#1 #8. Wie ein Tag mein ganzes Leben auf den Kopf stellt. von Philomena 15.11.2014 18:57

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Für diesen Bericht habe ich ziemlich lange gebraucht, ich hatte zwischendurch einfach keine Lust oder wusste nicht, wie ich ihn weiterschreiben soll. So gut gelungen, wie ich es mir gewünscht hätte, ist er jetzt nicht, aber dafür, dass er mir sehr schwer viel kann sich das Ergebnis glaube ich sehen lassen. Das Ende finde ich persönlich nicht so super, aber egal wie ich es ausprobiert habe, es ist nichts geworden und so war es dann doch annehmbar... Ich hoffe euch gefällt mein achter Bericht ^^ Endlich kommt dann auch mal die Diva Caps ins Spiel ^^

PS: Die wird übrigends den Spitznamen Caps und/oder Diva bekommen, wenn ich dann auch Miss Investment Lady eingebaut habe, besitze ich eine Prinzessin, eine Diva und eine Lady xp
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Wie lange war ich nicht mehr geritten? Es kam mir vor wie Jahre, als ich mich endlich auf Marrys blanken Rücken setze und die Zügel aufnehme. Es ist so viel passiert seit dem letzten Mal, fällt mir mal wieder auf. Meine Mutter ist tot, mein Vater ein totaler Versager, mein einer Bruder redet nicht mehr mit mir und den anderen habe ich nie kennengelernt. Kurz gesagt, meine Familie besteht aus einem Wrack. Meine Stute bewegt sich zielsicher auf die Ausfahrt zu und dann in Richtung Wald. Es ist noch sehr früh und die Sonne grade erst aufgegangen. Marrys Hufe schlagen dumpf auf den Waldweg in einem immer gleichen Rhythmus und ich lasse sie einfach laufen, wie sie will. Sie sucht sich einen schmalen Reitweg aus, der in Richtung Bach geht und läuft zielstrebig, mit nach vorne gestellten Ohren weiter. Ob Raven wohl grade bei unserem Vater ist? Wahrscheinlich schon, schließlich ist schon eine Woche vergangen seit er gefahren ist. Ob er irgendwas erfahren hat, und mir deshalb nicht unter die Augen treten will? Ich schrecke auf, als in diesem Moment mein Handy klingelt. Es ist Raven.
„Warum meldest du dich jetzt erst?“, schnauze ich in den Hörer.
„Tut mir Leid Mini, es … viel … passiert. Muss … wichtiges sagen!“
„Du, ich höre dich ganz schlecht, ich bin mit Marry im Wald. Ich rufe dich zurück wenn ich Zeit habe, ja?“
„Mini … ist wichtig!“
„Hab dich auch lieb, bis später!“
Wütend drücke ich den roten Hörer. Ich bin sauer. Auf ihn, auf mich. Vielleicht auch auf die Welt. Ich bin sauer auf meine Mutter, auf meinen Vater, auf Tante Gertrude und auf Luciano. Auf mein ganzes blödes Leben. Marry scheint meine Stimmung zu spüren, ihre Ohren wackeln unschlüssig hin und her. Ich spreche beruhigend auf sie ein, dann nehme ich die Zügel auf. Ein langer Galopp war das, was ich jetzt brauche. Ich klemme mich mit den Knien fest an ihre Seiten, kralle mich mit einer Hand in ihre Mähne und drücke kurz und leicht mit den Schenkeln. Die braune Stute Galoppiert aus dem Schritt an und gibt Vollgas. Zuerst habe ich Angst, dass ich runterfalle, obwohl ich schon oft ohne Sattel auf ihr galoppiert bin, doch diese Angst legt sich, als ich auch nach 20 Metern noch auf ihrem Rücken sitze. Am Ende des Weges bremst Marry von selber ab. Ich rutsche wieder in die richtige Position und lasse die Zügel wieder lang. Selber sucht sie sich einen Weg zurück. Ich liebe es, dass sie zu unerschrocken und gutmütig ist, selbständig und doch aufmerksam. Sie ist ein Traum von einem Pferd. Bald erreichen wir den Hof und ich rutsche vorsichtig runter. Ohne sie führen zu brauchen folgt sie mir zum Putzplatz, wo ich die Trense abnehme und auf den Putzkasten lege. Ohne dass ich sie festbinde kann ich ihr die Hufe ausratzen. Erschrocken quietsche ich auf, als mich jemand in die Seite piekt, worauf die dösende Marry einen Satz nach hinten macht.
„Das macht echt immer wieder Spaß!“, Alex grinst breit und kassiert auch den leichten Schlag auf den Oberarm mit einem lachen.
„Lass den Blödsinn!“, ich versuche mir das Lachen zu verkneifen, merke aber schnell, dass ich kläglich scheitere. Marry schaut immer noch ein wenig erschrocken zu uns, kommt aber als ich sie locke und lässt sich festbinden.
„Warst du mit Marry im Gelände?“, er nimmt mir beiläufig den Mähnenkamm aus der Hand und fängt an, Marrys vom Wind zerzauste Harre zu entwirren.
„Ja, ich glaube, wir brauchten beide ein wenig frische Luft.“, ich schaue ihm einen Moment zu, dann nehme ich mir eine weiche Bürste und streiche das Fell glatt.
„Mhm…“ Als Alex fertig ist mit der Mähne, widmet er sich dem Schweif.
„Und du? Was hast du die letzte Woche so gemacht?“
„Ach, du weißt schon, Pferde putzen, Boxen misten, mich von Nina und Julia anmeckern lassen. Alles ganz normal. Und wie geht’s dir?“
„Eigentlich sogar ganz gut. Ich kann es Daphne eigentlich nicht übel nehmen.“
„Naja, ich kannte sie ja nicht.“
„Dass willst du auch nicht.“
„Vielleicht…“
Ich nehme mir einen Besen und fege den wenigen Dreck zusammen, den Marry gemacht hat und schiebe ihn auf eine Schippe. Alex bindet Marry los und gemeinsam gehen wir rüber zum Misthaufen, wo ich das ganze ausgebürstete Fell hinwerfe und von da aus gehen wir direkt zu den Stutenweiden.
„Hast du nicht noch zu arbeiten?“, frage ich und schaue dabei auf die kleine Uhr an meinem Handgelenk. Halb 9.
„Joa, ein bisschen…“
„Ich kann dir helfen, zwei Stunden oder so, dann muss ich Brenda bewegen.“
„Echt? Super!“, er lacht breit und bringt Marry auf die Koppel, wo sie sofort ihren Kopf ins Gras sinken lässt und uns nicht weiter beachtet.

Ich hole mir eine Schubkarre und eine Mistgabel und fange an, bei den Hengsten einen Stall nach dem anderen auszumisten. Die Arbeit geht mir mittlerweile leicht von der Hand und ich habe schnell fünf Boxen fertig, als Nina grinsend um die Ecke rast und mit einem gekonnten Stopp vor der Boxentür hält. „Philomena!“, keucht sie in einem Atemzug. „Komm! Wir müssen los!“
„Was?“, frage ich ein wenig perplex. „Wohin denn?“
„Pferd, Lindenhof, Stute, gucken.“, bringt sie atemlos heraus. Sie stützt die Hände auf die Knie und atmet ein paar Mal tief durch, ehe sie noch einmal sagt: „Ich will mir eine Stute anschauen, die vielleicht als Zuchtstute zu uns kommen soll, aber keiner will mit mir fahren! Und alleine will ich auch nicht fahren, das ist langweilig. Also musst du mitkommen.“
„Okay, gerne. Aber ich habe noch nicht mit Brenda trainiert.“
„Egal, die kann auch mal Pause machen. Am Wochenende ist doch kein Turnier, oder?“
„Ne… Okay, lass mich kurz Alex Bescheid sagen, dann komme ich.“ Ich nehme die volle Schubkarre und lehre sie auf dem Misthaufen aus, dann suche ich nach Alex, der aber nicht schwer zu finden ist. Ich sage ihm, dass ich mit Nina wegfahre und welche Boxen noch nicht fertig sind, dann verabschiede ich mich und gehe auf den Parkplatz. Die Hofbesitzerin wartet schon an einem großen schwarzen Geländewagen auf mich.

„Wie lange brauchen wir denn so?“
„2-3 Stunden, kommt ganz auf den Verkehr an…“
„Okay.“ Ich lehne mich zurück und schließe die Augen. So war mein Tag eigentlich nicht geplant gewesen, aber für Überraschungen bin ich ja eigentlich offen.

Wir reden über alles Mögliche. Nina fragt mich nach meinen Erfolgen mit Marry und Brenda und ich gebe ihr bereitwillig Auskunft. Kurzzeitig sprechen wir über einige Zuchtpferde, die ich leider noch nicht kenne und wie die Fohlen von diesem Jahr sind. Eher belangloses Zeug. In dem Moment, in dem ich auf eine Antwort auf die Frage „Wie war’s denn auf dem letzten Turnier?“ antworten wollte, klingelt mein Handy. Ich lasse es einfach. Nach ein paar Sekunden schaut Nina mich kurz von der Seite an, um direkt danach wieder ihre Augen auf die Autobahn vor uns zu richten.
„Willst du nicht rangehen?“
„Nein.“
„Aber es könnte wichtig sein.“
„Ist mir egal.“
„Und warum?“
In Wirklichkeit habe ich Angst, dass es Raven sein könnte. In Wirklichkeit habe ich Angst, dass es mein Vater sein könnte. In Wirklichkeit habe ich Angst, dass mich die Wahrheit verletzt. Doch ich bin feige, will meine Angst hinter einer fröhlichen, aufgesetzten Miene verstecken und antworte nur: „Ich will jetzt nicht telefonieren.“
„Aber wenn es wichtig ist…“
„Ist mir egal. Ich will nur mal einen Tag meine Ruhe haben.“
„Und wenn es Eve ist? Wenn irgendwas passiert ist? Ach, egal, hat ja jetzt eh aufgelegt.“ Seufzend konzentriert sie sich wieder auf die Fahrbahn. Als ich nichts antworte und mich nicht bewege sagt sie nachdrücklich: „Schau wenigstens nach, wer angerufen hat? Du musst auch nicht zurückrufen.“
Ich ergebe mich und ziehe das alte Tastenhandy aus meiner Hosentasche. Mein gutes altes Nokia. Ich glaube, ich habe es schon seit der 6ten Klasse. Ich konnte noch nie mit dem neuen Schnick Schnack umgehen, mit ihren Touchscreens, etlichen Apps und immer neuen Designen. Ich brauche nur was zum Telefonieren und was nicht direkt den Geist aufgibt. Ich merke, dass ich mich drücke. Wenn es jetzt wirklich Raven ist, mache ich mir nur wieder Sorgen. Mache mir Gedanken über Wenn‘s und Abers die es gar nicht gibt. Und ich gucke doch, weil Nina mich drängt. Es war Danilo. Ich kaue unbewusst auf meiner Unterlippe herum. Doch nicht mein Bruder, oder mein Vater oder andere Leute, die ich nicht sehen will. Nina schaut mich fragend an.
„Und? Wer war’s?“
„Danilo.“ Die braunhaarige weiß wer damit gemeint ist, denn Eve musste natürlich allen – wirklich ALLEN! – auf dem Hof erzählen, dass ich mich mit ihrem alten Klassenkameraden treffe, egal ob sie es wissen wollten oder nicht.
„Ach so, also nicht schlecht?“ Sie grinst und zieht anzüglich beide Augenbrauen in die Höhe.
„Es ist nicht so wie du denkst! Wir sind nur Freunde!“, das Blut steigt mir in den Kopf.
„Nein, natürlich nicht. Wie konnte ich nur so etwas denken?“, ruft sie übertrieben aus. „Ich glaube, dass sie ein bestimmter Kerl ganz anders!“
„Er will auch nur Freunde sein!“
„Ja klar, und ich angle mir einen Millionär!“ Der ganze Satz trieft nur so vor Sarkasmus.
„Das ist doch gar nicht so abwegig.“, erkläre ich ihr mit meiner besten Professorenstimme. „Es gibt immer auch eine nur minimale Wahrscheinlichkeit. Und du bist eine hübsche junge Frau, jeder Mann würde dir verfallen.“
Sie lacht übertrieben und weicht im nächsten einem Raser aus, der uns verdrängen wollte. Sie ruft ihm Verwünschungen hinterher, die ich noch nie gehört habe und schimpft immer noch vor sich her, als wir schließlich die nächste Abfahrt herunterfahren.

„Halt still, wir sind ja gleich da.“ Tatsächlich fahren wir nach nur wenigen Minuten eine lange Allee runter, die an beiden Seiten von Pferdeweiden gesäumt ist. Ich klebe mehr oder weniger an der Fensterscheibe und bestaune die riesigen Grasflächen, mit den kleinen Trauben Pferden drauf. Auf einer Wiese stehen einige Jungpferde, die alle etwas wirr aussehen, noch nicht richtig ausgewachsen aber auch nicht richtig Fohlen. Sie spielen miteinander und ich sehe ihnen einen Moment zu, dann sind wir dran vorbei. Der Hauptteil des Hofes besteht aus einem riesigen Platz, um den die Gebäude drum herum errichtet sind. Zu beiden Seiten erstrecken sich Pferdeställe aus denen uns Pferde munter entgegen schauen. Eine Reithalle und etwas, das aussieht wie eine Sattelkammer oder ein Reiterstübchen bilden den Anfang. Ich erhasche einen kurzen Blick auf mehrere Reitplätze die einen äußeren Ring bilden. Dann steuern wir auf das große Haupthaus zu. Es sieht fast aus wie ein Schloss im Kleinverschnitt. Ich liebe diesen Hof jetzt schon. Nina hält den Wagen kurz davor und fast im nächsten Moment springe ich heraus und versuche so viel von der Umgebung in mir aufzunehmen, wie ich kann. Ich bemerke die junge Frau, die aus dem Haus kam erst, als sie direkt vor mir steht. Blonde lange Haare, blaue Augen und Reithose. So stelle ich mir eine gute Fee vor. Nina und sie umarmen sich lächelnd und stellt dann mich vor. „Das ist Philomena, sie ist eine Einstellerin bei uns und kümmert sich um ein paar Turnierpferde.“
„Hey, schön dich kennen zu lernen! Ich bin Bianca, mir gehört der Lindenhof.“
„Hey.“, antworte ich schüchtern und versuche ein Lächeln. Bianca schenkt mir dafür ein Strahlen. „Ich schlage vor, wir sehen uns direkt die Stute an?“
„Okay, ich bin schon ganz gespannt.“, Nina und Bianca gehen vor auf einen Stalltrakt zu und die Blonde erklärt wohl gerade noch ein wenig zum Pferd, doch ich höre nur mit halben Ohr zu. Etwas anderes zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Eine junge Braune Stute will sich anscheinend nicht abspritzen lassen. Sie sieht noch ein wenig überbaut aus, kann nicht älter als drei Jahre alt sein und verschlägt mir den Atem. Die beiden Pfleger scheinen ganz schön Probleme mit ihr zu haben. Den einen schleift sie beinahe hinter sich her, als sie versucht dem Wasserstrahl auszuweichen. Ich bleibe stehen und schaue einen Moment zu. Sie versuchen, die Stute zu beruhigen aber sie will anscheinend nicht. Dabei ist über und über mit Schlamm und Blättern bedeckt. Ein Dreckspatz. „Philomena, kommst du?“, höre ich Nina rufen doch ich gestikuliere nur, dass ich gleich nachkomme und schaue weiter zu dem kleinen Spektakel. Einige Momente später gehe ich hin und spreche die Frau mit dem Wasserschlauch an.
„Hallo. Was macht ihr? Kann ich irgendwie helfen?“ Verdutzt schaut sie mich an. Sie kann noch nicht viel älter als ich sein.
„Äh, klar? Ich bin Mia. Das ist Benjamin.“ Sie deutet auf den jungen Mann, der das Pferd festhält.
„Ich bin Philomena. Ich bin eigentlich nur zu Besucht hier aber ich dachte, ihr könntet vielleicht Hilfe gebrauchen.“
„Ein bisschen ist gut. Sie will sich einfach nicht waschen lassen! Dabei soll sie morgen mit auf eine Show, wo sie verkauft werden soll!“
„Sie soll verkauft werden?“, sofort spitzen sich meine Ohren. Vielleicht? Nein! Ich habe schon Marry. Und was will ich denn mit einem nicht gerittenen Jungspund? Ich sollte mir diese verrückte Idee gleich wieder aus dem Kopf schlagen!
„Genau, und so können wir sie ja wohl nicht mitnehmen, aber sie kennt leider noch nicht so viel…“
„Habt ihr ihr erst den Wasserschlauch ohne Strahl gezeigt? Vielleicht hat sie einfach nur Angst vor dem grünen Ding?“
„Stimmt! Wir sind direkt mit Wasser ranggegangen!“, Mia stellt das Wasser aus und geht noch mal langsam auf die braune Stute zu. Sie bläht die Nüstern, stellt die Ohren nach vorne und stellt anscheinend alles auf Flucht ein. Mia zeigt ihr langsam den Schlauch, lässt sie dran schnuppern und plötzlich scheint alles gut. Als die junge Frau nun das Wasser wieder andreht, ist das alles kein Problem mehr.
„Eine kleine Diva.“, grinse ich.
„Das wir da nicht früher drauf gekommen sind!“, Benjamin haut sich leicht mit der Hand auf die Stirn. „Es ist ja eigentlich ganz simpel gewesen.“ Er ist schön, daran besteht kein Zweifel. Graublaue Augen, kurzes, braunes Haar, groß gewachsen und nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick. Ich mag ihn.
„Sie hat sich aber auch angestellt. Wie heißt sie eigentlich?“
„A Capella, du weißt doch, dieses Singen ohne Instrumente.“
„Kenne ich.“ A Capella schaut mich gespannt an, als ich auf sie zugehe und die Hand ausstrecke. Sie schnobert drüber, lässt mich dabei aber nicht aus den Augen. „Sie ist wunderschön.“, stelle ich fest. „Ja, aber ein kleiner Haudegen, eine Diva, ein wenig zu selbstbewusst und sie hat ein wenig zu viel Temperament von ihrer Mutter.“, lacht Benjamin. „Ich bringe sie mal zurück in ihren Stall, danke für deine Hilfe!“
„Bitte, ich helfe gerne immer wieder!“

Nina und Bianca finde ich auf dem großen Reitplatz. Erstere sitzt auf einer großen braunen Stute, die mit einer himmlischen Leichtigkeit über den Boden tanzt. Ich stelle mich zu Bianca an den Zaun der den Platz umgibt und stütze mich darauf ab.
„Die beiden sehen echt gut zusammen aus.“, stelle ich fest.
„Ja, Sommerliebe ist ja auch eine sehr angenehme Stute. Ich hoffe sehr, dass Nina sie kauft.“
„Sie sieht auf jeden Fall sehr begeistert aus.“ Und das stimmt. Egal, was Nina von Sommerliebe verlangt, die Stute führt alles präzise und mit einer überraschenden Leichtigkeit aus und zaubert Nina ein Lächeln auf das Gesicht. Nach weiteren zehn Minuten kommt sie zu uns herüber geritten.
„Wow!“
„Das dachte ich mir beim ersten Mal auch.“, Bianca lacht und klopft Sommerliebe am Hals, während ihre Reiterin absitzt. „Wäre sie was für dich?“
„Definitiv, aber ob ich die Summe für sie aufbringen kann, ist eine andere Frage.“
„Du kannst es dir ja noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Solange machen wir sie mal fertig und wenn sich noch jemand für sie interessiert, sage ich dir bescheid, ja?“
„Okay, ich würde mich dann nächste Woche melden, wenn ich mit Julia gesprochen habe.“
Bianca übergibt Sommerliebe an einen Pfleger, der sie absattelt und trockenführt. Wir drei gehen zurück zum Auto, wo wir noch einmal an A Capella vorbei gehen, welche mir interessiert hinterherschaut.
„Bianca?“
„Ja?“, sie bleibt stehen und schaut zu mir zurück.
„Was würdest du sagen, wenn ich auch gerne ein Pferd von dir hätte?“
Sie schaut ein wenig überrascht, dann schweift ihr Blick zu dem Pferd in der Box und wieder zu mir zurück.
„Das wäre natürlich toll! Hast du denn eins gesehen, dass du gerne hättest?“
„Mh, ja. Allerdings weiß ich nicht, ob sie das richtige für mich ist. Und ich habe auch schon eine Stute, eigentlich könnte ich es nicht bezahlen. Aber sie hat es mir wirklich angetan.“
„Du meinst Caps? Sie wird morgen bei einer Auktion vorgestellt.“
„Ja, habe ich schon gehört.“ Meine Stimme wird immer leiser. Ich schaue zu der braunen Stute. Sie hat einen schelmischen Blick, sicher ist sie nicht sehr einfach und eventuell ist sie gar nicht geeignet für mich, aber sie hat es mir angetan.
„Okay, wie wäre es, wenn ich sie morgen nicht mitnehme und du dir das noch einmal überlegst. Wenn du sie nimmst, kannst du sie dann irgendwann abholen, wenn nicht würde ich sie einfach beim nächsten Mal mitnehmen.“
„Echt? Super, Danke!“, ein Strahlen erhellt mein Gesicht und irgendwo tief in mir drin weiß ich, dass meine kleine Familie bald ein bisschen größer wird. Und mir ist sehr wohl bewusst, dass es keine leichte Zeit wird.

Mein Gesicht schmerzt vom vielen Lachen, als wir bei mir vor dem Haus halten. Es ist schon dunkel draußen und Nina hat darauf bestanden, mich direkt nach Hause zu bringen. Ich verabschiede mich bei ihr und bedanke mich bestimmt schon zum hunderttausendsten Mal, dass sie mich mitgenommen hat. Ich winke ihr nach, bis sie die Straße runter verschwunden ist, dann mache ich mich mit meinen müden Beinen zur Haustür auf. Ich will einfach nur noch in mein Bett und schlafen und eventuell noch duschen, wenn ich denn genügend Kraft dazu habe. Auf mein Klingeln macht Evelyn die Tür auf und schaut mich mit einem komischen Gesicht an.
„Wo warst du so lange? Ich habe mir Sorgen gemacht!“
„Tut mir Leid, ich habe vergessen dich anzurufen. Ich war mit Nina unterwegs, Zuchtstuten anschauen.“
„Du Trottel.“, sie schmeißt sich in meine Arme und drückt mich fest an sich. „Ich weiß nicht, ob du das jetzt verkraftest, aber da gibt es etwas, das du wissen solltest.“
„Ich will einfach nur noch in mein Bett, Eve.“
„Aber das ist wichtig!“, sie nimmt mich an den Schultern und drückt mich ein wenig weg, damit sie mich anschauen kann. „Du musst jetzt ganz stark sein, hörst du?“ Ich sehe, wie sich die Tränen in ihren braunen Augen sammeln und muss schwer schlucken.
„Eve? Eve, was ist los? Hey, beruhig dich! Alles ist gut. Sssch.“, ich schließe sie in meine Arme und streichele ihr über den Kopf, wobei ich meinen Arm allerdings ganz schön strecken muss.
„Nichts ist gut!“, jetzt weint sie. Ich bin ein wenig geschockt über ihren Gefühlsausbruch und weiß nicht so ganz, wie ich damit umgehen soll. Nachdem sie sich ein wenig beruhigt hat schnieft sie ein paar Mal und reibt sich die Tränen weg.
„Tut mir Leid. Vielleicht gehst du einfach ins Wohnzimmer. Ich glaube, ich muss mir mal kurz das Gesicht waschen.“, sie stürmt vor mir in den Flur und die Treppe hoch. Ich ziehe mit einem unguten Gefühl meine Reitstiefel aus und stelle sie an ihren Platz, dann schaue ich ins Wohnzimmer.

Raven sitzt auf dem Sofa und sieht mich erstaunt an. Irgendwie sieht er anders aus, aber doch wie er.
„Raven? Was machst du hier, es ist mitten in der Woche! Warum weint Eve?“
„Du bist Philomena.“ Er sagt es, als wäre es eine Feststellung. Raven springt auf und schaut mich mit einem komischen Blick an. „Du bist Philomena.“, wiederholt er.
„Ja, sicher bin ich Philomena! Und du benimmst dich eigenartig.“
„Du bist meine kleine Schwester.“, sagt er wieder atemlos, als wäre das etwas ganz neues.
„Funktioniert dein Gehirn nicht richtig? Bist du ein Roboter?“
„Nein, Philomena, ich… Ähm…“
„Du nennst mich nie Philomena. Habe ich irgendetwas angestellt?“, misstrauisch blicke ich ihn an, ziehe dann meine Jacke aus und schmeiße sie über die Sofalehne. Raven steht immer noch mitten im Zimmer und sieht mich an, als wäre ich eine neu entdeckte Spezies.
„Hast du deine Haare abgeschnitten? Die waren doch beim letzten Mal länger.“
„Ähm, ja, ich meine nein. Also…“
Ich höre Schritte hinter mir und drehe mich um, mit dem Gedanken, dass es Eve ist. Doch ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus, als Raven hinter mir steht, so, wie ich im Gedächtnis habe, die Haare richtig, der richtige Ausdruck im Gesicht. Ich blicke wieder zurück und Raven steht wieder im Wohnzimmer und dann wieder im Flur. Ich blinzele ein paar Mal, doch auch das löst die Fata Morgana nicht auf.
„Mini,“, beginnt der Raven auf dem Flur „Ich denke, wir müssen dir ganz viel erklären.“
„Raven, ich glaube, ich habe Halluzinationen. Du bist zweimal da!“, sage ich, da ich einfach nicht realisieren kann, was gerade in unserem Wohnzimmer vor sich geht.
„Kleines, darf ich dir Luciano vorstellen? Deinen großen Bruder.“, sagt der Raven auf dem Flur und kommt näher. Fassungslos schaue ich von einem zum anderen und dann brechen die Tränen aus. Hätte der richtige Raven mich nicht gefangen, wäre ich mit voller Wucht auf den Boden aufgeschlagen, weil meine Beine mich einfach nicht mehr halten können. Der zweite Raven, der mein toter, nie da gewesener großer Bruder sein sollte, schaut ein wenig traurig. Vermutlich hat er gedacht, ich würde ihm in die Arme fallen, ihn willkommen heißen, doch das kann ich nicht. Ich bin müde, gereizt, verwirrt, geschockt und überfordert. Meine Hände klammern sich von alleine an Raven, krallen sich in sein T-Shirt und halten ihn ganz fest, das tränenüberströmte Gesicht an seiner Brust verborgen. Das erste Zusammentreffen mit meinem toten Bruder war ein einziges Desaster.

#2 RE: #8. Wie ein Tag mein ganzes Leben auf den Kopf stellt. von Lucy 16.11.2014 10:59

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Endlich ein weiterer Teil! Sehr spannend, das Ende hätte besser sein können, aber ich wüsste jetzt auch grade nicht wie so auf die Schnelle. Davor ist alles auch ganz schön geschrieben. Weiter so!

#3 RE: #8. Wie ein Tag mein ganzes Leben auf den Kopf stellt. von Philomena 16.11.2014 13:17

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Danke :D Stimmt, ich finde das Ende auch nicht so super, aber was ich davor geschrieben habe war noch schlimmer O.o

#4 RE: #8. Wie ein Tag mein ganzes Leben auf den Kopf stellt. von Lisa 18.12.2014 11:30

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Fangen wir mal am anfang an:
ich finde du hast es sehr schön eingbaut, dass du mit Marry ausreiten warst & dann raven angerufen hat, du aber nicht zurück gerufen hast weil du angst vor "der wahrheit" hattest, bzw angst hattest, was er sagen würde.
dann der besuch vom lindenhof war auch super, wie du diva kennen gelernt hast etc. war überraschend aber sehr schlüssig in die geschichte integriert, und ich freue mich schon darauf, sie näher "kennenzulernen", also mal sehen wie es mit ihr wird :)
dann natürlich die szene bei dir zuhause; ich finde sie gut! auch das ende ;)
vlt bin ich auch nur momentan bisschen euphorisch weil ich auf "VRH-Entzug" war, aber ich finde den ganzen bericht gut gelungen :)
und das ende macht wieder lust auf mehr, schade, dass du noch nicht weitergeschrieben hast :)

hiermit feuer ich dich also an, weiterzuschreiben :P
*go.mena.go*!!!
:)

#5 RE: #8. Wie ein Tag mein ganzes Leben auf den Kopf stellt. von Philomena 18.12.2014 16:29

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Danke Lisa *-* Ich habe mir mal grade deine ganzen Kommentare durchgelesen ;) Ich freue mich voll, dass dir meine Geschichte gefällt! Ich finde sie übrigens auch besser als die mit Lilly, weil Philomena meiner Meinung nach viel mehr Charakter hat. In die Sache mit Luciano steigere ich irgendwie voll rein, weiß auch nicht warum. Ich weiß auch nicht, wie ich beschreiben soll was Mena fühlt, weil ich ja nicht direkt die perfekte "Beziehung" zwischen ihnen entstehen lassen kann, dass finde selbst ich unschlüssig... Allerdings wird der nächste Bericht wahrscheinlich eher ein kurzer, Zusammenfassender, weil ich ja auch noch Miss und Blacky irgendwie einbauen muss und es einfach nicht erwarten kann o.o Ganz ehrlich? Das mit Minze und Luciano kaufe ich mir selber nicht ab :D Zwar weiß ich noch nicht, was daraus werden soll, aber irgendwie fand ich es ganz süß... Mal sehen, als Idee im Hinterkopf wird daraus auch eher so ne Freundschaftliche Beziehung...

Naja, abschließend wollte ich nochmal sagen, dass ich mich sehr über deine Kommentare gefreut habe *-* Vorallem macht es mich richtig stolz das es dir gefällt! In den Weihnachtsferien setze ich mich dann mal wieder ans schreiben, da ich jetzt ziemlich lange leider nicht dazu gekommen bin :(

LG Mini

#6 RE: #8. Wie ein Tag mein ganzes Leben auf den Kopf stellt. von Lisa 19.12.2014 09:56

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Das ist gut, dass du bald weiterschreibst :)
Ich freue mich schon auf den nächsten bericht - und dass du Blacky schon bald einbaust freut mich umso mehr :)

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