-Hufer besuchen.“
Ich nickte.
„Danke.“
„Ach nichts zu danken. Meine Mutter-Pflichten.“
Ich blickte an. „Ich bin froh, dass du hier bist, weisst du das? Das du für uns alle die Mutter-Pflichten machst, auch wenn du von uns vier biologisch nicht die Mutter bist, bist du es auf eine gewisse Art und Weise eben doch... Also unsere Mutter.“
Angelika blickte mich an. Dann stellte sie das Tablett ab. Und umarmte mich ganz fest. Ihr Gesicht strahlte und auf ihrer Wange war eine kleine Freudenträne zu entdecken.
„Das was du eben gesagt hast, war das schönste was, du jemals gesagt hast.“
Ich lächelte sie unsicher an.
„Ihr alle bedeutet mir gleich viel, Ben, Cate, du und auch Mel und Liv. Ihr seid alle meine Kinder, wenn auch bloss auf diese Art, wie ich für euch eure Mutter bin.“
Ich drückte Angelika ganz fest an mich. Ja meine Mom, also meine biologische Mutter, würde sie nie ersetzen können, aber die Stelle der Davids-Family Mutter konnte sie problemlos einnehmen, weil da noch gar nie jemand gewesen ist. Ich konnte mir schon fast nicht mehr vorstellen wie es anfangs war, als es nur mich Dad und Cate hier gab... Nein, Angelika war nicht mehr wegzudenken und ich liebte sie mittlerweile genau so stark wie Dad, auch wenn ich das ihr vielleicht nie so deutlich gesagt hatte, weshalb sie mein Kommentar eben hin so sehr berührt hatte. Angelika war schon lange in meinem Herz zu meiner Mutter –aber nicht zu meiner Mom – geworden. Auch wenn das jetzt total komisch und kompliziert kling. Aber was war in unserer Familie nicht komisch und kompliziert? Nichts.

Ich habe nicht gemerkt, dass ich eingeschlafen war, doch als ich nun aufwachte, merkte ich, dass ich einen kühlen Lumpen auf der Stirn hatte. Verwirrt sass ich auf und der Nasse Lumpen viel mir auf den Bauch und hinterliess einen nass kalten Fleck. Ich nahm ihn genervt in die Hand und setzte mich ganz auf. Mir wurde schwindelig. Ich wartete einen Moment und hörte eine Stimme, die ich nicht zu ordnen konnte. Als sich der schwarze Nebel vor meinen Augen wieder gelichtet hatte, sah ich in Elias Gesicht.
„Was machst du dann hier?“
„Mich um dich und den Rest der Familie kümmern. Angelika hat gesagt, dass du krank bist und Camilla nicht hier sei, weil sie frei hätte.“
Ich nickte.
„Leg dich wieder hin. Ich mache dir einen Tee. Irgendwelche Wünsche?“
„Früchtetee.“
„Okay.“
„So und nun leg dich wieder hin und leg den Waschlappen schön auf deine Stirn du glühst!“

Den Rest des Tages verbrachte ich halb wach, halb schlafend. Doch am Abend fand ich dann doch noch genügend Kraft um auf den Hof zu fahren mit Angelika. Nur ein kleiner Besuch. Ich wollte meine beiden Pferde sehen, auch wenn nur kurz. Madonna begrüsste mich freudig und auch Tirina nicht weniger. Beide bekamen eine Karotte und ich band sie in der Stallgasse an um sie wenigstens etwas zu putzen. Tirina sah ziemlich sauber aus, während Madonna sich auf der Weide wohl ausgiebig im Matsch gewallt hatte. Angelika ging in die Sattelkammer um die Putzkasten zu holen.

„Claire, jetzt halt endlich mal still.“ Hörte ich eine unbekannte stimme.
„Claire, du bist unmöglich, weißt du das? Hat man dir noch nie beigebracht, dass man zuerst wartet bis man das Halfter abgezogen hat, ehe man sich über das Heu stürzt?“
Schimpfend kam eine Person in meinem Alter, die etwas kleiner war als ich und blonde Haare hatte, aus Claires Box.
„Kann ich dir helfen?“
„Oh..Huch! Hast du mich jetzt erschreckt. Nein eigentlich nicht. Ich darf mich um Calire kümmern, aber so wie es scheint, kann sie noch nicht besonders viel.“
„Es wurde eben auch noch nicht viel mit ihr gearbeitet. Hast du Erfahrung darin? Also im Ausbilden. Ich bin übrigens Lucy.“
Die Person sah mich verwirrt an. „Lucy?! Ich dachte eben ich hätte dich schon einmal gesehen vor langer Zeit auf Pony-Turnieren. Aber da verwechsle ich dich eben mit jemandem. Ich hätte schwören können, dass du damals immer ein Palomino geritten hast.“
„Das muss meine Schwester – Zwillingsschwester – Cate gewesen sein mit Farolina.“
„Ja genau, so hiess die Stute. Ach so... Und du bist nie geritten? Also auf Turnieren?“
„Nein.“ Ich lächelte sie an. „Ich reite keine Turniere.“
„Wirklich?“ die Person sah mich verblüff an. „Sorry ich habe mich immer noch nicht vorgestellt. Ich bin Lelya.“
„Und dein Spitznamen?“ fragte ich ganz automatisch, ehe ich mich für diesen Kommentar Ohrfeigen hätte können.
„Habe ich nicht wirklich... Also irgendwie doch... Lelly, aber der ist doof.“ Meinte sie zerknirscht.
„Entschuldigung, eigentlich auch nicht so wichtig. Es ist nur in meiner Familie wird fast keiner mit dem ganzen Namen angesprochen. Mein voller Name ist Lucinda Davids, aber ich bin für alle einfach nur Lucy.“
Sie lächelt mich an. „Jetzt ist mir alles klar. Davids, warum hast du das nicht sofort gesagt? Du kommst vom Gestüt Silvermoon? “
Ich nickte. Genau das hatte ich langsam zu hassen begonnen. Immer drehte sich alles sofort ums Gestüt sobald mein Gegenüber mich ‚erkannte’. Ich war nicht meine Zwillingsschwester, wir hatten getrennte Leben, auch wenn sie sehr wichtig für mich war und ich alles für sie tun würde. Sie war sie und ich war ich.
„Ja mein Vater Tim Davids und ihm gehört das Gestüt,...“
„Cate und ich sind zu unserer Ponyzeiten immer gegeneinander gestartet. Sie gehört zu den Personen, die Darius und mich schon seit unseren Anfängen gekannt hatte... Und auch meine Schwester Zoe.“ Meinte sie etwas zögerlich und lag da Trauer in ihrer Stimme? Ich war wegen dem letzten Kommentar etwas verwirrt, doch da sah ich etwas auf ihrem Gesicht, das mich davor abhielt weiter zu fragen.“
„Wenn du Lust hast, darfst du gerne Mal bei uns vorbeikommen. Ich wohne auch auf dem Gestüt, auch wenn meine Pferde hier sind.“
Sie lächelte mich gezwungen. Irgendwie gefiel ihr dieses Angebot auch nicht. Das Gefühl kam auf, dass sie vor etwas davon lief... Etwas in sich verbarg, dass niemand hier wissen sollte... Aber was und war es wirklich so? Und warum um Himmels willen musste ich gerade einen Schritt in diese Richtung gemacht haben? Beim aller ersten Gespräch mit ihr? Ich machte einen Schritt nach hinten.
„Lucy, pass auf! Hinter dir liegt ein Hund.“
Erschrocken machte ich einen Satz nach vorne und schmiss dabei fast mein Gegenüber um.
„Sorry.“ Meinte ich zu ihr und dreht mich zu Zoey um, die wedelnd auf mich zu kam.
„Sorry meine kleine Maus. Alles okay Zoey?“ fragte ich. Ich nahm den Augenblick wahr, dass über das Gesicht meines Gegenübers ein trauriger Schatten huschte. Verbitterung. Trauer. Ich richtete mich auf.
„Du hast etwas zu gut bei mir! Danke Lelly. Äh sorry. Leyla.“
Sie lächelte mich an. „Lelya. Aber du bist nicht die erste, die den Namen falsch sagt. Da wäre Lelly schon einfacher, aber ich mag ihn einfach nicht.“
„Sorry.“ Trat ich heute von einem Fettnäpfchen ins andere? „Aber wenn du Lelly nicht magst, warum änderst du deinen Spitznamen nicht einfach?“
„Mir fällt nichts Gutes ein.“
„Wie wäre Lya?“
„Lya.“ Lelya. Überlegte. „Auf jeden Fall besser als Lelly.“
„Ja wenn ich ehrlich bin, erinnert mich das an Lolly.“ Meinte ich.
Und da war es das erste Mal, dass ich auf Lelyas Gesicht ein Lächeln sah.
„Ja das stimmt.“
Dann klingelte Lelyas Handy. Sie sah drauf. „Das muss ich wohl abnehmen...“
„Man sieht sich, bis bald.“
„Bis bald.“

Kurz Madonna, kramte dann ein Leckerli aus meiner Tasche das ich ihr gab. Tirina, die den Kopf über die Trennwand strecke, forderte ihres auch ein. Dann kam Angelika zurück und gab mir das Putzzeug und meinte, dass sie schnell mit Nina nach einem ihrer Renner schauen würde, der sich komisch verhält. Ich nickte nur. Wen konnte man besser so was fragen als Angelika? Tierärztin und Renner-Fan in einem. Ich nahm Madonna aus der Box und begann sie zu putzen. Wie ich das vermisste hatte! In nur drei Tagen! Meine Stute genoss es sichtlich und verdrehte den Kopf, wenn ich an ihrer Lieblingsstelle putzte. Ich liebte die Stute über alles. Sie hatte ich schon so lange, mir schien es fast mein ganzes Leben. Wobei das natürlich völlig falsch war. Ich hatte Madonna vor etwas mehr als zwei Jahren bekommen. Aber in denen war so viel passiert – viel mehr als in denen in England, an die ich mich erinnern konnte. Dieses Leben lang mittlerweile so weit weg. Beine als währe es in einem früheren Leben gewesen. Ich war an dem Punkt, an dem ich ohne zu zögern Deutschland als mein Heimatland ansah, das Gestüt als mein Zuhause, als DAS Zuhause im Leben eines Menschen. Mit England hatte ich ein für alle Mal abgeschlossen. Klar hatte ich Erinnerungen daran, aber eher wie Ferienerinnerungen. Das war Mal, aber Deutschland ist mein Zuhause, da hin, wo ich immer wieder Heimkehrern würde – was ich ja eigentlich vor 2 Jahren auch getan hatte, schliesslich hatte ich meine ersten 3 Jahre in Deutschland verbracht. Nein, England war kein Thema mehr für mich. Da wollte ich um keinen Preis mehr hin zurückkehren. England wie ein Kleidungsstück, dass ich nicht mehr trage. Ausgezogen, weggelegt und weggeschmissen. Das einzige was bleibt ist die Erinnerung... Aber keine wehmütigen Erinnerungen, keine ständig auftretende Erinnerungen, nein ganz einfach Erinnerungen, die man wie ein Fotobuch aus dem Gestell nehmen konnte, sich ansehen und wieder zuklappen und weglegen konnte. Hier, genau hier auf dem Gestüt Silvermoon in Sonntal und auf Tsubasa in Hofling gehörte ich hin und davon bin ich mittlerweile felsenfest überzeugt. Hier war meine Familie, meine „gross“ Familie und auch meine Freunde – zwei- und vierbeiniger Art.
Ich putzte Madonna zu Ende und brachte sie wieder in ihre Box. Dann nahm ich Tirina auf die Stallgasse und putzte sie. Man sah ihr ihre Verletzung mittlerweile nicht mehr an und ich hoffe fest darauf, dass eines Tages auch innerlich ganz verschwunden ist. Ich legte meine Stirn an ihr Hals und atmete tief durch. Ich fühlte mich wackelig auf den Beinen und meine Kopfschmerzen nahmen wieder zu.

Plötzlich spürte ich eine Welle von Kraft und ich fühlte mich augenblicklich wieder besser.
Tirina, bist du das?
Ja. Ich spüre doch wie schlecht es dir geht, ich kann dir bloss so helfen.
Tirina, das hilft mir viel mehr als alle Medikamente auf der Welt zusammen!
Das glaub ich dir. Ich habe genug Kraft, ich kann dir welche von mir abgeben. Das kann nicht das beste Medikament der Welt...


Reglos verharrte ich. Das war unglaublich! Eine Träne der Rührung kullerte meine Wange runter. Meine Tiri! Meine schwarzes Mäuschen.

Sammy? Sammy! Ich spürte plötzlich riesige Freude in mir. SAMMY!
Verwirrt sah ich Tirina an.
Was?
Doch das erste Mal bekam ich keine Antwort von ihr. Ich spürte nur ihr Glücksgefühl. Ich wurde nicht schlau. Madonna zog am Führstrick, ich machte einen Schritt zurück, wollte sie gerade zurechtweisen, als ich eine Person am Ende der Stallgasse erblickte. Sammy. Tirina zog am Führstrick. Ich löste ihn und legte den Strick ihr über den Rücken.

Na geh schon, Tiri. Aber nicht zu schnell, denk an dein Bein!
Danke Lucy, Danke.


Freudig ging Tirina Sammy entgegen und senkte vor ihr den Kopf und beschnupperte ihre Jacke. Ich schluckte. Das hatte Tirina bei mir noch nie getan, was aber vielleicht auch daran liegen konnte, dass sie mich so lang nicht sah. Langsam ging ich die Stallgasse runter. Sammy hatte die Arme um Tirinas Hals geschlungen, doch Tirina sah mir entgegen.

Lucy, ich habe euch genau gleich lieb.
Warum kannst du meine Gedanken erraten?
Vielleicht weil unsere Kommunikation daraus besteht, dass wir zulassen, dass der andere unsere Gedanken lesen kann?

Du!, ich gab Tiri einen freundschaftlichen klaps und sie sah mich an. Und beinahe meinte ich ihre Augen verräterisch aufblitzen zu sehen...

Sammy löste sich von Tirina.
„Hey Lucy!“
„Hey Sammy. Was machst du hier?“
„Wir haben ja diesen Sommer unsern Abschluss gemacht und einige fangen jetzt mit dem Studium oder so. Aber ich habe mich für ein Auslandjahr entschieden um, besser Deutsch zu lernen. Und da ich Nina und Tsubasa schon kenne, habe ich hier angefragt, ob ich vielleicht ein Jahr lang hier arbeiten und reiten dürfe. Nina hat zugesagt.“ Meinte sie glücklich. „Na Tirina, was sagst du dazu?“
„Sammy, Tirina...“ meinte ich zögerlich. Wenn Sammy ein Jahr hier ist musste ich ihr sagen, dass sie verletzt ist. Ich hatte es bis her nicht getan, weil... zum einen war Tirina mein Pferd und Sammy ging das überhaupt nichts an, zum andern war wollte ich ihr eine solche Nachricht nicht unbedingt über E-Mail machen...
„Keine Problem, Lucy... Nina hat bereits gesagt...“ Was? Nina hatte Samantha schon über die Verletzung informiert? Ich wurde bleich...
Sammy fuhr weiter... „Lucy, du brauchst dir wirklich keine sorgen zu machen. Nina hat gesagt, dass sie mir die Stelle nur geben kann, wenn mir klar ist, dass Tirina DEIN Pferd sei und ich sie auch als solches behandle. Das heisst, dass ich sie gleich behandle wie alle andern hier im Stall. Als nicht davon ausgehe, dass sie für ein Jahr wieder mein Pferd ist, sondern dass ich sie bloss mal auf die Weide führe oder sie füttere.“
„Sammy, dass ist nicht das Problem... Ich würde dir Tirina gerne ein oder zwei Mal die Woche zu reiten geben.“
„Aber was dann?“
„Ich würde sie dir sogar die ganze Woche zum Reiten geben, wenn man sie wieder reiten könnte.“
Diese Nachricht liess Sammy verstummen. Dabei war das doch erst der Anfang!
„Was...haben...verletzt?“ stammelte Sammy. Sie war nicht mehr fähig korrekte Deutsche Sätze zu machen und wechselte ins Englische: „What does she have?“ fragte sie ängstlich.
„Tirina has a...“ ich suchte das Englische Wort für Sehnenverletzung, doch ich kannte das Wort tatsächlich nicht! Das verunsicherte mich ein wenig. Doch dann sprach ich auf Deutsch weiter. „Sie hat eine Sehenverletzung.“
„Eine was?“
„Sehen sind eine Art Bänder, die zwei Knochen verbinden.“
„Tendon?“
„Genau. Und sie hat sich die Sehne kaputt gemacht. Angerissen.“
„Oh.. That’s not good. And now?“
Es war mir zu kompliziert die ganzen Wörter, die ich im englischen nur selten oder nie gebraucht habe, in meinem Kopf zu suchen.
„Sie ist angerissen, das heisst nur halb durch. Aber sie heilt nicht besonders gut und deshalb darf Tirina seit Januar nicht mehr geritten werden und nur auf kleine Ausläufe.“
„Oh... How long? Since January?“
„Yes. I’m afraid so.“
„Poor Tirina. Is she in pain at the moment?“
„No she isn’t. I think she isn’t in pain anymore.“
„Okay, that’s good.“
„If you want, you can take care of her in the next few days, because I’m ill and with my twins, I haven’t much time, either.“
„Chloe told us. They’re called Melanie and Livianne, aren’t they?“
„Yes, they are. So, want you?“
„Yes of course. And I can take care of Madonna and Orio as well.“
„Orio... He died. But it would be nice, if you take care of Madonna and Tirina until I’m healthy again. And afterwards we can dicuss about a...a Reitbeteiliung or better Pfelgebeteiligung once or twice a week.“
„Oh, that’s great!“
„Hallo. Neu hier?“ fragte Angelika, die zu uns stiess.
„Äh nein ja. Ich arbeite für Nina ein Jahr. Ich bin von St.Claire in London und ging mal kurz mit Lucy in die Schule. Und als Tirina klein war gehörte sie mir.“
„Ach dann musst du Samantha sein.“
„Ja. Genau. Und sie?“
„Angelika Meyer. Lucys...“ Angelika sah mich fragend an.
„Mutter?“ meinte ich und lächelte Angelika an. „Sie ist Dads Freundin und Mutter von Benjamin.“
„Benjamin? Your half brother?“
„Genau.“

Als wir den Hof verliessen, kam uns Lelya wieder entgegen.
Etwas hilflos sah sie mich an. „Ich habe gerade den Bus verpasst und eigentlich müsste ich schon lange in Hofling sein, weil ich mich mit jemandem Treffe der noch ein WG-Zimmer frei hat, das ich gerne möchte. Weißt du wann der nächste Bus fährt? Weil ich habe jetzt gerade einen vorbeifahren sehen.“
„Der nächste sollte gleich kommen, fahren alle 10 Minuten.“
„Super danke.“
„Ach übrigens, das hier ist Lelya.“ meine ich an Angelika gewannt. „Und Lelya das hier ist Angelika Meyer. Meine... Meine Mutter. “ Angelika strahlte mich an. Dieser Tag war was ganz besonders für uns beide, doch das ahnte ich nicht. Auch nicht, wie viel ich später noch an diesen Tag zurückdenken würde. Genau an diesen Tag. Ab den Tag, an dem ich Angelika al smeine Mutter akzeptierte.
„Guten Tag Frau Meyer.“
„Hallo Leyla, Kannst mich gerne Angelika nennen.“
„Lelya, heisse ich. Aber keine Angst, sie sind nicht die einzige Person, die ihn falsch ausspricht. Und für den Fall, dass sie auch so Spitznamenverrückt sind wie ihre Tochter, dann bin ich für sie einfach Lya, aber bitte kommen sie nicht auf die Idee mich Lelly zu nennen.“
Angelika sah mich fragend an. Und als wir später im Auto sassen quetschte mich sie natürlich aus. Aber was konnte ich dafür, dass fast alle Personen hier in meinem Umfeld Spitznamen hatten? Cate, ich, Ben, Liv, Mel, Sammy, Davi,... selbst Dad auf seine besondere Art und Weise. Da war das einfach ein Impuls von mir immer nach dem Spitznamen zu fragen. Angelika lachte bloss darüber und wir fuhren Heim.

Angelika fuhr aufs Gestüt und parkte das Auto und verstand kurz zu ihren Pferden. Ich machte mich auf den Weg zu unserm Haus, begrüsste meine Twins, die Angelikas Mutter Elia ganz schön auf trab hielten.
„Und war’s schön?“
„Ja. Habe meine beiden Lieblinge vermisst. Aber sind dir die Twins auch nicht zu viel?“
„Nein, nein. Geh ruhig noch duschen.“
„Okay...“ meinte ich zögerlich und ging nach oben.

Ich wickelte mich gerade ins Badetuch als ich unten die Haustür klingeln hörte. Ich hörte, wie jemand nach unten ging. Es war also nicht mein Problem, doch dann hörte ich Schritte, die nach oben kamen.
„Lucy, bist du oben?“ rief mein Schwester von unten.
„Ja.“ Antwortete ich.
Ich hörte Schritte. Wer kam nach oben? Schnell schlüpfte ich in meine Kleider.
„Lucy, wo bist du?“ hörte ich mein Schwester nun ganz nah.
„Im Bad, komme gleich.“ Ich schlüpfte noch in den Pullover und öffnete die Tür. Wenn ich gewusst hätte wer da stand, dann hätte ich die Tür nicht geöffnet. Ich hätte sie geschlossen gelassen. Ich hätte mich im Bad versteckt. Doch so stand ich nur mit offenem Maul da und starte in ihr Gesicht. Irgendwann fand ich die Sprache wieder. „Chloe!“ stammelte ich. Und dann noch einmal: „Chloe du hier?“
Sie sprang freudig auf mich zu und umarmte mich stürmisch. „Sammy’s working here now for one years and so I tought I come with her to Germany and visit you. My studies starts in tow weeks...“Sie schien sich zu freuen wie ein kleines Kind. Aber ich mich nicht. Ich stand da wie eine Statue und sah meine Schwester hilflos an, die mir nur einen verwirrten Blick zuwarf. „Chloe ist doch deine ABF!“ formte sie stumm mit den Lippen und ging wieder nach unten. Ich es dauerte noch einige Augenblicke, bis ich meinen ganzen Mut zusammen nahm und Chloe von mir stiess.
„LUCY?! What’s that.“ rief die empört.
„GO!“ ich drehte.
„Lucy, my love.“ Meinte Chloe und lief um mich rum.
„Go!“
„But... “
„Go! I don’t want to say it a second time!“
„G-O, or!“
„What’s the matter? We were best friend, Lucy“
„Yes we WERE! But not anymore.“ Jetzt war es um meine Selbstbeherrschung geschehen. „Und nun GEH, ich will dich hier nicht mehr sehen. Du gehörst nicht mehr zu meinem Leben. Es war ein Fehler dir überhaupt von Mel und Liv zu erzählen. Für den Fall, dass du es nicht gemerkt hast, du bist schon lange nicht mehr meine beste Freundin. So und nun verschwinde.“
„Sorry, Lucy. I don’t understand.“
Erst jetzt merkte ich, dass ich in meiner Wut ins Deutsche gefallen war. Etwas komplett Neues. Früher, wenn es emotional wurde, wechselte ich ins Englische...
„GEH!, Go!“
„But...!“
„GEH!“ Ich drehte mich um und ging zurück ins Bad.
Chloe, die konnte mir gestohlen bleiben. Sie war schon lange nicht mehr meine beste Freundin. Unsere Wege hatten sich getroffen, sind eine Weile lang parallel verlaufen und haben sich nun wieder getrennt. Nein, Sie war ganz sicher nicht mehr meine ABF. Das war sie Mal... Nicht einmal eine Freundin ist sie mehr. Eine Freundin macht das nicht, was sie getan hatte. Nein. Nicht einmal eine schlechte Freundin. Was sie getan hatte war unter jeder Kritik. Ich wollte sie nicht wiedersehen, geschweige denn mit ihr reden.
Ich liess meine Wut an meinen Haaren beim durchkämmen aus. Dann öffnete ich die Tür und ging hinüber in mein Zimmer. Doch wer sass da auf meinem Bett? Chloe. Ich blinzelte sie böse an.
Sie hob beschwichtigend die Hände hoch. „Lucy, sorry. I have to tell you something. Please. It’s very importent. Please“
„No, go!“
„Please!“
„No, GO!“
„The Twins...“
„GO!“
Eine Träne lief über Chloes Gesicht. Dann erhob sie sich und lief mit gesenktem Kopf raus. Ich blickte ihr hinter her. Wie konnte sie nur?!

Als ich wenig später nach unten kam, sah ich zwar die fragenden Gesichter meiner Familie, doch keiner sagte etwas. Über belangloses Zeugs redend sassen alle über ihren Teller gebeugt da und assen. Ausser ich. Ich schwieg und stocherte in meinem Teller rum. Was hatte Chloe zuletzt noch gesagt. Sie müsse mir was sagen? Wahrscheinlich, dass es ihr leid tut, dass sie sich für ihr Verhalten entschuldigen wolle... Aber trotzdem nagte der Gedanken, dass es etwas anderes hätte sein können an mir. Aber was könnte es sein? Mir viel nichts ein... Also verwarf ich den Gedanken wieder... Verbannte Chloe aus meinem Kopf.

Am Abend kam Cate zu mir und fragte ich mich natürlich aus. Erst wollte ich nichts sagen und alles runter spielen, doch dann erzählte ich ihr alles was vorgefallen war und sie fand auch, dass Chloe so was wirklich nicht bringen konnte. Weinend darüber, dass Chloe und ich so auseinander gehen mussten kuschelte ich mich an meine Schwester. Cate, sie war da für mich. Zu jeder Tages und Nachtzeit. Immer. Und da bekam ich plötzlich einen Schock. Chloe und ich waren einst genau so gewesen.
„Cate?“
„Ja?“
„Versprichst du mir du mir, dass wir immer für einander da sein werden?“
„Klar, bin ich das. Du doch für mich auch... Oder?“
„Ja. Für immer und ewig.“ Meinte ich und schloss beruhigt meine Augen. Mit Cate an meiner Seite, konnte von mir aus noch sehr viel schief gehen...

#2 RE: Nr. - 40 Sommergrippe von Lelya 27.09.2014 22:20

OMG!!!! Ich bewundere immer wieder und wieder dein Schreibtalent *-* wenn ich doch nur ein bisschen davon hätte... <3

Lya ist übrigens ein wunderschöner Spitzname <3

#3 RE: Nr. - 40 Sommergrippe von Lucy 28.09.2014 08:41

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Danke. *Rot werden*. Ich mag es einfach meine Phantasien aus zu leben und wie man das Schreiben muss kommt dann ganz automatisch ziemlich schnell. Schreibe ja schon lange Berichte. Also hier schon 2 1/2 Jahre und da vor schon viele Jahre. Das kommt dann auch bei dir. Irgendwann kommt der Moment, wo du nicht mehr nur einen Text schreiben willst, sondern wo du deine Geschichte in deinem Kopf richtig lebst - und deine Finger sie nebenbei bloss noch aufschreiben.

#4 RE: Nr. - 40 Sommergrippe von Lisa 16.12.2014 09:35

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Also 1. Hatte ich den schon vor längerer Zeit gelesen, aber nicht kommentiert - keine Ahnung warum....
2. Sammy erfährt, dass Orio gestorben ist, reagiert aber in kleinster weise darauf?
3. Die Szene mit chloe war super geschrieben, sehr anschaulich, emotional und gut die Gefühle etc vermittelt
4. Sehr schöne Idee mit der Grippe, die gedankliche Rückblicke einbringt

So, und dann mal los zum nächsten :D

#5 RE: Nr. - 40 Sommergrippe von Lucy 20.12.2014 09:09

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Zum Punkt 2. - Da hatte ich mal was drin, aber irgendwie habe ich das wieder rausgelöst und im Kopf war da aber eine Szene drin. :D

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