#1 Nr. 51 - Gewissheit (Teil 1) von Lucy 31.01.2016 12:40

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Nr. 51 - Gewissheit (Teil 1)

Drei Tage waren nun vergangen seit ich das Tagebuch zu Ende gelesen habe. Tobias war bereits wieder abgereist, er musste wieder in seine Vorlesungen gehen und ich auch wieder arbeiten. Im Reisebüro stürzte ich mich nur so in die Arbeit: Ja, nur nicht grübeln. Über Mittag fuhr ich zum Essen zurück aufs Gestüt und wurde von meinen beiden Mädchen belagert. Auf der Autofahrt zurück an die Arbeit, fing ich an zu grübeln. Doch schnell lenkte ich meine Gedanken auf andere Bahnen. Nicht an das Tagebuch denken! Ich grübelte also über mein finanzielles Problem mit meinem neuen dritten Pferd. Ich glaube es war wirklich die beste Idee Madonna und Tirina mit aufs Gestüt hinüber zu nehmen. Ich würde zwar selber misten müssen, aber die Zeit sparte ich durch den Weg wieder ein, der bloss noch ein oder zwei Minuten lang war. Es hätte wirklich nur Vorteile. Ich beschloss nach der Arbeit mit Nina zu reden. Schliesslich war es auch nicht fair von einem Tag auf den andern bei ihr zu verschwinden. Ich wusste nicht einmal ob es so was wie eine Kündigungsfrist gab... Ich musste mich unbedingt erkunden gehen. Am Nachmittag war nicht viel los und so hatte ich schon alle Arbeit erledigt, als das Reisebüro schloss und so musste ich nicht – wie vorgesehen – noch eine Stunde länger bleiben für die Büroarbeit. So kam ich früh zu Madonna und Tirina. Als ich die Stallgasse betrat, begrüsste mich ein gewohntes brummeln. Mein Herz sprang vor Freude! Wie ich das vermisste hatte. Ich ging zu Tirina hin und knuddelte sie. Dann begrüsste ich noch Madonna. Ich nahm beide aus der Box und putzte sie über. Dann beschloss ich Madonna zu satteln und Tirina als Handpferd mit ins Gelände zu nehmen. Ich wickelte mir einen dicken Schal ums Kinn und setzte meinen Reithelm auf. Dann ging es raus in die Kälte. Da alle Wege gefroren waren und leider der meiste Pulverschnee zu Matsch und dann zu Eis geworden ist. So konnte ich nur im Schritt reiten. Doch das war egal. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht ritt ich in den Wald.

Amber Milford... Ich grübelte immer wieder über den Namen nach. Irgendwie sagte er mir etwas, aber ich wusste dann doch wieder nicht was. Mir kam kein Gesicht in den Sinn. Denn noch meinte ich mich zu erinnern, dass ich in schon einmal gehört habe. Aber wo? Madison Owen hingegen kann mir ganz unbekannt vor. Diesen Namen, der zu einer guten Freundin meiner Mutter gehören sollte, hatte ich wirklich noch nie erhört. Was hatte das auf sich? Doch alles grübeln half nichts. Obwohl ich Angst davor hatte, wer sich hinter diesen Personen verbarg und noch viel mehr, was meine Mutter mit ihnen zu tun gehabt hatte. Doch langsam siegte die Neugier. Ich zog mein Handy hervor und tippte Madison Owen. Ich fand zwar einige Treffer zu facebook oder Twitter Profilen, doch die Gesichter kamen mir unbekannt vor. Also versuchte ich es mit Amber Milford. Auch hier kam ich auf einige Facebook Profile, aber dann sah ich einen Link zu einer Homepage. Als sich die Seite langsam lädt, da erkannte ich sie. Sie gehörte zum Magazin ‚wanderlust’ was auf Englisch so viel wie ‚Fernweh’ bedeutete. Bei wanderlust hatte meine Mutter gearbeitet. Ich klickte ein wenige auf der Seite herum und fand heraus, dass Amber Milford die Chefredakteurin des Magazins war. Jetzt wusste ich auch, weshalb ich den Namen schon einmal gehört hatte, aber nie ein Gesicht. Das war vermutlich die Chefin meiner Mutter gewesen... Ich steckte das Handy wieder ein und merkte, dass Madonna und Tirina selbständig an der letzten Kreuzung abgebogen sind. Ich lächelte Tiri an und sendete ein stummes Danke an sie. Ich wusste ja, dass man eigentlich nicht auf dem Pferd am Handy sein sollte, aber...

Zurück auf dem Hof versorgte ich die Pferde und sah, das in Ninas Büro noch Licht brannte. Ich entschloss mich, auch wenn es mir nicht einfach viel, gerade Mal sagen zu gehen, dass ich umziehe. Was nützte es mich noch, dass alles hinaus zu schieben?
Ich trat ein. „Hallo Lucy“, begrüsste mich Nina.
„Hi.“
„Was führt dich zu mir?“
„Ähm... Ich wohne ja schon seit einiger Zeit drüben bei Dad und ich denke ich werde meine Beiden nun auch rüber zügeln. Es ist zwar hier wirklich schön, aber...“ unsicher sah ich Nina an.
Nina lächelte mich an. „Ich habe mich eh schon gewundert, weshalb du deine Pferde nicht schon früher hinüber genommen hast. Nicht das wir dich hier weg haben wollen, aber du hast eine top Anlage vor der Haustür! Besonders jetzt mit deinen Twins, wirst du ja kaum mehr eine ruhige Minute finden.“
„Man gewöhnt sich dran und ich habe ja zum Glück meine Familie im Hintergrund.“
„Ja, da kannst du dich glücklich schätzen. Wann willst du dann ausziehen?“
„Ich weiss es noch nicht so genau. Haben wir irgend so was wie eine Kündigungsfrist vereinbart?“
„Eigentlich immer auf das nächste Monatsende, aber im Moment bring ich die Boxen schnell wieder voll. Du kannst also auch gerne früher ausziehen. Ich habe heute morgen gerade Interessen hier, die gerne drei Boxen wollten. Es hat so getönt, als würde sie zusagen, aber sie mussten das noch mit ihrem Mann besprechen. Und vor ein paar Minuten hat sich schon wieder jemand nach einer Box erkundigt... Geh also wenn es dir passt.“
„Danke. Ja ich werde einmal mit Dad sprechen müssen. Mal sehen. Überstürzen brauchen wir auch nichts – ausser du brauchst natürlich die Boxen für einen Nachmieter. Bei Dad stehen die Boxen für Tirina und Madonna leer, also übersiedeln kann ich immer.“
„Gib mir einfach bescheid.“
„Danke.“

Als ich wenig später völlig verfroren ins Haus trat, begrüsste mich Zoey schwanzwedelnd. Ich kraulte meine Hündin und ging nach oben. Angelika rief aus der Küche, dass das Essen gleich fertig ist und ich mich doch schnell umziehen gehen soll. Als wir nachher alle unten am Tisch sassen blickte ich in die Runde.
„Dad ich habe mir Nina gesprochen. Ich würde dein Angebot gerne annehmen.“
„Welches Angebot?“ fragte Cate.
„Das Madonna und Tirina hier aufs Gestüt kommen.“ Erklärte Dad.
„Echt? Cool. Ich dachte noch, du würdest sie nie hier rüber holen!“ meinte Cate.
„Und wann bringst du sie rüber?“ fragte Angelika.
„Nina meinte, ich kann gehen, wann ich mag. Sie würde die Boxen schnell weiter vermieten können.“
„Gut, dann denke ich wir zügeln sie am nächsten Wochenende?“ machte Dad einen Vorschlag.
Ich zuckte mit den Schultern.
„Ja das Wochenende darauf ist dann wohl allerhand los und dann noch eine Woche darauf ist schon Weihnachten...“
Ich nickte. „Ja. Ist wohl wirklich das Beste.“

Nach dem Essen setzte ich mit meinen Twins auf den Boden und baute mit ihnen Türme, die sie wieder umwarfen: Ihr absolutes Lieblingsspiel schon seit Wochen. Sie könnten es eigentlich einmal wechseln. Dann langsam wurde es mir langweilig. Naja, Hauptsache ihnen macht es spass. Dann trug ich meine Kinder nach oben, brachte sie ins Bett und ging zurück nach unten. Cate sass am Tisch vertieft über einem Anatomiebuch von Pferden. Da sie noch in der Ausbildung war ging sie ein Tag pro Woche noch zur Schule und schon bald hatte sie eine Prüfung.
„Warum zum Teufel müssen diese Knochen auch alle so komische Namen haben?“
„Cate, dass ist bloss Latein!“
„Eben, wer kann das noch. Das ist eine tote Sprache.“
„In London hatte ich das noch.“
„Heisst aber trotzdem nicht, dass es sinnvoll ist. Und überhaupt, du kannst sie ja auch nicht fliessend.“
„Ich habe ja auch nicht die Schule abgeschlossen.“ Konterte ich.
Cate verdrehte die Augen. „Halt die klappe Lucy und sei froh, dass du wegen deinem mehrjährigen Aufenthalt am St. Claire Gymnasium deine Ausbildung im Reisebüro auf verkürzen konntest, sonst dürftest du nun auch noch büffeln!“
„Ich bin ja schon weg.“ Meinte ich und ging die Treppe nach unten zur Haustür.

Als ich die Stallgasse betrat war alles friedlich. Ich liebte diesen Moment, wenn alle Pferde Heu frassen. Max kam um die Ecke.
„Was machst du dann noch hier?“
„Ich arbeite noch mit Navajo.
Er nickte. Max war immer noch irgendwo auf dem Hof beschäftig, meistens noch Stunden nach Feierabend.

Der Wallach betrachtet mich. Er rannte zwar nicht davon, aber er war bereit dazu. Drei Tage und einen Abend war er jetzt schon hier. Am ersten Abend und noch am Turnier selber, hatte er mir etwas vertraut. Aber seit da war er abweisend mir gegenüber. Er rannte zwar nicht davon, aber er war immer auf Alarmbereitschaft. Er war keinen Augenblick entspannt. Beim putzten spürte ich auch heute seine angespannten Muskeln unter dem Fell. Ich führte ihn hinüber in die Halle. Dort liess ich ihn frei. Er trabte los, galoppierte, buckelte und blieb dann in sicherer Entfernung stehen. Er schnaubte aber weder ab noch fand ich sonst ein Anzeichen von Entspannung. Er war bereit zu kämpfen. Er vertraute dem Menschen nicht mehr. Nur solange die Menschen weit weg waren und er unter Pferden war, da konnte er sich entspannen. Aber sobald Menschen in seiner Nähe waren, war er jederzeit Flucht und Kampf bereit. Er liess mich zwar an sich heran beim Halfter anziehen und putzten, aber glücklich war er dabei nicht. Ich stellte mich in die Mitte. Draussen heulte ein Motor auf. Navajo rannte auf die andere Seite. Seine Nüstern geweitet, sein Kopf hoch.

Das war bloss ein Auto, kein Grund zur Panik Navajo!

Doch der Wallach reagierte nicht auf meine Gedanken. Während auf dem Turnier er mir zwar nicht geantwortet hatte, aber zumindest meine Worte beachtet hat, so liess er nun nichts mehr an sich kommen. Ich schaffte es nicht mehr eine Gedankenübertragung auf zu bauen. Heute nicht, gestern nicht, vorgestern nicht,... Es schien als wäre Navajo auf einem andern Kontinent, dabei hatten wir die Verbindungen schon einmal! Na gut, nur einseitig. Ich konnte ihn verstehen, aber er hatte mir nie geantwortet. Von Tag zu Tag, so schien es mir, drifteten wir weiter auseinander. Ich sperrte die Hälfte der Halle ab und versuchte ihn etwas frei zu longieren, während ich in den Pausen immer wieder versuchte eine Gedankenübertragung herzustellen. Doch es war vergebens. Alles was ich bewirkte, war, dass Navajo wie ein wilder um mich herum galoppiert, da er immer wieder sich erschreckte vor irgendwas. Er wollte nicht mit mir zusammen arbeiten. Er zeigte mir das ganz deutlich. Er wollte nichts mit mir zu tun haben. Ich konnte ihm gestohlen bleiben. Deswegen konnte ich auch keine Verbindung aufbauen... Er war unerreichbar für mich.

Gefrustet, weil ich schon wieder das Gefühl hatte, mit diesem Training nochmals ein Schritt zurück statt vorwärts gegangen zu sein, ging ich wieder zurück ins Haus. Angelika lass noch und Dad war nirgends zu sehen. Cate sass immer noch über ihrem Anatomiebuch. Ich ging nach oben, sah nach meinen Twins, die tief und fest schliefen und zog mich aus. Dann setzte ich mich aufs Bette. Ich nahm das Tagebuch aus meinem Nachtisch. Ich las nochmals den letzten Eintrag durch:

06.03.2012
Ich weiss nicht wie es die Zentral arrangiert hat, aber gleich werde ich in meiner Wohnung stehen.
Amber nahm mich kurz vor ich zur Wohnung aufbrach zur Seite:
„Du machst das doch nur wegen deiner Tochter?“
„Warum weißt du das?“
„Als was arbeiten wir?“
Ich nickte.
„Hör zu, eigentlich dürfte ich es nicht, aber: Lege in irgendein wichtiges Ding von dir gut versteck, ein Zettel rein auf dem der Name deiner Tochter steht. Schreib, dass, wenn dir etwas passieren sollte, deine Tochter doch Amber Milford kontaktieren und nach Madison Owen Fragen soll – Madison sei ein sehr gute Freundin von dir.“

So, Lucy, da ich – was Amber natürlich nicht weiss – die Seiten in meinem Tagebuch über den Tot von Nataly Miller hinaus führe und somit hier drin Sachen erwähne, die nicht in mit dem Leben als Kind, als Ehefrau Nataly Davids und später mit dir hier als wieder Nataly Miller passiert sind, schreibe ich das hier nicht auf einen separaten Zettel, der ich so bloss für den Fall, dass mir etwas passieren könnte, irgendwo hin lege. Amber weiss auch nicht, dass ich beschlossen habe, schon als ich mit dir schwanger war, dir meine Tagebücher zu hinterlassen, falls mir etwas geschieht. Diese falls, war damals wirklich nur ein falls. Damals wusste ich noch nichts von meinem jetzigen Job, den ich erst seit wir wieder zurück sind ausübe. Seit da arbeite ich für die Zentrale, mittlerweile wurde ich schon drei Mal befördert: nach dem ersten Jahr, also du ins Internat gingst und jetzt.

Lucy, ich bitte dich wirklich diese Amber Milford (56 Xandor Drive, London / 333-33-45-22-1) zu kontaktieren und nach Madison Owen zu fragen. BITTE! Alles ab dem 3. März weißt du natürlich nicht. Merk dir dies ganz gut, denn es könnte mich - und vielleicht auch dich - in sehr grosse, lebensbedrohliche Schwierigkeiten führen. Ich denke nicht, dass die Zentrale unsere Wohnung durchsucht und ausgerechnet das Buch hier findet – das Risiko wäre zu gross für sie gesehen zu werden. Aber sollte die Zentral diese Zeilen doch lesen, so bitte ich euch beim Urteil zu bedenken, dass ich es für meine Tochter tue, aus Liebe zu ihr, und, dass hier keine elementare Informationen stehen.

So liebe Lucy, jetzt werde ich das Tagebuch gleich zu den andern in die Schachtel legen. Und dann werde ich nur noch hoffen können, dass wir uns eines Tages vielleicht doch irgendwie wiedersehen. Ich hoffe es. So gerne würde ich Catherine und dich vereint sehen: Meine beiden kleinen Engel. Du glaubst nicht, wie sehr ich mir das wünsche. Bis dahin werde ich mich in meinen neuen Job stürzen, ich arbeite gerne für die Zentrale, sie haben immer spannende Aufträge für mich!

Lucinda, du bist stärker als ich und bist schon immer eingestanden für das, was du richtig empfindest. Kämpf weiter und bleib wie du bist, mein kleiner Engel! Umarme Catherine von mir.

Lebe wohl, Lucy!
alles Liebe,
Mom


Ich starrte die Telefonnummer an: 333-33-45-22-1. Das war wahrscheinlich die Telefonnummer der Redaktion oder die Nummer von Amber Milford. Aber wer war Madison Owen? Für mich tönte es so, als sei Amber Milford nur die Kontaktperson zwischen mir und dieser Madison Owen. Seufzend legte ich das Heft auf die Seite. Ich nahm mein Handy, kontrollierte, dass der Wecker gestellt war und sah, dass Tobias geschrieben hatte.

Und wie geht’s? Ich weiss nicht, ob ich nächstes Wochenende kommen kann, wenn ihr Madonna und Tirina zügelt. Das Wochenende darauf, ist aber schon fest reserviert.

Super! Ich freue mich dich, dieses Wochenende zu sehen und sonst spätestens nächstes.
Und übrigens: Über Google habe ich herausgefunden, dass Amber Milford die Chefredakteurin des Magazins war, für das meine Mutter gearbeitet hat.

Der Mittwoch brach an und er verlief nicht anders als der Tag davor. Ich ging arbeiten, spielte mit den Twins, ritt zusammen mit Sammy auf Tirina und Madonna aus und arbeitete mit Navajo – mit dem einzigen Ergebnis, dass ich nur noch deutlicher wusste, dass dieses Pferd nichts mehr von Menschen wissen wollte. Er wollte und konnte nicht mehr mit einem Menschen ein Team bilden. Navajo vertraute ihnen nicht mehr. Ich wollte ihm ja sagen, dass er hier nichts mehr zu befürchten hatte, doch wie sollte das klappen, wenn er wir keine Verbindung mehr zu stand bekamen? Abends sass ich auf dem Bett und tippte probehalber die Nummer von Amber im Telefon ein. Doch dann löschte ich schnell alle Ziffern wieder, ehe ich versehentlich auf den grünen Hörer kam. Wütend über mich selber, dass ich versucht hatte die Frau anzurufen, legte ich das Telefon zur Seite. Warum konnte ich nicht einfach das auf die Seite legen? Einfach bleiben lassen. Konnte ich nicht einfach akzeptieren, dass Mom am 3. März aus meinem Leben trat? Was spielte es da für eine Rolle, ob sie da starb oder doch überlebte? Mom wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Sie hat sich selber aus meinem Leben geschnitten – konnte ich das nicht einfach akzeptieren? Warum konnte ich die Vergangenheit nicht einfach ruhen lassen? 333-33-45-22-1 Die Nummer hatte sich in meinen Kopf eingeprägt, als wäre es mein eigener Name. Ich legte mich ins Bett und sah zum Fenster raus. Es war Vollmond und die Weiden von Dad glitzerten Weis im Licht. Ich wünschte alles könnte bleiben wie es war... Aber die Welt konnte man nicht anhalten, sie drehte sich kontinuierlich weiter!

Auch der Donnerstag schien erst so, also würde es ein Tag wie immer werden. Ich stand auf, duschte, weckte die Twins, machte Morgenessen, ging zur Arbeit. Am Morgen kamen so viel Kunden, dass ich nur kurz Zeit hatte zum grübeln und mich dabei ertappte, wie ich die 333-33-45-22-1 im Telefon eingab. Doch schnell löschte ich die Zahlen wieder. Am Mittag machte ich mich auf in den Stall. Meine Mittagspause war länger als die der meisten Leute, ich hatte meine Chefin Frau Kern danach gefragt und sie hatte nichts dagegen gehabt. Madonna knuddelte ich kurz, aber heute stand Tirina an. Ich putzte sie und wir ritten in den Wald hinein.

Tiri?
Ja?
Ich habe mich entschlossen: Wir ziehen zu Dad rüber.
Du meinst ich und Madonna, du bist ja schon lange drüben.
Ja.
Findest du das okay?
Ja, das ist okay.
Sicher?
Sicher. Ich war ja schon oft drüben. Es ist schön dort.
Danke.


Der Rest des Weges ritten wir schweigend weiter. Als wir zurück auf dem Hof waren, sattelte ich Tirina ab und brachte sie in die Box.

Lucy?
Mmmh?
Ruf an.


Ich versteinerte.

Wo?
Du weisst wo. Es wird dir keine Ruhe lassen, bis du Gewissheit hast.


Tirina wandte sich ab und ging auf den Paddock raus. Ich blickte ihr nachdenklich nach.

Ich zog mein Handy hervor, tippte die Nummern ein, doch mein Mut reichte nicht, auf die grüne Tast zu drücken.

Es tut mir Leid Tiri, ich schaff das nicht...
Du bist stärker als du glaubst.


Am Nachmittag war im Reisebüro nichts mehr los. Ich konnte alle Mails und andere Administrativen Aufgaben während der Sprechstundenzeit erledigen. Eigentlich hätte ich danach noch eine Stute davor hier bleiben müssen, oder wie eigentlich gedacht, es im Mittag zu machen und dafür kürzer Mittag. Doch Frau Kern meinte einmal, da ich mit den Twins viel zu tun hätte, dürfe ich auch schon früher gehen, wenn alles erledigt ist. Doch noch ging es fast 1.5 Stunden bis die Sprechzeit zu Ende war. Ich tippte gedankenverloren wieder die Nummer im Telefon auf meinem Schreibtisch ein. Ich dachte an Tirina. Du bist stärker als du glaubst. Tirina musste sich da irren. Ich? Stark? Nein. Ein starker Mensch würde sich von so einem Ereignis nicht aus der Bahn werfen lassen!
Ich weiss nicht wie es passiert ist, aber plötzlich hatte ich auf den grünen Knopf gedrückt.
Tuut. Tuut. Schnell legte ich wieder auf. Was zum Himmel hatte ich da gemacht!
Schnell nahm ich irgendwelche Unterlagen hervor und studierte nochmal, ob ich auch alles richtig gemacht habe. Ich wusste zwar genau, dass mir kein Fehler unterlaufen war, aber nun schien es mir, als wäre es das wichtigste im Leben, nochmals zu schauen, ob auch wirklich alles richtig war...
Ich erschrak zu Tode, als das Telefon klingelte. Ich getraute mich erst gar nicht abzunehmen, doch dann sagte zu mir selber, dass dies ein absolut kindisches Verhalten war und griff zum Höhrer:
„Reisebüro Easy Travel Hofling. Davids am Apparat.“
„Guten Tag, hier ist Herr Sember.“
Ich war richtig erleichtert, dass es Herr Sember war. Er plante mit seinen Kindern und Enkelkinder Weihnachten in einem Hotel in den Schweizer Alpen zu verbringen und er rief mindestens drei Mal in der Woche an um sich zu vergewissern, dass auch alles noch so war wie auf dem Vertrag...
Nachdem ich ihm versichert habe, dass alles noch so ist, wie er es wollte, legte er auf. Nur um zwei Sekunden später wieder anzurufen, um zu fragen, ob es für seine Enkelin auch lactosefreie Milch gab. Sie sei Allergisch. Ich wusste es nicht, aber damit er ruhe gab, erklärte ich ihm, dass ich es abklären würde und ihn danach wieder anrufen. Zum Teufel, was hatten die Leute alles für Probleme? Schlimmsten falls würde seine Enkelin eben keine Milch trinken. Eine Woche lang würde sie das schon überleben und andernfalls gab es in der Schweiz auch Supermärkte, die das verkauften. Seufzend suchte ich die Telefonnummer des Hotels, doch es nahm gerade niemand ab. Also beschloss ich, eine Mail zu schreiben. Ich war gerade mitten im Schreiben, als erneut das Telefon klingelte. Ich atmete tief durch. Zum Glück hatte ich das Mail noch nicht abgesendet, vielleicht ist Herr Sember unterdessen eingefallen, dass eines seiner Enkelkinder noch unter weisser-Bettwäsche-Allergie litt oder, dass es kein Schnee vertrug...! Wäre Cate jetzt da gewesen hätte sie die Augen verdreht und gemeint, ich solle endlich abnehmen. Seufzend griff ich zum Hörer.
„Reisebüro Easy Travel. Davids am Apparat.“ Begrüsste ich den Herr Sember halbherzig und tippte die Mail gleichzeitig weiter.
„Hello this ist Amber Milford from Wanderlust.“
Der Hörer fiel mir beinahe aus den Händen.
Ich brauchte einen Moment ehe ich mich wieder gesammelt habe. „Travel agency Easy Travel, Lucinda Davids speeking. How can I help you?“ wiederholte ich in Englisch um Zeit zu gewinnen.
„I received a mussed call alert on my phone from your travel agency. Have you phoned me?“
Ich schluckte. Wie zum Teufel kam ich da wieder raus?! Ich konnte jetzt schlecht sagen, ich habe ein Heft gefunden und darin steht, dass ich anrufen soll...
„My mother worked in your office...“ Ich brach ab. Bevor sie starb, wollte ich eigentlich sagen, aber nun kam es mir nicht über die Lippen. „Now I found somthing that belong to Madison Owen. I wonder if she might work for you.“
„I’m sorry but Madison Owen is not employeed by wanderlust. However, I will ask if someone know her. What’s the name of your mother?“
„Nataly Davids“ Oder Miller?, fragte ich mich. Unter welchem Namen war sie im Büro bekannt? Seit ich mich erinnern kann, hat sich meine Mutter Davids genannt. Vielleicht deshalb habe ich meinen Nachnamen nie mehr Bedeutung geschenkt. Ein zittern lief mir den Rücke runter. Hätte ich nur einmal den Namen Davids im Google eingegeben, bestimmt wäre ich nach ein paar Links auf Catherine Davids gestossen, schliesslich wurde sie immer bekannter und auch auf Tim Davdis... Aber meine Mutter hat nie viel über mein Vater erzählt. Das wenige was ich von ihm wusste stimmte alles nicht... Und nach vielen erfolgslosen Fragen als kleines Kind war irgendwann der Zeitpunkt vergangen, um wirklich zu fragen. Ich hat irgendwann in Kauf genommen, dass ich keinen Vater habe...
„Hello? Ms Davids?“ wurde ich vom andern Seite der Leitung wieder wach gerüttelt.
„Maybe someone know her as Nataly Miller, Miller was her maiden name.“
„Okay. I’ll look what I could do.“
„Thank you.“

Das Herzklopfen ging immer noch nicht weg, als ich Zuhause im Bett lag. Zuvor hatte ich erst mit den Twins gespielt und dann noch Navajo bewegt. Naja, eigentlich hatte ich ihn viel mehr in die Halle geführt und dort freigelassen und er ist in die andere Ecke galoppiert und dort stehen geblieben, die Hinterhand mir zugewandt und immer bereit zu flüchten. Ich habe die ganze Zeit auf den Abstand geachtet und versucht eine Verbringung auf zu bauen. Doch es klappte nicht. Stattdessen loderte die Wut in mir. Auf mich weil ich angerufen habe, auf Navajo weil er mir mein eh schon komplizierteres Leben nur noch komplizierter machte, auf... Ich war wütend auf die ganze grosse Scheisswelt. Da ich nicht schlafen konnte, beschloss ich nochmals hinunter zu gehen und mir etwas zu Trinken zu machen. Einen Tee vielleicht... Ich zog mir einen Pulli über und begab mich auf den Weg nach unten.
Im Wohnzimmer brannte noch Licht. Leise hörte ich die Stimmen von Angelika und Dad. Warum musste ich eigentlich immer unabsichtlich ihre Gespräche mithören? Ich wollte mich eigentlich umdrehen und wieder hoch gehen, doch meine Füsse versagten ihren Dienst.
„Tim du kannst das Cate nicht verbieten.“ Meinte Angelika bestimmt.
Was wollte er meiner Schwester verbieten?
„Soll ich es deiner Meinung nach gutheissen?“ meinte Dad gereizt.
„Tim, Cate und Lucy sind nun 19 Jahre alt. Beide sind keine kleinen Kinder mehr.“
Ich sah Dad zwar nicht, aber ich konnte mir gut vorstellen, dass er sich durch die Haare fuhr. „Sie ist noch nie in ihrem Leben Ski gefahren! Da kann aller Hand passieren.“
„Und Springreiten ist wohl weniger gefährlich...“
„Das kann sie im Schlaf...“
„Tim, ich weiss genau so gut wie du, dass das Skifahren nicht dein eigentliches Problem ist!“
Dad antwortete nicht.
„Dich stört doch viel eher, dass Cate dann zwei Nächte mit Mike alleine im Chalet seines Onkels verbringen wird.“
„Ich will bloss nicht, dass ihr das gleiche passiert, wie Lucy.“ Meinte Dad zögerlich und mir schnürte es den Magen zu, als ich an meinen letzten Aufenthalt in London dachte.
„Mike ist ein anständiger junger Mann, dass weiss du genau.“
„Trotzdem, wer weiss was da alles passieren kann...!“ Dad stand wütend auf und endlich setzten sich meine Beine in Bewegung. Leise huschte ich wieder die Treppe rauf. Ich kam im oberen Stockwerk an und wollte schon die Tür öffnen, die ins Dachgeschoss führte, als ich aus Cate Zimmer ein leises schluchzen hörte. Ich klopfte leise an die halboffene Tür. „Darf ich reinkommen?“
Ich hörte nur ein brummen und sah es mal als Erlaubnis an, da sie mich nicht anschrie. Cate lag auf ihrem Bett mit dem Gesicht in ihr Kissen vergraben.
Ich setzte mich auf ihre Bettkante. „Was ist los?“
Cate drehte ihr verweintes Gesicht zu mir. „Mike hat mich eingeladen zwischen Weihnachten und Silvester mit ihm in das Chalet seines Onkels zu gehen, um dort Ski zu fahren.“
Ich blickte sie an.
„Ich habe Mike einmal erzählt, dass ich noch nie in meinem Leben auf Skier stand. Das ich mein ganzes Leben fast nur auf dem Pferderücken verbracht habe. Ich war zwar eine Zeit lang im Schwimmclub und eine Zeit lang auch in der Pfadi, aber Skiferien haben wir nie gemacht. Mike war schon seit er klein ist, sehr oft im Winter bei seinem Onkel und er hat mir versprochen mir eines Tages das Skifahren beizubringen...“
„Aber Dad lässt dich nun nicht gehen.“
Cate nickte. „Er sagt es sei zu gefährlich. Aber weißt du wie viele Leute jährlich auf der Skipiste stehen? Viele. Nur ganz wenige verletzen sich von den allen! Ich werde auch aufpassen und garantierte nicht wie ein Idiot viel zu schnell den Hügel runter fahren. Das kann ich ja gar nicht. Dad hat mich schon Pferde reiten lassen, die viel gefährlicher waren...!!“
Ich blickte meine Schwester an.
„Wir leben doch in einer Schweisswelt Lucy, oder?“
Ich nickte. Da konnte ich ihr absolut Recht geben! „Aber wir haben immer noch uns.“ Sprach ich ihr, aber auch mir selber, Mut zu.
Cate nickte, setzte sich auf und legte ihren Kopf auf meine Schulter.
„Glaubst du ich kann Dad klar machen, dass Skifahren nicht ganz so gefährlich ist und er mich doch gehen lässt?“
Sollte ich ihr sagen, was ich wusste? Erst wollte ich es ihr nicht sagen, aber ich musste es doch. „Cate... vielleicht hörst du das jetzt nicht ganz so gerne, aber ich denke Dad hat weniger Problem damit, dass du Ski fährst, als dass du...“
„Als das ich was?“
„Also das du zwei Nächte mit Mike im selben Raum verbringen wirst und du vielleicht mit ihm schlafen wirst.“
Cate sass plötzlich ganz aufrecht da und wurde leicht rot im Gesicht. „Ich... Ich bin...schon 19 ½ Jahre alt!“ stotterte sie.
Ich blickte sie an. „T’schuldigung das ich es so direkt gesagt habe.“
„Schon okay. Aber wie kann sich Dad darüber so aufregen. Schliesslich bin ich die älter von uns beiden und du hast dein erstes Mal schon viel früher gehabt.“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, Cate! Das stimmt nicht, ich habe noch nie...“
„Und woher sind dann Livianne und Melanie?! An die Storchgeschichte glaube ich schon lange nicht mehr, Lucy!“ Cate Stimme war richtig wütend geworden.
„Cate das ist was anderes, das...“ funkelte ich sie böse an. Wie konnte sie mich nur daran erinnern. „Das würde ich ganz bestimmt nicht als erstes Mal bezeichnen!“ Wütend sprang ich vom Bett auf und wollte aus dem Zimmer stürmen, doch Cate packte mein Arm. „Nicht Lucy. Es tut mir leid, dass ist mir bloss so rausgerutscht. Ich meine es nicht so. Ich bin nur böse auf Dad. Wir sind beinahe 20 und keine kleinen Kinder mehr. Und meine kleine Schwester ist schon Mutter, da...“
Ich liess mich wieder aufs Bett fallen.
„Vielleicht ist gerade das das Problem.“
„Was?“
„Das ich die Twins habe und...“ ich atmete tief durch „...Das ich diesem Mistkerl begegnet bin.“ Ich machte eine Pause. „Dad hat doch einfach Angst, dass dir dasselbe passiert.“
„Das ich auch schwanger werde und er noch ein vierten Schreihals hier im Haus hat?!“ Sie lachte schon beinahe. „Nee, Lucy. Ich mag zwar deine Twins und unseren kleinen Bruder auch, aber ich will noch nicht Mutter werden und da gibt es heutzutage ja genügend Möglichkeiten das zu verhindern.“
Ich schluckte. Ich hatte damals ganz alleine entschieden, dass ich meine Twins behalten wollte – na gut, vielleicht mit Cate zusammen. Aber Dad und Angelika mussten meine Kinder einfach akzeptieren. Klar waren die beiden Dads Grosskinder, aber in gewisser Weise waren es auch seine Kinder... Benjamin war schliesslich gleich alt und er behandelte sie genau gleich wie sein Sohn, Cate und mich. Hatte Dad das gemeint bei seinen Aussagen? War ich genau wie Angelika vom falschen Standpunkt ausgegangen, days er gar nicht so sehr von der Vergewaltigung sprach, sondern viel mehr von den Folgen? Von meinen Twins? Mein Herz fühlte sich plötzlich an als hätte jemand rein geboxt. Wünschte er sich am Ende, dass Melanie und Livianne nie geboren worden wären? Eine Träne kullerte mir über die Wange.
Cate sah mich bestürzt an. „Lucy! Was ist los?“ Sie legte einen Arm um mich.
Ich wischte mir mit der Hand über Augen. „Nichts.“
„Hey, vor mir musst du nichts verschweigen.“
Ich atmete tief durch. „Nein, ist schon okay.“
Doch Cate liess nicht locker. Also begann ich stockend zu erzählen. „Ich bin nochmals schnell runter und da haben ich Dad und Angelika sprechen hören: über Mike und dich. Über deinen Ausflug mit ihm. Ich habe nicht viel gehört, aber Angelika meinte zu Dad, dass er dich gehen lassen soll und hielt ihm unter die Nase, dass es ihn doch viel mehr störte, dass Mike und du alleine seit und nicht das Skifahren der Grund sei. Dad meinte darauf hin, dass dir nicht dasselbe passieren soll wie mir...“
„Wie kommt er darauf?! Mike würde so etwas NIE machen.“ Ich nickte. „Ich habe es auch auf diesen Teil geschoben, aber vielleicht meinte er mit dieser Aussage auch Livianne und Melanie... Vielleicht will er sie nicht... vielleicht sieht er sie als Last.“
„Nein Lucy.“ Cate sah mich streng an.
„Doch, schliesslich hatte er keine Wahl und plötzlich zwei Kinder mehr im Haus. Er hat bestimmt Angst davor, noch ein Säugling hier zu haben, nachdem er schon meine Kinder hier erdulden muss.“
Ich habe nicht gemerkt, wie Dad während unserem Gespräch ins Zimmer trat. Ich spürte einfach plötzlich seine Hand auf meinem Rücken. Ich zuckte zusammen. Dad kniete sich vor mich hin und umarmte mich. „Das glaubst du doch nicht wirklich Lucy?“
Ich zuckte mit den Schultern.
Sein Gesicht versteinert. „Du denkst also wirklich, dass ich Mel und Liv als Last ansehe?“
Ich blickte in Dads trauriges Gesicht, mein Herz schnürte sich zusammen. Ich gab ihm keine Antwort.
„Lucy!“
Ich blickte ihn an.
„Du hattest ja keine Wahl.“
„Hör zu Lucy, ich sage es nur ein einziges Mal: Melanie und Livianne sind die besten Grosskinder der Welt, die ich mir wünschen könnte und ich liebe sie genau so wie Ben, Cate und dich. Ich würde sie für nichts in der Welt eintauschen. Das einzige was ich mir wünsche, ist, dass, das was in London passiert ist, nicht hätte passieren müssen, damit Melanie und Livianne in unser Leben treten...“
Dad drückte mich an sich und ich legte meine Arme um ihn. Wie hatte ich auch nur so dumm sein können! Ich wusste doch...!
„Es tut mir leid, dass ich das über dich gedacht habe, Dad. Ich hätte es besser wissen müssen. Ich weiss es ja eigentlich auch, aber...“
Er sah mich an. „Nicht so schlimm Lucy! Manchmal steigert man sich in etwas rein und kommt dann zu falschen Schlüssen, weil zu viel Emotionen auf einmal im Spiel sind.“
Ich legte meinen Kopf auf Dads Schulter. Das liebte ich so sehr an ihm. Fehler die man machte, hielt er einem nicht unter die Nase, sondern er half einem sie unbedeutend zu werden zu lassen.
Angelika kam mit Ben auf dem Arm zur Tür herein. Etwas verwirrt sah sie zu Dad und mir rüber. Sie blickte uns etwas verwirrt an, doch dann sah sie Tim an.
„Und?“
Dad blickte zu Cate hinüber. „Eigentlich bin ich ja hochgekommen und dir zusagen, dass...“ Dad atmete tief ein „Angelika und ich haben entschieden, dass du gehen darfst.“
Cate Gesicht leuchtete auf. „Echt jetzt?“
„Bedank dich bei Angelika.“
Cate sprang auf. „Juhui!!“ Sie drückte Tim einen Kuss auf die Wange und stürmte zu Angelika rüber. „DANKE, du bist die beste Mutter der Welt.“
Ich sah wie Angelikas Gesicht aufhellte, sogar eine kleine Glücksträne konnte ich entdecken. Auch ich hatte mit den Tränen zu kämpfen, aber nicht aus Glück sondern aus Wut: Hier war sie, die perfekte Familie. Ich konnte Angelika noch nicht Mama oder was ähnliches nennen, aber das war für uns beide okay. Aber Cate konnte es. Und jetzt tauchte Mom auf...! Am liebsten hätte ich laut geschrien, doch ich atmete nur tief ein und stand auf. „Ich bin oben.“ Meinte ich und verliess das Zimmer. Ich sah nicht Angelikas und Tims prüfender Blick auf mir.

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